Gute Idee

Seit Frühjahr 2016 gibt es auch in Hamburg den Creative Morning. Henning Skippe von ErlerSkibbeTönsmann brachte die Veranstaltung nach Hamburg. Weltweit treffen sich in über 150 Städten einmal im Monat Kreative aus den unterschiedlichsten Sparten, hören einen inspirierenden Kurzvortrag und kommen ins Gespräch.

Am 2. Dezember war in Hamburg Timo Blunck zu Gast, der in den 1980er Jahren als Musiker von Palais Schaumburg (nächstes Jahr soll ein neues Album rauskommen) bekannt wurde und heute Musik auch für Werbung, Events und mehr komponiert. Bei seinem Kurzvortrag ging es um Sound, Rhythmus und Musik. Es wurde auch live Bass gespielt. Thematisch war das eher weiter weg von meinem Tagesgeschäft, aber dennoch inspirierend. Und in Erinnerung bleiben wird bei mir vor allem eine Aussage von Blunck, die sich so auch auf alle anderen Kreativ-Unternehmer übertragen lässt:

Die Technologie verkürzt den Weg zum Ziel, aber man braucht noch immer eine gute Idee.

Denn genau diese Ideen unterscheiden den Profi vom Amateur, den Kommunikationsdesigner vom Anhübscher.


Und hier noch ein kurzer audiovisueller Eindruck von der Veranstaltung:

Rezension »Reinzeichung und Druckvorstufe mit InDesign«

reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch-titel-763x1024Vor einiger Zeit wurde ich von einer Kollegin gefragt, was denn alles bei der Reinzeichnung zu beachten sei und ob ich irgendwelche Checklisten hätte. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen, da diese Checkliste zwar existiert, aber nicht schriftlich, sondern sich in über 20 Jahren in meinem Kopf angesammelt hat. Mit dem Buch »Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign« ist das jetzt anders.

Als ich das Buch von Michael Neuhauser in die Hand bekam, fragte ich mich: »200 Seiten über Reinzeichnung?« Nach der Lektüre kann ich sagen, dass jede einzelne Seite des Buches richtig und wichtig ist.

Reinzeichnung beinhaltet alle Schritte, um ein Design fehlerfrei für den Druck aufzubereiten. Sinnvoll ist es, sich schon zu Beginn des Gestaltungsprozesses ein paar Gedanken zu machen. Und ganz wichtig ist es, von Anfang an mit den richtigen Farbeinstellungen zu arbeiten.

Neuhausers Buch beginnt genau damit und stellt entsprechende Dateien und Links zur Verfügung. Er empfiehlt und beschreibt ausführlich Grundeinstellungen für InDesign, aber auch Photoshop und Acrobat – die zusammen mit Illustrator das Grundgerüst jedes Kommunikationsdesigners sind (für jede Software gibt es natürlich Alternativen, diese hier – alle aus dem Hause Adobe – sind momentan marktbeherrschend).

Das Kapitel »Technische Grundlagen« gliedert sich in 18 Unterkapitel zu Dokument, Schriften, Verknüpfungen, Farbprofile, RGB-Bilder, CMYK-Bilder, Graustufen-Bilder, Vektorgrafiken, Farbfelder, Linien, Überdrucken und Aussparen, Separationsvorschau, Reduzierungsvorschau für Transparenzen, Rand und Beschnitt, Verborgene Elemente, Überfüllung und Unterfüllung (Trapping), Nur im Notfall: Schriften in Pfade umwandeln, Kontrolle mit Preflight. Ein extra Kapitel befasst sich dann auch noch mit »technischen Spezialfällen«. Schon durchs Inhaltsverzeichnis wird deutlich, wie detailliert sich Neuhauser mit der Materie beschäftigt hat.

Überrascht hat mich die Aussage, dass »einige Workflows (…) inzwischen nur noch mit RGB-Bilddaten [arbeiten] und (…) diese erst beim PDF-Export in das passende CMYK-Farbprofil [konvertieren]« (Seite 51). Genau diesen Workflow erlebe ich als Standard und hätte ihn daher entsprechend ausführlich beschrieben. Hier fehlt mir allerdings die statistische Grundlage, um zu klären, ob es wirklich nur »einige« oder die Mehrheit so wie ich machen.

Viel Raum nimmt zu Recht auch das Kapitel »Typografie« ein. Zu zwei Punkten möchte ich etwas anmerken: So empfiehlt Neuhauser auf Seite 129 »Shift + Enter«, um einen Zeilenumbruch innerhalb eines Absatzes zu erzwingen. Ich füge hier lieber vor dem Wort »Cmd + Shift + Minus« (= »Bedingter Trennstrich«, der dazu führt, dass das nachfolgende Wort nicht getrennt wird) ein, da das weniger Auswirkungen auf den Textumfluss hat, falls der Text sich doch noch einmal verändert, oder – was heutzutage auch immer häufiger vorkommt – neben der gedruckten Version noch ein E-Book produziert werden soll.

Zum Aufräumen der vom Kunden gelieferten Texte hat Neuhauser eine Reihe von GREP-Abfragen entwickelt (ab Seite 132), die man je nach Bedarf auf den Text anwenden kann. Damit werden nicht nur doppelte Leerzeichen beseitigt, sondern können auch falsche „Anführungszeichen“ (richtig: „Anführungszeichen“ oder »Anführungszeichen«) korrigiert, richtige Trennstriche eingesetzt werden und vieles mehr. Da dies ganz am Anfang des Designauftrags geschehen sollte, nämlich wenn der Text ins Layout fließt, hätte ich mir gewünscht, dass auch weiter vorne im Buch darauf deutlich hingewiesen wird. Und mir fehlt ein Hinweis, dass es auch Skripte gibt, die das Aufräumen erledigen können (»FindChangeByList« zum Beispiel) – wenn auch nicht so detailliert.

Im letzten Kapitel geht es dann um das Druck-PDF. In der ersten Auflage des Buches wurde hier noch PDF-X/3 empfohlen, was richtigerweise in der mir vorliegenden 2. Auflage korrigiert wurde: Je nach Anforderung sind PDF-X/1 oder PDF/X-4 zu empfehlen.

Abschließend präsentiert das Buch noch 6 hilfreiche Checklisten, die Käufern des Buches auch als Download zur Verfügung stehen, und einen ausführlichen Index.

Für alle, die die erste Auflage des Buches gekauft haben, sei das kostenlose Update empfohlen, das man sich auf der Website des Autors (Link) runterladen kann.

Noch zwei kleine Optimierungs-Wünsche (die aber die eindeutige Empfehlung für das Buch nicht mindern): Das »REINZEICHNUNG« auf dem Titel sollte gerade, wenn es um dieses Thema geht, korrekt mit einem Divis getrennt werden. Und die Druckqualität ist nicht ganz optimal: Gerade kleine Schrift »suppt« etwas weg.

Wenn mich jetzt jemand fragt, was bei der Reinzeichnung zu beachten ist, habe ich eine verlässliche und detaillierte Empfehlung. Die € 34,90 sind für Anfänger, aber auch für Profis, eine lohnende Investition, um ein sicheres Gefühl bei der Druckproduktion zu bekommen – und die Druckerei, sich selbst und nicht zuletzt den Auftraggeber ein bisschen glücklicher zu machen.

Michael Neuhauser
Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign
2., veränderte Auflage, 2016
200 Seiten
€ 34,90
http://www.michael-neuhauser.de/reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch


Anmerkung: Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Warum ich schwedische Werbung mag

Werbung in Schweden (reklam ist das ehrlichere, schwedische Wort dafür) ist anders: Freundlicher, lockerer, (selbst)ironischer. Klar gibt es das auch in Deutschland hin und wieder, ist aber in Skandinavien viel gängiger – und oftmals besser.

So wie bei diesem Beispiel: Die Firma Oatly aus Malmö, Hersteller von Getränken aus Hafermilch,  hat in einem Supermarkt einen Stand zur Verkostung von »Gammaldags Hafvredryck« (in etwa »Hafergetränk, so wie früher«) aufgebaut. Was mich daran begeistert:

  1. Das Packungsdesign ist nicht altbacken (wie hierzulande oftmals für ein Produkt von »früher«), sondern zeitgemäß: eine Typografie mit Charakter, reduzierte Farbigkeit und viel Weißraum passen perfekt zur Zielgruppe.
  2. Anders als sonst üblich, sitzt hier eine 96 Jahre alte Frau am Verkostungs-Stand – und strickt. Passt zum Produkt, ist sympathisch und überraschend.
  3. Am Kopf des Regals steht »Som det eventuellt smakade förr«, auf Deutsch in etwa: »So wie es eventuell früher geschmeckt hat.« Eventuell. Klasse! Das ist ehrlich (weil sie nicht mehr sagen können, ob es früher wirklich so geschmeckt hat – kann man auf der Website dazu auf schwedisch erfahren), das ist locker formuliert, und es weckt Neugier, weil es so überraschend und – auch für Schweden – ungewöhnlich formuliert ist.

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Vielen Dank an Björn Lindén von Oatly, der über die Aktion bei Facebook berichtete und mir erlaubt, das Foto zu benutzen. »Gammaldags Hafvredryck« ist (bislang) nicht in Deutschland erhältlich.

 

Tipp für Acrobat DC: Kommentar-Namen ändern

PDFs sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sich dort einfach Kommentare hinzufügen lassen. Gerade beim Korrigieren ist das eine sehr hilfreiche Funktion, die handschriftlichen Anmerkungen auf Ausdrucken in vielerlei Hinsicht überlegen ist.

Damit die Kommentare eindeutig zuzuordnen sind, werden diese mit dem Namen des Verfassers versehen. Wobei das nicht ganz korrekt ist: Voreingestellt ist (zumindest bei mir am Mac) ein Benutzername, der identisch ist mit dem Benutzernamen des Computers. Mein Macbook Pro heißt RainerPro, und damit auch der voreingestellte Kommentar-Name. Diesen Namen kann man ändern, aber es braucht etwas, bis man den Weg gefunden hat. Darum dieser Tipp, erstellt mit dem aktuellen Acrobat DC:

  1. In die Voreinstellungen von Acrobat gehen
  2. Bei »Kommentieren« das Häkchen entfernen bei »Als Verfasser immer Benutzernamen verwenden«
  3. Einen Kommentar machen.
  4. Auf den Kommentar mit der rechten Maustaste klicken.
  5. Auf »Eigenschaften« klicken.
  6. Auf »Allgemein« klicken.
  7. Wunschnamen eingeben
  8. Bei »Eigenschaften als Standard festlegen« ein Häkchen setzen
  9. OK

Für die eher visuell Orientierten unter den Leserinnen und Lesern hier ein kurzes Video:

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(Und falls das Video nicht beim Klick auf das Bild angezeigt wird, können Sie auch hier klicken.)

 

 

Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Oberweser­dampfschifffahrts­gesellschafts­kapitäns­mützenfarbe

Immer wieder sieht man Websites, bei denen es in den Überschriften Probleme mit zu langen Wörtern gibt. Insbesondere die deutsche Sprache mit ihren zusammengesetzten Substantiven ist eine Quelle für viele solche Fehler: Entweder wird ein Wort gar nicht getrennt und läuft über den Rahmen hinaus. Oder es wird an beliebiger Stelle getrennt. Oder es wird per Hand ein Trennstrich eingefügt, der auch zu sehen ist, wenn er gar nicht nötig wäre, wie bei diesem Beispiel (Link):

Desktop-Ansicht

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Die Lösung: ­

Damit wird an entsprechender Stelle ein bedingter Trennstrich eingefügt, der also nur angezeigt wird, wenn er denn notwendig ist. Einfach in das jeweilige Wort einfügen, und es wird nur getrennt, wenn es sein muss. Wie bei meiner Überschrift, die auf dem Desktop-Rechner nicht getrennt wird, auf dem Smartphone aber doch. Aber nur an den Stellen, die ich vorher definiert habe. In WordPress sieht die Überschrift zu diesem Beitrag also so aus:

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agenda design 2

agendadesign2-titel»agenda design« heißt ein »Magazin für Gestaltung«, das von der Allianz deutscher Designer (AGD) herausgegeben wird. Die AGD will sich damit »an den aktuellen Diskussionen in der Designszene beteiligen, selbst Position beziehen und uns mit den Positionen anderer auseinandersetzen.« Jede Ausgabe soll sich dementsprechend mit einem Oberthema befassen, das dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. In der aktuellen Ausgabe 2 dreht sich alles um »Grenzen«, und zwar »im politischen wie auch im übertragenen Sinne, aber immer im Hinblick auf die Rolle der Gestalter«, wie Chefredakteur Florian Alexander Schmidt im Vorwort schreibt. Dementsprechend unterschiedlich sind dann auch die Artikel:

Design-Professorin Birgit Bauer schreibt in ihrem Text Die Weltverbesserer zunächst über den Anspruch vieler Designer, die Welt zu verbessern. Im weiteren Verlauf geht es dann aber eher darum, wie heutzutage der Begriff »Design« definiert wird. Als Fazit bleibt, dass in einer digitalen, vernetzten, aber gleichzeitig immer individualisierteren Welt der Designbegriff immer unschärfer und eben individueller wird: »Ob ihr Eingreifen (Anm. des Rezensenten: das der jungen DesignerInnen) in die Welt am Ende noch Design heißt, ist ihnen letzlich egal.«

Elvia Wilk befasst sich in Die Mauer als Entwurf mit realen Grenzen, Zäunen und Mauern – wie der Absperrung zwischen den USA und Mexiko, die Sperranlagen im Westjordanland oder der nicht mehr existenten Berliner Mauer. »Sicherheit« ist staatlich wie privat derzeit ein großes Geschäft, und so gibt es viele praktische, aber auch spielerische Ideen, was mit Grenzen zusätzlich erreicht werden kann, wie Solarzellen zur Energiegewinnung oder spezielle Schleusen, die Tieren den Grenzübertritt weiterhin ermöglichen. Aber auch Wippen für grenzüberschreitendes gemeinsames Spielen oder eine für Lebensmittel durchlässige »Burrito Wall«. Abschließend fordert Wilk: »Architekten und Designer müssen Verantwortung übernehmen (…) für die politische und soziale Dimension ihrer Profession.«

Chefredakteur Schmidt schreibt in #Neuland über die Idee künstlicher Inseln. Dort sollen neue Gesellschaftsformen gelebt werden – was in der Softwareentwicklung so gut funktioniert, soll demzufolge in allen Lebensbereichen der richtige Weg sein. Seasteading nennt sich die Idee, die parlamentarische Demokratie als innovationsfeindlich ablehnt. Regierungen sollen nach dem Prinzip des freien Marktes um ihre Bürger konkurrieren. Und da alles Land schon verteilt ist, soll also aufs Meer ausgewichen werden. »Kurzum: die Errungenschaften der Zivilisation, bloß ohne die lästigen Pflichten.«

In einem Interview erläutern Sabine Müller und Andreas Quednau vom Architekturbüro SMAQ ihre Ideen für die Umgestaltung der Palmen-Insel, die vor einigen Jahren vor Dubai im Meer künstllich angelegt wurde. um Nachhaltigkeit und Gemeinschaft zu fördern, plädieren die beiden für die Renaturierung des einen Teil der Insel und urbane Verdichtung der anderen Insel-Hälfte.

Im anschließenden Text Die Ernie-Offensive schreibt AGD-Vorsitzender Andreas Jacobs über seine beiden Gehirnhälften, die er Ernie und Bert nennt: Bert ist diszipliniert, Ernie chaotisch. Und nur wenn nach Bert auch Ernie zum Einsatz kommt, entstehen wirklich kreative Ideen.

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Der zweite Teil des Magazins stellt verschiedene Kreative vor: Der »Projektor« überschriebene Abschnitt zeigt Arbeiten von AGD-Mitgliedern, diesmal aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Fotodesign und Kunst. Wie die Auswahl der gezeigten Kreativen erfolgt, wird nicht erläutert.

Die vorliegende »agenda design 2« ist ein interessanter, mitunter anregender Lesestoff, überzeugend in Form gebracht von Jan-Hendrik Schmidt. Alle Texte unter einem Thema zu bündeln und aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedliche Aspekte in längeren Texten zu betrachten, ist ein guter Ansatz.

Das selbst gesteckte Ziel der AGD, sich dadurch »an den aktuellen Diskussionen in der Designszene [zu] beteiligen, selbst Position [zu] beziehen und uns mit den Positionen anderer auseinander[zu]setzen«, wird allerdings (noch?) nicht erreicht. Dafür sind die Artikel der vorliegenden Ausgabe eher informativ als pointiert und Stellung beziehend. Aber das kann man von der zweiten Ausgabe einer neuen Publikation vielleicht auch nicht erwarten.

Es muss dementsprechend die Weiterentwicklung abgewartet werden, ob »agenda design« die knapp über 30.000 €, die jede Ausgabe den Verband kostet (abzüglich der Einnahmen), rechtfertigt.

»agenda design« versteht sich nicht als Mitgliedermagazin o.ä., ist bislang allerdings nur über die Website der AGD für 12,50 €  zu bekommen und nicht im Zeitschriftenhandel (nur punktuell in Berlin)  erhältlich. Mitglieder erhalten ein Exemplar kostenlos zugeschickt.

Ein Kritikpunkt: Die Anzeige der Druckerei Wanderer, die das Magazin klimaneutral gedruckt hat, ist einfach nur peinlich und unangebracht mit ihrer komplett sinnfreien Zurschaustellung nackter Frauen. Unverständlich, dass die Redaktion bzw. die Herausgeber da kein Veto eingelegt haben.


Anmerkung: Ich bin kein Mitglied der AGD. Vielen Dank an AGD-Vorstandsmitglied Sabine Reister, von der ich ein Rezensionsexemplar kostenlos erhielt. Die Geschäftsstelle der AGD lehnte dies ab.

 

Randnotiz

Klick auf Bild führt zur Quelle

PDF-Dateien, die mit Word generiert werden, weisen oftmals einen gestalterischen Fehler auf: Grafiken und Text, die bis an den Rand des Dokuments gehen, werden abgeschnitten. Genau dieses Phänomen fiel mir zuletzt auch bei einem PDF des Vereins »Allianz deutscher Designer (AGD) e.V.« auf –  was so gar nicht zu einem Zusammenschluss von Designern passt.

Für mich Anlass genug, eine kurze Anleitung zu schreiben, wie man diesen Fehler ganz leicht vermeiden kann. Ich arbeite am Mac und mit Word 2011, vermutlich funktioniert es aber mit allen Versionen so oder so ähnlich:

Öffnet man den Druck-Dialog, muss man auf den Button „Seite einrichten“ klicken und dann unter „Papierformat“ den Punkt „Eigene Papierformate“ anwählen. Dort hat man die Möglichkeit, den nicht-druckbaren Bereich zu definieren: im vorliegenden Fall mindestens bei „Oben“ auf 0 mm.

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Das war es schon. Nun natürlich das neue Papierformat unter „Seite einrichten“ anwählen und anschließend das PDF erstellen. Noch ein Tipp: Die besten Ergebnisse erzielt man nicht über „Als PDF sichern…“, sondern über „Save as Adobe PDF“. Denn über diesen Weg kann man noch die Qualität des PDFs steuern, in dem man die passende Acrobat-Einstellungsdatei auswählt.


Eine Datei des AGD-Signets steht auf der Website der AGD zum freien Download zur Verfügung (Stand: 23. Juni 2016) und wurde nur zu Demonstrationszwecken eingesetzt, um die Problemlösung so anschaulich und realitätsnah wie möglich zu illustrieren. 

Hat mein Bild 300 dpi?

Um einen qualitativ hochwertigen Druck zu erhalten, müssen die Bilder eine Auflösung von mindestens 300 dpi haben. Bitte beachten  Sie, dass sich die Auflösung bei der Skalierung von Bildern entsprechend verkleinert.

Ganz allgemein und vereinfacht gesagt stimmt das Zitat, das ich auf einer Website eines Web2Print-Portals gefunden habe.* Allerdings können Laien, und die sind die Zielgruppe dieser Website, mit der Information gar nichts anfangen. dpi ist eine Maßeinheit, die jenseits der Grafikwelt fast niemand kennt. Es gibt viele Seiten im Netz (zum Beispiel hier oder hier), die das Problem erläutern. Für meinen Geschmack setzen sie aber alle zu viel technisches Know-how voraus. Vielleicht hilft die nachfolgende, sehr vereinfachte Erklärung (die Druck- und Fotoexperten lesen bitte nicht weiter).

Zum einen gibt es das Bild. Im Normalfall liegt es als jpg-Datei vor. Nun muss man heraus bekommen, wie groß dieses Bild ist. Dafür bitte nicht ein Lineal an den Monitor halten, sondern in den Dateiinformationen nachsehen. Dort wird ein Pixelwert zu finden sein, zum Beispiel 800 x 600 Pixel.

Zum anderen gibt es einen Platz in beispielsweise einer Broschüre, an dem das Bild gedruckt werden soll; und zwar in den genannten 300 dpi. Dieser Platz ist in diesem Beispiel 10 x 6 cm groß.

Wie bekommt man nun also raus, ob 800 x 600 Pixel ausreichen, um ein 10 x 6 cm großes Bild in 300 dpi drucken zu können? Nehmen Sie den Pixelwert und teilen Sie ihn durch 118. Das Resultat entspricht dann näherungsweise der maximalen Zentimeter-Angabe, in der das Bild noch gut aussieht. In meinem Beispiel also:

800 Pixel / 118 = 6,78 cm

Somit wäre das Beispiel-Bild nicht geeignet, um es mit 10 cm Breite abzudrucken. Hätte die Datei 1200 x 900 Pixel gehabt, hätte es geklappt: 1024 / 118 = 10,17

Manchmal passt ein Motiv von der Breite an den vorhergesehenen Platz, aber nicht von der Höhe (oder anders herum). Darum prüfen Sie lieber immer beides, also Breite und Höhe. Eine zusätzliche Schwierigkeit kann entstehen, wenn man nur einen Ausschnitt des Bildes nutzen möchte. Dann muss die Berechnung natürlich für genau diesen Ausschnitt angestellt werden, und nicht für das Gesamtbild.

Meine Empfehlung: Der professionelle Kommunikationsdesigner oder Fotograf schaut sich jedes Bild natürlich viel genauer an, um für seine Auftraggeber ein perfektes Druckergebnis zu erzielen. Die Farben werden optimiert, Höhen und Tiefen (die heißen wirklich so) feinjustiert, am Kontrast gearbeitet und vieles, vieles mehr. Auch wird darauf geachtet, auf welchem Papier später gedruckt werden soll. Dazu kommt dann auch noch der fachliche Blick, ob das Motiv wirklich passend zum Ziel der Broschüre und der Zielgruppe ist. Für wirklich professionelle Ergebnisse reicht also das Teilen durch 118 nicht aus.

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© kaboompics

* Es gibt Druckereien, die von Fall zu Fall auch Werte unterhalb 300 dpi akzeptieren. Je nach Motiv, Druckverfahren und Papier können auch mal 240 oder sogar 200 dpi ausreichend sein.

Designer sind Unternehmer!

fibel07Zuletzt las ich das sehr umfangreiche und gute Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein. Die gleiche Intention, nämlich Designern die Grundlagen für die Selbstständigkeit mitzugeben, verfolgt Christian Büning mit der »BDG Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«.

Als selbstständiger Diplom-Designer kennt Christian Büning den Berufsalltag sehr genau. Und als stellvertretender Vorsitzender des BDG, des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner, und Vorstandsmitglied des gerade frisch aus der Taufe gehobenen Designer-Dachverbands »Deutscher Designtag« weiß er auch um die Probleme vieler anderer selbstständiger Designer. Der BDG fungiert auch als Mitherausgeber des Buches.

Gleich im Vorwort des Buches wird deutlich, worum es Büning geht: »Designer sind Unternehmer! (…) Es geht nicht darum, den Betriebswirten Konkurrenz zu machen, sondern die Sprache der Auftraggeber sprechen zu können. (…) Am Markt bestehen nur diejenigen Designer, die unternehmerische Rüstzeug mitbringen und anwenden können.« Und genau dieses Rüstzeug liefert Büning mit dem vorliegenden Buch.

Beginnend mit der grundsätzlichen Frage »Will ich das überhaupt?« behandelt das Buch alle Themen, die für Designunternehmer relevant sind. Von der Positionierung, den rechtlichen und steuerlichen Pflichten über Projektmanagement, Haltung oder Kalkulation kommt alles zur Sprache – auch die Sprache selbst, denn »die Sprache macht das Denken sichtbar« und zeigt, wie ernst man es mit seinem Beruf nimmt. (Auch ich mache noch hin und wieder, von Kunden zu sprechen statt von Auftraggebern…)

fibel02Auch eine ausführliche Anleitung zur Kalkulation des eigenen Stundensatzes, Beispiele für die Formulierung von Angeboten, Rechnungen und auch Mahnungen und viele weitere praktische Hinweise finden sich in dem Buch. Jedes Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Liste des zuvor »Gelernten« – eine sehr schöne Idee, die den Leser nochmal zum Nachdenken und gegebenenfalls Zurückblättern bringt.

Mir gefällt sehr gut, dass durch das ganze Buch hindurch der Grundtenor, dass jeder Designer an seine Arbeit mit Haltung herangehen sollte, immer mitschwingt. Insbesondere im Kapitel »Designpraxis« wird dies nochmal betont. »Bringen Sie allen Partnern die Wertschätzung entgegen die Sie sich selbst wünschen. Diese Haltung kostet nichts und bringt einen enormen Gewinn an Freude in den Projekten.«

Das Buch richtet sich zwar vor allem an Kommunikationsdesigner. Aber auch diese werden gerne mal zu Produktdesignern. Genau hierfür gibt es im Buch ein »Bonus-Kapitel«, das aufzeigt, wie Ideen erfolgreich auf den Markt gebracht werden können.

In einem Ausblick am Ende des Buches skizziert Büning seine Sicht auf »die Zukunft unseres Berufes«, die er zweigeteilt sieht: Umsetzer, die durch zunehmende Automatisierung und »Demokratisierung« der technischen Werkzeuge Probleme bekommen werden und Designer, die »bewerten und integrieren« und »die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können«.

Bünings Buch ist hervorragend geeignet für alle selbstständigen Designer und solche, die es mal werden wollen. Wo Harms/Bernschein fast schon zu sehr ins Detail geht und neutral/sachlich beschreibt, konzentriert sich dieses Buch auf das Notwendige und überzeugt mich vor allem mit der erwähnten Grundeinstellung (Haltung) zum Beruf des Designers, die sich durch das ganze Buch zieht. Design ist eben viel viel mehr als Design.

Ganz leicht irritiert war ich beim Lesen des Beispiel-Angebots (Seite 62). Mir erscheint es zu klassisch und berücksichtigt meiner Meinung nach zu wenig die Grundidee des Buches (…die Sache mit der Haltung…): Mir fehlt hier die Aussage, dass Design eine Investition ist, die dem Auftraggeber einen Mehrwert verschafft. Aber das Thema Angebot ist so komplex – vielleicht ist das ein eigenes Buch wert.

Bezüglich der AGB wird in dem Buch darauf verwiesen, dass der BDG diese seinen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellt. Meiner Meinung nach sollte der Berufsverband hier über seinen Schatten springen und diese allen Interessierten auf Nachfrage kostenlos schicken.

Ein sehr lesenswertes Buch, das Wissen und Haltung vermittelt.

Christian Büning: »BDG-Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«
ISBN 978-3-943513-04-2
22,95 €
Link zum Buch auf der Website des Werkstoff-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt. Ich bin kein Mitglied im BDG, fühle mich aber seinen Grundwerten verbunden.

 

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Der schwedische Buchstabe å wird annähernd wie das deutsche o ausgesprochen; der Mund muss allerdings weiter geöffnet werden. Mit Worten ist das nicht so gut zu beschreiben, am besten hören Sie einfach zu:

Das gemeinnützige Unicode Consortium versucht alle (Schrift-)Zeichen weltweit zu erfassen und mit einer eindeutigen Nummer zu versehen, um dadurch einen weltweit geltenden Standard zu schaffen und so die Arbeit mit Text zu erleichtern: »Der Einsatz von Unicode (…) ermöglicht bedeutende Kosteneinsparungen im Vergleich mit herkömmlichen Zeichensätzen. Anwendungsprogramme und Internet-Seiten können für viele Systeme, Sprachen und Länder direkt eingesetzt werden, ohne sie jeweils speziell und aufwendig anpassen zu müssen. Text kann mit Unicode weltweit ohne Informationsverluste ausgetauscht werden.«

Zur finanziellen Unterstützung des Unicode-Projekts kam man dort auf die Idee, Paten für einzelne Zeichen zu suchen (Sie können auch Pate für ein Emoji sein). Als Freund des Schwedischen freue ich mich, das Projekt als »Bronze-Sponsor« für den Buchstaben å zu unterstützen!

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Design im Fokus für Export und Tourismus

Kleine Rückschau: 2005 war in Schweden das Designjahr (designåret). Die Regierung hatte erkannt, wie wichtig Design für alle Lebensbereiche ist – unabhängig davon, ob es sich um Mode-, Produkt-, Grafikdesign oder irgendeine andere Designsparte handelte. Eine Vielzahl von Aktionen, Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen halfen, das Thema Design tiefer im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.Der Regierungswechsel ein Jahr darauf führte dazu, dass das Thema leider wieder weniger starke Beachtung erfuhr. Programme wurde zurück gefahren oder eingestellt, Förderungen vermindert.

Heute, 2016, scheint wieder Besserung in Sicht: Die Regierung hat Design als wichtigen Faktor für den Export und den Tourismus identifiziert und will dies entsprechend fördern:

Svensk design i fokus för export och turism
Inom ramen för regeringens exportstrategi har regeringen beslutat att under fyra års tid satsa 28 miljoner kronor på en kommunikationsplattform för svensk design. Arbetet kommer att ledas av Visit Sweden i samarbete med branschorganisationerna Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Även Svenska Institutet och Business Sweden kommer att medverka i arbetet.
Syftet med uppdraget är att bredda kännedomen om svensk design och svenska designupplevelser internationellt och på så sätt skapa förutsättningar för ökad export samt att antalet utländska besökare till Sverige ska öka. Utgångspunkten för uppdraget är att det finns en stor internationell efterfrågan av svensk design och att det samtidigt finns potential att öka Sveriges export av tjänster, upplevelser och produkter inom design i dess breda bemärkelse.

Quelle: http://www.regeringen.se/pressmeddelanden/2016/05/svensk-design-i-fokus-for-export-och-turism/

Ich übersetze mal frei (auch im Schwedischen ist Regierungssprech Regierungssprech…):
Im Rahmen der Exportstrategie hat die schwedische Regierung beschlossen, über 4 Jahre eine Kommunikationsplattform für schwedisches Design mit 28 Millionen Kronen (knapp über 3 Mio €) zu fördern. Die Arbeit wird von Visit Sweden geleitet, in Zusammenarbeit mit Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Auch Svenska Institutet (vergleichbar mit dem Goethe-Institut) und Business Sweden werden mitwirken.
Das Wissen über schwedisches Design und schwedische Designerlebnisse soll erhöht und so die Voraussetzungen für mehr Exporte und mehr ausländische Gäste in Schweden geschaffen werden. Ausgangspunkt ist, dass es eine große, internationale Nachfrage nach schwedischem Design und damit das Potential gibt, den Export von Diensten, Erlebnissen und Produkten aus dem Designbereich in seiner umfassendsten begrifflichen Bedeutung zu erhöhen.

Auf Deutschland ist so eine Idee nicht eins-zu-eins übertragbar: Deutsches Design hat bei weitem nicht so einen guten Ruf wie schwedisches bzw. skandinavisches Design und taugt darum eher nicht als Exportfaktor (was natürlich nicht heißt, dass es keine guten deutschen Designer gibt!). Deutlich wird aber, dass seitens der schwedischen Administration erkannt wurde, welchen Wert Design hat. Davon sind wir hier bei uns noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Ich werde weiter verfolgen, wie die schwedische Exportstrategie nun mit Inhalt gefüllt und die »Kommunikationsplattform« aussehen wird und hier im Blog und/oder bei Twitter darüber berichten.

© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se
© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se

Impulse für einen erfolgreichen Flyer

impulse ist laut eigener Beschreibung ein »Unternehmermagazin«, das sich an »engagierte Macher« wendet, die den impulse-Slogan leben: »Mach es!« [Link]

impulse-Leser sollen auch ihre Flyer selber machen. Zumindest publizierte die Redaktion auf ihrer Website den Artikel »Wie Sie erfolgreiche Flyer erstellen« mit Tipps für die Leserschaft, damit Flyer »nicht in der Mülltonne landen«. [Link] Die in dem Artikel genannten sechs Punkte sind inhaltlich richtig – aber irgendwie auch nicht. Denn (noch) erfolgreicher wird der Unternehmer, wenn er/sie einen professionellen Kommunikationsdesigner engagiert. Meine Anmerkungen:

1. In ein Grafik-Programm investieren
Sie wollen gleich loslegen und ihren Flyer in Word erstellen? Lassen Sie es lieber, rät impulse-Grafiker Jens Reitemeyer. Jegliche Office-Programme sind nicht zum Designen geeignet. Investieren Sie für einen gut gestalteten und ansprechenden Flyer lieber in ein richtiges Design-Programm, wie Affinity Designer oder Affinity Photo. Diese können direkt online heruntergeladen werden und lassen Ihren Flyer professionell wirken.

Empfehlenswert ist es, sich an eine Druckerei zu wenden. So haben Sie keinen Stress mit Ihrem Privatdrucker, bei dem nach der Hälfte des Drucks das Rot nur noch halb so schön leuchtet. Beachten Sie aber auch, dass Druckereien bestimmte Voraussetzungen bezüglich Format, Farbe, Layout, Bildergröße und vielem mehr haben. Hier finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten technischen Druckdaten, die Voraussetzung sind, um einen Flyer in einer Online-Druckerei produzieren zu lassen. Sollten Sie dafür keine Zeit haben, bieten Plattformen wie flinq.de oder Vistaprint geeignete Vorlagen an.

Richtig ist: Lassen Sie die Finger von Word oder PowerPoint. Für die Design-Software (Quark XPress oder Adobe InDesign wären noch Alternativen, Affinity Photo ist eher eine Bildbearbeitung) müssen Sie nicht nur Geld investieren, sondern vor allem eine Menge Zeit, bis Sie die Software so beherrschen, dass Sie professionelle Ergebnisse erzielen. Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht alle relevanten Softwareprogramme aus dem Effeff. Er (oder sie) kennt alle Voraussetzungen für professionellen Druck – egal ob online oder bei der Druckerei nebenan. Die genannten Online-Plattformen bieten sicherlich technisch »geeignete Vorlagen«, sind aber natürlich nicht individuell. Investieren Sie lieber in ein Design, dass zu Ihrem Unternehmen passt – also beispielsweise Farben und Schriftart Ihres Logos aufgreift und so unverwechselbar und eindeutig Ihrem Unternehmen zuzuordnen ist.

Meiner Meinung nach fehlt vor diesem Punkt 1 noch eine grundsätzliche Anmerkung:

0. Ist ein Flyer wirklich zielführend?

Auch ich erlebe oftmals, dass Auftraggeber mit einer konkreten Vorstellung wie »Ich möchte einen Flyer« zu mir kommen. Ich antworte dann gern: »Nein, Sie möchten keinen Flyer. Sie möchten ein bestimmtes Ziel erreichen, z.B. Umsatz steigern oder Bekanntheit erhöhen. Ob in Ihrem individuellen Fall ein Flyer der richtige Kommunikationskanal ist, erarbeite ich gerne gemeinsam mit Ihnen.«

2. Verständlichen Text schreiben
Gestalten Sie die Vorderseite des Flyers so, dass man – ohne viel lesen zu müssen – erkennt, worum es geht. Auf der Rückseite können Sie Ihre Informationen auflisten. „Aber überfüllen Sie den Flyer nicht mit zu viel Text“, rät Grafiker Reitemeyer. Der Text sollte übersichtlich gelayoutet sein und den Flyer nicht überfüllen.

Schreiben Sie kurz und verständlich – vor allem, was der Leser von Ihnen erwarten kann, was Ihr Angebot ist. Klären Sie alle wichtigen Fragen (Wer? Was? Wie? Wo? Wann?). Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktdaten auf der Rückseite zu vermerken. Fordern Sie Kunden auf zu reagieren, etwa an einem Gewinnspiel teilzunehmen oder sich zu Ihrer Veranstaltung anzumelden.

Gute Texte zu schreiben, ist verdammt schwer. Dafür braucht es mehr als Word. Wenn Sie es dennoch selber  machen wollen: Unbedingt sollte jemand, der die Rechtschreibung beherrscht, den Text kontrollieren! Bei selbst geschriebenen Texten übersieht man leider oftmals Fehler – das passiert mir auch. Idealerweise liest jemand den Text, der fachfremd ist (oder zur Zielgruppe gehört) und so wertvolle Hinweise geben kann, was vielleicht noch unklar formuliert ist.

Eine Anekdote dazu: Vor einigen Jahren stellte ich mich in einem Workshop ganz selbstverständlich als Grafikdesigner vor. Kein anderer Teilnehmer kam jedoch aus der Kommunikationsbranche, und darum konnte auch niemand so richtig was mit der Berufsbezeichnung anfangen. Das hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, bei der Kommunikation immer auch aus dem Blickwinkel der Zielgruppe zu denken.

3. Eyecatcher verwenden
Überlegen Sie sich zunächst, wo der Flyer verteilt werden soll. Soll er per Hand ausgegeben oder an einem Stand ausgelegt werden? Wenn Sie sich für Letzteres entscheiden, ist es wichtig, knallige, auffallende Farben zu benutzen, damit man die Flyer auch im Vorbeigehen sieht. Auch ein gutes Bild oder Logo als Eyecatcher können dabei helfen, um auf den Flyer aufmerksam zu machen.

Jens Reitemeyer rät, nicht mehrere Schriftarten miteinander zu mischen. Das könne nicht nur das Gesamtbild unstimmig machen, sondern schade auch der Übersichtlichkeit.

Da werden viele wichtige Aspekte leider nur ganz kurz angerissen.

Auch bei Auslage an einem Stand sind nicht immer knallige Farben sinnvoll. Im Bio- und Umwelt-Bereich schießt man damit mitunter ein Eigentor. Und wenn Sie einen (Messe-)Stand haben, sollten andere Elemente als Eyecatcher fungieren. Ein Flyer ist da eher nachrangig zu betrachten.

Nicht nur Bild oder Logo, auch ein guter Slogan kann natürlich als Eyecatcher funktionieren. Und noch besser funktioniert meist eine gute Kombination aus Bild und Text.

Beim Kommunikationsdesigner finden Sie eine viel größere Auswahl an Schriften und außerdem verfügt er/sie auch über das notwendige Know-how, welche Schriften miteinander harmonieren und zu Ihrem Unternehmen passen.

4. Zielgruppe kennen
Überlegen Sie sich, wer Ihre Zielgruppe ist. Nicht nur das Alter spielt dabei eine Rolle. Richten Sie sich an Menschen mit Fachkenntnissen oder ist der Flyer für die breite Masse bestimmt? Passen Sie die Optik des Flyers und vor allem die Sprache entsprechend an.

Das gehört eigentlich an den Anfang der Liste bzw. der Planung. Und wie erwähnt kann es auch bedeuten, dass ein Flyer vielleicht gar nicht die beste Idee ist.

5. Passendes Papier wählen
Die Wertigkeit des Papiers muss zur Wertigkeit des Produkts passen, für das der Flyer wirbt. „Das Tasterlebnis verstärkt die Erinnerung des Gelesenen“, sagt Marketingberater Sebastian Kimmel. Dazu kann man beispielsweise glattes Material verwenden oder auch Leinenstrukturen, um sich von Standardflyern abzuheben. Wenn Sie zum Beispiel auf Ihrem Flyer für ein Event werben, das erst in ein paar Monaten stattfindet, sollte das Material robuster sein, um nicht irgendwann zerknüllt in der hintersten Ecke der Tasche zu enden.

Druckereien (und auch viele Kommunikationsdesigner) haben viele Papiermuster vorrätig und können Sie gezielt beraten. So gibt es beispielsweise unzählige verschiedene Weiß-Töne. Soll es eine Online-Druckerei sein, lassen Sie sich von dort Papiermuster zuschicken. Da die Online-Druckereien ihre Preisvorteile vor allem durch Standardisierung erreichen, ist die Papierauswahl hier allerdings meist sehr viel geringer als bei Ihrer Druckerei vor Ort.

6. Rechtslage beachten
Seien Sie sich über die Rechtslage von verwendeten Fotos bewusst. Einfach Fotos aus dem Internet zu verwenden, ist natürlich verboten und kann schnell zu einer Klage des Urhebers führen. Sogenannte Stockphoto-Agenturen wie Fotolia und Photocase bieten eine riesige Auswahl an Bildern zu erschwinglichen Preisen an.

Das Thema »Bilder« ist fast einen eigenen Blog-Beitrag wert. Ein paar Hinweise dazu:

  • Bilder, die auf dem Bildschirm gut aussehen, sehen im Druck nicht unbedingt auch gut aus. Statt 72 dpi Bildauflösung sind im Druck mindestens 200 dpi, idealerweise 300 dpi notwendig.
  • Bilder, die man bei Google findet, dürfen nicht einfach so benutzt werden. Es gilt das Urheberrecht, nachdem man um Erlaubnis fragen muss und dann das Recht zur Nutzung vom Urheber erteilt bekommt. Verstöße dagegen können teuer werden. (Hier ein Beispiel)
  • Bitte fotografieren Sie nicht selbst. Es sei denn, Sie sind professioneller Fotograf. Egal, wie hochwertig Ihre Kamera ist: Entscheidend ist der Mensch hinter der Kamera.
  • Stockphoto-Bilder sind technisch meist gut, aber das Motiv ist oftmals austauschbar und es besteht natürlich immer die Gefahr, dass Ihr Mitbewerber genau das selbe Motiv für seine Werbung nutzt.

Es ist nachvollziehbar, dass viele bei knappen finanziellen Mitteln versuchen, einen Flyer erst einmal selbst zu erstellen. Für wirklich erfolgreiche Kommunikation ist allerdings einiges mehr notwendig, als es der impulse-Artikel suggeriert.

Bedenken Sie die Zeit, die Sie investieren müssen, und die Ihnen für Ihre umsatzbringende Kernkompetenz fehlt. Bedenken Sie das Know-how, das Texter und Kommunikationsdesigner über das reine Beherrschen der Werkzeuge (der Software bzw. der Rechtschreibung und Grammatik) hinaus mitbringen, und das diese gerne für Ihren Geschäftserfolg einsetzen.

Und bedenken Sie, dass auch Sie gerne als Experte für Ihren Bereich engagiert werden wollen und Ihr geschäftlicher Erfolg ausbleibt, wenn Ihre potenziellen Auftraggeber alles selber machen.

Selbstständig als Designer

Selbstständige Designer sind mindestens zur Hälfte Unternehmer und nicht nur Kreative. Doch die berufswirtschaftlichen Aspekte der Selbstständigkeit als Designer kommen in der Ausbildung fast immer zu kurz. Mit dem Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein wird diese Lücke geschlossen.

© Rheinwerk-Verlag
© Rheinwerk-Verlag

Auf knapp 400 Seiten erläutern die Autoren eigentlich alles, was man bezüglich der Selbstständigkeit heute wissen muss – zumindest ist mir mit über 20 Jahren Selbstständigkeit kein Aspekt eingefallen, der nicht berücksichtigt wurde. Gut gegliedert werden u.a. die Bereiche Gründung, Finanzierung, Arbeitsorganisation, Positionierung, Kalkulation, Finanzen und Versicherungen sowie rechtliche Themen ausführlich behandelt. Auch das Thema »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« fehlt nicht. Ergänzend dazu gibt es viele Checklisten, Formulare, Excel-Tabellen und andere Dokumente zum Download von der Website des Verlags.

Harms und Bernschein haben hervorragende Arbeit geleistet. Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle Design-Studierenden sein – unabhängig davon, ob sie sich nach der Ausbildung selbstständig machen oder nicht: Bestimmte Aspekte, wie, die eigene Positionierung herauszuarbeiten, sind auch für diejenigen wichtig, die eher eine Anstellung anstreben.

Wenige klitzekleine Mängel beeinträchtigen mein Gesamturteil ganz und gar nicht, sollen aber nicht unerwähnt bleiben:
Eine falsche Aussage zur KSK im vorderen Teil des Buches wird im hinteren Teil korrigiert.
Die AGD verfügt meines Wissens nach nicht über eigene Experten zu Rürup- und Riester-Rente.
Etwas zuviel Raum nimmt der Bereich Kalkulation mit dem VTV ein, zumal hier auch noch mit einem veralteten, niedrigeren Stundensatz gerechnet wird.
Stärker betont hätte ich die Wichtigkeit einer Mitgliedschaft in einem Berufsverband – auch in das Kapitel »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« hätte das gut noch einmal gepasst. Die häufige Erwähnung der AGD (im Gegensatz zum BDG, der nur einmal vorkommt) liegt sicher daran, dass der langjährige Vorsitzende der AGD, Lutz Hackenberg, als Fachgutachter den Autoren zur Seite stand.

Hätte es dieses Buch schon früher gegeben, hätte ich mir viele Workshops, Seminare und Vorträge ersparen können. Auch wer schon länger als Designer selbstständig ist, sollte es lesen, denn auch denen gibt das Buch wertvolle Anregungen für die tägliche Arbeit und bringt einen auf den aktuellen Stand. Darüber hinaus erinnert es (zumindest mich) daran, was alles auf die To-Do-Liste gehört, um auch in Zukunft selbstständig erfolgreich als Kommunikationsdesigner zu sein.

Thorsten Harms/Michael Bernschein: »Selbstständig als Designer«
ISBN 978-3-8362-2559-5
34,90 als Buch / € 29,90 als E-Book
Link zum Buch auf der Website des Rheinwerk-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt.

Buchstabensalat

Bei Illustrator CC 2015 ist mir ein kurioser Fehler aufgefallen
(um das richtig erkennen zu können, am besten das Video im Vollbild-Modus ansehen):

Der Fehler tritt nur auf, wenn man »Nur nach dem ersten Wort suchen« eingestellt hat und nicht »Nach gesamtem Schriftnamen suchen«. Diese Einstellung kann man ändern, wenn man auf die kleine Lupe klickt, die in dem Suchfeld zu sehen ist. (Dank an Monika Gause für diesen Hinweis.)

 

What is design?

Wie vielschichtig, wie wichtig, wie omnipräsent Design ist und warum mehr Wert auf durchdachtes Design gelegt werden sollte, kann man auch in diesem Video erfahren:


Künstlersozialkassenprekariat?

Jan-Peter Wahlmann, Vorstandsmitglied der Allianz deutscher Designer e.V. (AGD), kritisiert in einem auf der Website der AGD veröffentlichten Text mit der Überschrift »Künstlerprekariat« , dass bei der Definition des Begriffs »Prekariat« die Zufriedenheit mit der eigenen (beruflichen) Situation nicht berücksichtigt wird. Zugleich rät er, bei Problemen das Gespräch mit Kollegen zu suchen.

Allgemein scheint sich im Netz niemand für den Text zu interessieren. Zu Recht, wie ich zunächst fand. Auch ich habe den Text erst nur überflogen. Denn die Forderung, bei der Definition von Prekariat auch die Zufriedenheit zu berücksichtigen, halte ich für falsch und sogar kontraproduktiv und gefährlich, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Designer zu verbessern. Und das ist – zumindest laut Satzung – ein Ziel der AGD.

Vor kurzem erschien zu diesem Thema ein sehr interessantes Interview, in dem sich die Arbeitssoziologin Alexandra Manske zur Arbeitswelt insbesondere in der Kultur- und Kreativwirtschaft äußert. Sie sieht zutreffend die große Gefahr weit verbreiteter Altersarmut, eben gerade auch durch die von Wahlmann so titulierte »Zufriedenheit«, die bei Manske eher »Selbstverwirklichung« heißt.

In einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe hat sich ein Designer-Kollege dann doch mit dem Text beschäftigt und so echauffiert, dass ich ihn doch noch mal genauer gelesen habe. In der Einleitung geht Wahlmann auf die Begriffe Künstlerprekariat und Künstlersozialkasse ein:

Vor ein paar Jahren fragte mich ein Kunde, ob man als Designer von seiner Arbeit überhaupt leben kann. Damals hörte ich zum ersten Mal vom »Künstlerprekariat«. Inzwischen wird dieser Begriff schon fast inflationär verwendet. Politiker, Wissenschaftler und Verbandsfunktionäre reden gern vom Prekariat, um die wirtschaftliche Situation der Kreativen in einem dramatischen Licht darzustellen.

Künstlerprekariat wird seiner Meinung nach »fast inflationär« gebraucht. Google sieht das ziemlich anders – wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ab wann etwas »fast inflationär« ist*:

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Der Begriff Künstlerprekariat wurde von Chris Dercon in einem Interview im Magazin »monopol« im Jahr 2010 geprägt. Nachdem der Artikel vor sechs Jahren kurz Wellen geschlagen hat, wurde es danach wieder ziemlich still um das Thema und den Begriff. Zumindest für das geschriebene, veröffentlichte Wort »Künstlerprekariat« gilt also nicht, dass es gerne benutzt wird.

Kombiniert mit dem Begriff der »Künstler-Sozial-Kasse« entsteht so der Eindruck, dass die Designer wirtschaftlich unfähig sind und von der Gesellschaft alimentiert werden müssen. Doch entspricht das überhaupt der Wahrheit?

Ob das der Wahrheit entspricht, also ob Designer wirtschaftlich unfähig sind und ob sie von der Gesellschaft alimentiert werden müssen, wird im Text nicht erörtert. Es bleibt unklar, ob es ihm hier nur um die Begriffe geht, oder ob er vielleicht sogar das ganze Konstrukt Künstlersozialkasse – zumindest für Designer – in Frage stellt.

Wenn es um den Begriff KSK geht: 

Der Begriff »Künstlersozialkasse« ist sicherlich wirklich nicht zeitgemäß, gerade bei der großen Anzahl an Berufsgruppen, die sich neben Künstlern und Designern über die KSK versichern können. Eine passenderer Name wäre wünschenswert. (Andererseits: Denkt jeder Arbeitgeber, seine Angestellten seien dauerhaft krank, nur weil er dauerhaft für seine Angestellten Beiträge an die Krankenkasse abführen muss?)

Wenn es um die Institution KSK geht: 

Möchte Wahlmann (oder der AGD-Vorstand – unterzeichnet ist die Veröffentlichung mit »Jan-Peter Wahlmann, AGD-Vorstand«) andeuten, dass er das Konstrukt Künstlersozialkasse kritisch sieht bzw. vielleicht sogar in Gänze für Designer ablehnt? Richtig ist: Designer sind keine Künstler. Gerade die Berufsverbände betonen immer wieder, dass Design ein Wirtschaftsfaktor ist. Darum könnte man berechtigt die Frage diskutieren, ob Designern grundsätzlich die Möglichkeit der Absicherung (»von der Gesellschaft alimentiert«) über die KSK erlaubt sein soll. Aber diese wie ich finde interessante Frage beantwortet Wahlmann leider nicht.


* Google-Suchergebnisse hängen immer von dem eigenen Suchverhalten ab. Die genaue Zahl kann bei jedem Suchvorgang anders sein.
Für den Ausdruck »fast inflationär« gibt es bei Google übrigens immerhin knapp 16.000 Treffer… :-)

Was kostet eigentlich…

…eine Website?

Einfache Antwort: Kommt drauf an.

Es ist wie beim Autokauf: Zwischen Lada und Ferrari liegen große Unterschiede, zwischen Zweisitzer und Transporter auch – in der Funktionalität, im Erscheinungsbild und damit auch im Preis.

Bei einer Website orientieren sich die Kosten vor allem daran, was sie technisch und inhaltlich leisten soll. Michael Priyev hat dazu einen guten (englisch-sprachigen) Text verfasst, zu dem ich gerne verlinke: http://tech.co/much-website-really-cost-2016-02

Vielleicht kann man auf Baukastensysteme zurückgreifen, wie sie hier und da angeboten werden. Ein eigenständiges, unverwechselbares Design und Funktionalitäten, die genau den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens entsprechen und gemeinsam die Grundlage dafür bilden, dass mit einer Website die vorher definierten Ziele erreicht werden, bekommt man so natürlich nicht.

Und das hat seinen Wert.