Mit Profis arbeiten

Eine liebe Kollegin erzählte bei Facebook von einem Angebot, einen Reiseführer zu schreiben – für 1.200 Euro. Ein lächerliches Honorar, wenn man den Aufwand bedenkt – und außerdem zeugt es von mangelnder, besser: gar keiner Wertschätzung für die Arbeit als Autorin, Fotografin etc. Meinen Kommentar dort wiederhole ich hier – leicht abgewandelt – gerne:

Schließt Euch einem Berufsverband an, zum Beispiel der ILLUSTRATOREN ORGANISATION oder Freischreiber oder dem BDG Berufsverband der deutschen Kommunikationsdesigner e.V. Natürlich kostet das etwas, und eine geldwerte Gegenleistung ist vielleicht nicht sofort sichtbar. Aber das Geld ist gut investiert:

Mit mehr und mehr Mitgliedern werden die Verbände stark genug, um bei den potenziellen Auftraggebern aus Wirtschaft und Politik ein Umdenken bezüglich der Wertschätzung von kreativen Leistungen zu bewirken. Nur gemeinsam (im doppelten Sinne: gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, aber auch gemeinsam mit den Auftraggebern) kann man etwas gegen Preisdumping und für mehr Wertschätzung erreichen!

Und an mögliche Auftraggeber gerichtet: Arbeiten Sie mit Profis. Die erkennt man unter anderem daran, dass sie Mitglied in einem Berufsverband sind.

Und daran, dass sie viele Fragen stellen. Auf Augenhöhe kommunizieren. Solide kalkulieren.

Rezension »Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch«

Bis gerade eben noch dachte ich, mein Kenntnisstand in Adobe Illustrator sei »fortgeschritten«. Nun muss ich mich wohl zurückstufen auf »Anfänger«. Denn ich habe »Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch« von Monika Gause, erschienen im Rheinwerk Verlag, gelesen.

Die Software Illustrator ist meine erste Wahl, wenn es um das Erstellen von Logos geht – also dem zentralen Bestandteil jedes Corporate Designs. Dementsprechend arbeite ich viel damit. Mindestens seit Version 5.5 von 1994 habe ich die Software im Einsatz (eine Installations-CD von damals habe ich noch archiviert); ich nutze es also schon länger als InDesign. Und diese langjährige Nutzung hat mich zu der Fehleinschätzung gebracht, ich wüsste einigermaßen Bescheid über Illustrator.

Auf mehr als 800 Seiten zeigt Monika Gause in ihrem Buch wirklich alles, was mit Adobes Flaggschiff für die vektorbasierte Arbeit machbar ist. Dies fängt mit den Grundlagen, den Werkzeugen und mit einfachen geometrischen Formen dann, um dann später bei Spezial-Effekten, bei Diagrammen, 3D und mehr zu enden. Austausch mit anderen Programmen und Weiterverarbeitung kommen natürlich genauso zur Sprache wie nützliche Plugins. Bei den Themen »Transparenzen und Masken« und »Symbole« merkte ich leider sehr schnell, dass ich noch viel zu lernen habe… Da aber jedes Thema in diesem Buch umfassend und ausführlich behandelt wird, kann ich auch diese Wissenslücke schnell schließen.

Ihr sehr sympathisches Faible für Zebras kann Monika Gause nicht verbergen. :-) Sie tauchen an vielen Stellen und in vielen Formen auf. Darüber hinaus gibt es aber auch viele andere Beispiele, die die Arbeitsweise der vielen Funktionen erläutern. Sehr gut finde ich, dass diese Beispielgrafiken meist sehr einfach gehalten sind, so dass Zeichen-/Illustrationsanfänger nicht gleich abgeschreckt werden, weil sie ansonsten vielleicht denken, dass sie so tolle Resultate niemals selber hinbekämen.

Das Buch eignet sich hervorragend zum Erlernen der Software. Nicht nur, weil alle Funktionen detailliert und eben für Anfänger beschrieben werden, sondern auch, weil es eine Reihe von Beispieldateien und -lektionen zum ergänzenden Download gibt. Auch eine Vielzahl von Checklisten helfen, das Gelernte zu behalten.

Das Buch eignet sich aber auch hervorragend als Nachschlagewerk. Für nur 5 € extra kann man die elektronische Version des Buches erwerben. Das nutze ich gerne, denn für schnelles Nachschlagen möchte ich nicht meinen Arbeitsplatz verlassen müssen, um zum Bücherregal zu gehen – zumal ich oft auch direkt vor Ort bei Auftraggebern, in Coworking-Spaces oder vielleicht auch mal irgendwo am Strand arbeite.

Kritik? Nur ganz wenig: Der Abschnitt zu »Austausch zwischen InDesign und Illustrator« ist mir zu kurz geraten. Und: InDesign (und auch Photoshop) finden sich nicht als Begriffe im Index.

Ein dickes Lob möchte ich auch für Herstellung, Layout und Satz aussprechen! Auch wenn Unmengen von Beispielen im Text und in den Marginalien vorkommen, bleibt alles übersichtlich und gut les- und erlernbar.

Mein Fazit: Jeder Grafikdesigner, jede Grafikdesignerin, jede Illustratorin und jeder Illustrator sollte dieses Buch nutzen und kann daraus großen Nutzen ziehen – egal ob Anfänger, fortgeschritten oder Profi.


Monika Gause:
Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch
ISBN 978-3-8362-4505-0
als Buch 59,90 €, als E-Book 54,90 €, zusammen 64,90 €
Hier gehts zur Verlagsseite, bei der auch die E-Book-Version geordert werden kann.


Hinweis: Das Buch bekam ich vom Verlag für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Rezension »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung«

Buch Webdesign
Das rezensierte Buch.

Das Buch »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung« von Martin Hahn behandelt gar nicht Webdesign; zumindest nicht so, wie der Begriff von vielen verstanden wird.

Martin Hahn, Art Director und Webdesigner aus Leipzig, fängt quasi ganz vorne an und versteht Webdesign richtigerweise sehr umfassend: Vor dem eigentlichen Gestalten und Coden geht es ihm erst einmal um Grundsätzliches. Generelle Prinzipien des modernen Webdesigns werden erläutert, eine Einführung in Projektmanagement gegeben und viel Wert auf Konzeption und Strategie gelegt. Das ist alles sehr gut durchdacht, damit die Leser am Ende eben auch sehr gute Webprojekte realisieren können. Auch veränderte Arbeitsweisen durch den Ansatz des »Responsive Webdesign« und Informationsarchitektur werden thematisiert, so dass man gut vorbereitet ist, wenn es dann im Buch ums eigentliche Gestalten geht. Und auch hier bleibt der Autor sehr umfassend und detailliert, wenn er beispielsweise über Gestaltungsraster, Farbe, Typo, Bilder, Navigation und vieles mehr.

Das ganze Buch verlangt kein Vorwissen; alle Abschnitte fangen mit ganz Grundsätzlichem an, so dass die Inhalte eigentlich für alle Projekte im Kommunikationsdesign und sogar darüber hinaus sehr nützlich sind. Beispielsweise schreibt Hahn auch über Projektkalkulation, Briefing oder Rechnungsstellung – Themen, die ich hinter diesem Buchtitel nicht unbedingt erwartet hätte.

Code-Zeilen kommen letztendlich nur sehr wenige vor. Sie dienen eher zur Verdeutlichung, was auf die eine oder andere Weise später beim Programmieren alles möglich ist. Dementsprechend scheint mir die Zielgruppe des Buches eher der Kommunikationsdesigner, aber auch der interessierte Anfänger zu sein, der mit komplexen Webprojekten noch nichts zu tun hatte und mit dem Buch das umfassende Know-how bekommt, um erfolgreich entsprechende Aufgaben im Team mit Programmierern zu realisieren.

Was mir auch sehr gut gefällt, sind die zahlreichen Beispieldateien, die auf der Verlagsseite zum Download bereit stehen. Das 800 Seiten starke Buch (15 (!!!) Seiten detailliertes Inhaltsverzeichnis helfen, schnell das Richtige zu finden) gibt es auch als E-Book; die Käufer des Buches können es für nur 5 € hinzukaufen. Ich persönlich lese gerne zunächst das gedruckte Buch; später dann im Arbeitsalltag ist mir jedoch das E-Book hilfreicher, da ich es schneller und direkt am Arbeitsplatz durchsuchen kann.

Es gibt aber auch ein paar Verbesserungsvorschläge meinerseits:

  • Was bei Konzeption, Text und Gestaltung für die Google-Suche zu beachten ist (Stichwort »Onpage-SEO«), kommt mir zu kurz.
  • Auch wenn Photoshop wohl immer noch der weitgehende Platzhirsch für die Website-Gestaltung ist, hätte ich mir etwas mehr Raum für die Softwarealternativen wie Experience Design (auch von Adobe) und Sketch gewünscht.
  • Das Buch enthält viele Links zu beispielhaften Websites oder anderen interessanten Fundstücken. Wenn diese jedoch in der schmalen Marginalspalte stehen, brechen diese zu oft um und gehen teilweise über drei Zeilen. Natürlich ist es korrekt, den Original-Link abzudrucken. Zumindest ergänzend wünschte ich mir aber über einen Verkürzer erzeugte Links, die einfacher abzutippen sind (wenn man nicht das E-Book hat…).
    Zumindest an einer Stelle hatte ich einen Link, in den sich wegen der schmalen Marginalspalte ein Trennzeichen eingeschlichen hatte, was dann zu einem Fehler bei der Eingabe im Browser führte.

Diese Kleinigkeiten trüben aber in keiner Weise meinen sehr positiven Eindruck. Mein Fazit: 800 Seiten geballtes Wissen, um erfolgreich Web-Projekte realisieren zu können. 

Ein weiterer Wunsch (den ich vielleicht selber umsetze): eine kurze, nur wenige Seiten lange Zusammenfassung aller grundsätzlichen Aussagen des Buches. So etwas könnte dann potenziellen Auftraggebern beim ersten Briefinggespräch vorgelegt werden, damit diese erkennen, dass sehr viel dazu gehört, um erfolgreich ein Web-Projekt zu realisieren, und dass das nicht »mal eben« zu machen ist. 

Martin Hahn: »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung«
ca. 800 Seiten
Rheinwerk-Verlag
als Buch 49,90 €, als E-Book 44,90 €, zusammen 54,90 €
Link zum Buch auf der Verlagswebsite

Hinweis: Das Buch bekam ich vom Verlag für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Ausschnitt aus Buch
Konnte sich der bekennende Bayern-FanKunde nicht verkneifen – und ich mir das Durchstreichen von Fan auch nicht… ;-)

 

Beleg

Wann ist Design eigentlich gut?

Norbert Möller ist »Executive Creative Director« bei der Peter Schmidt Group und nebenbei Kolumnist für das Branchenblatt w&v. In seiner Kolumne vom 11. April 2017 fragt er »Wann ist Design eigentlich gut?«:

Wir Designer müssen akzeptieren, dass Ästhetik alleine kein sicherer Bewertungsmaßstab für „gutes Design“ ist.

Eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich nicht erwähnt werden muss. Natürlich geht es bei (Kommunikations-)Design nicht nur um Geschmack und Ästhetik. Das Design hat eine Aufgabe zu erfüllen und muss ein vorher definiertes Ziel erreichen. Wenn ich von meinen Auftraggebern »Das gefällt mir nicht« höre, dann antworte ich, dass das weitestgehend egal ist:

Erstens muss das Design nicht den Auftraggeber, sondern die Zielgruppe ansprechen (Wurm, Angler und Fisch – Sie wissen schon…) und zweitens kann etwas auch ästhetisch komplett missfallen (auch der Zielgruppe), wenn es denn seinen Zweck erfüllt (Denken Sie beispielsweise an die Seitenbacher-Radiowerbung).

Interessant finde ich Möllers Kolumne auch noch aufgrund eines anderes Aspekts:

Wir [Designer] brauchen zusätzliche objektive Kriterien, um Kunden überzeugen zu können und ihnen die Entscheidung für einen neuen, im ersten Schritt ungewohnten, Entwurf zu erleichtern. (…) Noch besser, wenn man (…) belegt, dass das neue Design Geld spart – oder auch: dass wir Designer dem Unternehmen damit so viel Geld einsparen, dass es uns davon bezahlen kann.

Auch ich vermittle meinen Kunden (besser: Auftraggebern), dass meine Arbeit ihnen einen Mehrwert bietet und damit eine lohnende Investition darstellt. Aber belegen? Das stelle ich mir schwierig vor. Vermutlich sind die Auftraggeber und die Aufträge der Peter Schmidt Group und von Klute Kommunikation nicht vergleichbar. Um belegen zu können, dass meine Arbeit Geld einspart, fehlen mir zumindest die betriebswirtschaftlichen Einblicke in die Kostenstrukturen meiner Auftraggeber.

Einsparungsmöglichkeiten aufzeigen geht sicherlich, diese zu belegen meiner Meinung nach nicht.*

Wir müssen für uns akzeptieren, dass unsere Arbeit nicht bei der Gestaltung aufhört, sondern dass wir uns fundiert damit auseinandersetzen müssen, wie Marken organisiert sind und wie sie Design anwenden.

Das möchte ich gerne ergänzen: Und die Auftraggeber müssen überzeugt werden, dass sie Designer nicht erst am Ende eines Prozesses zum »hübsch machen« hinzu ziehen dürfen, sondern dass sie frühzeitig eingebunden werden sollten, um den maximalen Mehrwert – was auch Einsparungen sein können – zu erzielen.

Dementsprechend antworte ich auf die Aussage »Ich brauche einen Flyer« meist: »Nein. Sie brauchen keinen Flyer. Sie haben ein Ziel, dass Sie erreichen wollen. Lassen Sie uns gemeinsam sehen, ob ein Flyer oder vielleicht etwas ganz anderes der beste Weg ist, dieses Ziel zu erreichen.«


*  Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen!

Kreativwirtschaft – ein Lagebericht für Hamburg

Ende 2016 wurde gemeinsam von der Kulturbehörde der Stadt und der Hamburger Kreativgesellschaft der 2.­ »Kreativ­wirtschafts­bericht Hamburg« vorgestellt. In ihm wird die aktuelle wirtschaftliche Situation der Kreativen in der Hansestadt erläutert. Neben der Auswertung von wirtschaftlichen Zahlen, dem letzten Mikrozensus und einer Umfrage, an der 779 Personen teilnahmen, wurden für jeden der elf (durch die Politik festgelegten) Teilbereiche der Kreativwirtschaft jeweils auch Protagonisten zu ihrem Teilbereich befragt; für die Designwirtschaft wurde auch ich um meine Einschätzungen gebeten, die sich nun in dem Bericht (Seite 77f.) wieder finden. Ich habe den Kreativwirtschaftsbericht (ehrlich gesagt nicht alle 130 Seiten) gelesen, und mir sind ein paar interessante Punkte aufgefallen.

Zunächst ein paar Zahlen, die sich vor allem auf das Jahr 2013 beziehen (Anmerkung: Ich bin kein Statistiker; dementsprechend freue ich mich über eine Nachricht, falls ich an der einen oder anderen Stelle falsch zitiert oder gerechnet habe):

Die Selbstständigen und Unternehmen in der Kreativwirtschaft machen 18,8 % aller Hamburger Unternehmen und Selbstständigen aus. 87.467 Erwerbstätige in der Kreativwirtschaft entsprechen 6,4 % der Hamburger Erwerbstätigen (auf Seite 13 ist von 7,4 % die Rede). Von diesen sind cirka zwei Drittel Beschäftigte, ein Drittel Selbstständige. *

Die Umsätze in der Kreativwirtschaft lagen 2013 bei über 10 Milliarden Euro, was pro Erwerbstätigen ca. 123.000 Euro bedeuten und lediglich 2,6 % der Hamburger Gesamtwirtschaft entsprechen. Von den Selbstständigen liegt bei über der Hälfte (53,1 %) der Jahresumsatz niedriger als 17.500 Euro.

Also: Es sind viele Unternehmen, mit wenig Angestellten, mit noch weniger Umsatz.

In »meinem« Teilbereich, der Designwirtschaft, gibt es ca. 12.000 Erwerbstätige; auch hier sind ein Drittel davon selbstständig. Der Umsatz der Designwirtschaft liegt bei 1,4 Milliarden Euro (117.000 € pro Erwerbstätigem) und stellt damit 11,4 % der Kreativwirtschaft dar.

Der durchschnittliche Umsatz pro Person in der Kreativwirtschaft allgemein, aber auch in der Designwirtschaft darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Lage vieler Selbstständiger prekär ist. Neueste Zahlen der Künstlersozialkasse zeigen, dass der durchschnittliche der über 180.000 dort Kranken- und Rentenversicherten über ein Jahreseinkommen von weniger als 16.000 € verfügt. Andere Umfragen, beispielsweise des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner (BDG), kommen zu ähnlichen Zahlen.

Die Hamburger Kreativgesellschaft hat das erkannt. Ihr Geschäftsführer Egbert Rühl weist in seinem Vorwort darauf hin, dass eine Ursache dafür die kleinteilige Struktur und Organisation der Kreativwirtschaft ist: »Das hat zur Folge, dass die strukturellen Mechanismen der wirtschaftspolitischen Aushandlungsprozesse mit Spitzenverbänden und Branchenvertretungen nicht bedient werden können, weil die Kreativwirtschaft solche Strukturen nicht ausbilden kann, weil die Kleinteiligkeit verhindert, dass dafür Kapazitäten zur Verfügung stehen.« Und weiter: »Die große Heterogenität der Kreativwirtschaft (…) stellt ebenfalls ein Hindernis auf dem Weg zu Positionierung und Interessenvertretung dar.« Rühl fordert: »Kreativität ist eben nicht das Öl der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft, sondern eine menschliche Fähigkeit, die sich entfaltet, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören mindestens Zusammenarbeit auf Augenhöhe und dass die Akteure immer an dem Profit aus ihren kreativen, innovativen, transformativen Leistungen angemessen beteiligt werden.« (Alle Zitate Seite 9; Hervorhebung von mir)

Meine Hoffnung ist, dass sich daraus auch Handlungsschritte ergeben, also seitens der Kreativgesellschaft und vielleicht auch seitens der Kultur- und der Wirtschaftsbehörde Maßnahmen initiiert und unterstützt werden, die Organisation der Kreativen und die Schaffung von Interessenvertretungen fördert. (Mit Hamburg Hoch 11 gab es diesbezüglich mal einen Ansatz, der aber – so mein Eindruck – irgendwie stecken geblieben und heute bedeutungslos ist.)

 


* Bei diesen Zahlen nicht erfasst wurden dabei die Selbstständigen, die weniger als 17.500 Euro pro Jahr verdienten. Eine Schätzung aufgrund der Daten aus dem Mikrozensus ergibt, dass ca. 14.400 weitere Personen der Kreativwirtschaft zugerechnet werden können.

Haltung zeigen

Ende 2015 schrieb ich hier im Blog dies*:

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Das gilt unverändert.

Um an diesen Zielen zu arbeiten, habe ich entschieden, mich nach einem Jahr Verbands-Abstinenz dem Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) anzuschließen. Wichtigstes Kriterium ist für mich dabei, dass der BDG es so wie ich sieht: Als Kommunikationsdesigner bin ich Unternehmer (und kein Künstler), der seinen Auftraggebern einen Mehrwert verschafft (und nicht nur Sachen »anhübscht«)

Ich bin optimistisch, dass es dem BDG gelingt, die damit verbundene Haltung durch langfristige, nachhaltige (Lobby-)Arbeit auch bei den Entscheidern in Politik und Wirtschaft – den Auftraggebern also – zu verankern. Gerne trage ich meinen Teil dazu bei. Mal sehen, wo und wie ich mich diesbezüglich im Verband einbringen kann.

Und warum es grundsätzlich wichtig und richtig ist, Mitglied (s)eines Berufsverbands zu sein, erläutere ich dann mal an anderer Stelle.


* Den Text hatte ich Ende 2015 anlässlich meines Austritts aus der »Allianz deutscher Designer« (AGD) verfasst. Die AGD ist der andere deutsche Berufsverband für Designer, krankt aber einerseits am grundsätzlichen Konstrukt (jede/r darf Mitglied werden, auch Nicht-Designer unabhängig von Beruf und Professionalität) und andererseits am handelnden Personal.

 

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Zum Jahreswechsel

…wünsche ich allen Kunden, Kollegen und Freunden – und allen anderen Menschen auch – friedvolle, entspannte Festtage und ein ebensolches neues Jahr!

weihnachten2016

Gute Idee

Seit Frühjahr 2016 gibt es auch in Hamburg den Creative Morning. Henning Skibbe von ErlerSkibbeTönsmann brachte die Veranstaltung nach Hamburg. Weltweit treffen sich in über 150 Städten einmal im Monat Kreative aus den unterschiedlichsten Sparten, hören einen inspirierenden Kurzvortrag und kommen ins Gespräch.

Am 2. Dezember war in Hamburg Timo Blunck zu Gast, der in den 1980er Jahren als Musiker von Palais Schaumburg (nächstes Jahr soll ein neues Album rauskommen) bekannt wurde und heute Musik auch für Werbung, Events und mehr komponiert. Bei seinem Kurzvortrag ging es um Sound, Rhythmus und Musik. Es wurde auch live Bass gespielt. Thematisch war das eher weiter weg von meinem Tagesgeschäft, aber dennoch inspirierend. Und in Erinnerung bleiben wird bei mir vor allem eine Aussage von Blunck, die sich so auch auf alle anderen Kreativ-Unternehmer übertragen lässt:

Die Technologie verkürzt den Weg zum Ziel, aber man braucht noch immer eine gute Idee.

Denn genau diese Ideen unterscheiden den Profi vom Amateur, den Kommunikationsdesigner vom Anhübscher.


Und hier noch ein kurzer audiovisueller Eindruck von der Veranstaltung:

Rezension »Reinzeichung und Druckvorstufe mit InDesign«

reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch-titel-763x1024Vor einiger Zeit wurde ich von einer Kollegin gefragt, was denn alles bei der Reinzeichnung zu beachten sei und ob ich irgendwelche Checklisten hätte. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen, da diese Checkliste zwar existiert, aber nicht schriftlich, sondern sich in über 20 Jahren in meinem Kopf angesammelt hat. Mit dem Buch »Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign« ist das jetzt anders.

Als ich das Buch von Michael Neuhauser in die Hand bekam, fragte ich mich: »200 Seiten über Reinzeichnung?« Nach der Lektüre kann ich sagen, dass jede einzelne Seite des Buches richtig und wichtig ist.

Reinzeichnung beinhaltet alle Schritte, um ein Design fehlerfrei für den Druck aufzubereiten. Sinnvoll ist es, sich schon zu Beginn des Gestaltungsprozesses ein paar Gedanken zu machen. Und ganz wichtig ist es, von Anfang an mit den richtigen Farbeinstellungen zu arbeiten.

Neuhausers Buch beginnt genau damit und stellt entsprechende Dateien und Links zur Verfügung. Er empfiehlt und beschreibt ausführlich Grundeinstellungen für InDesign, aber auch Photoshop und Acrobat – die zusammen mit Illustrator das Grundgerüst jedes Kommunikationsdesigners sind (für jede Software gibt es natürlich Alternativen, diese hier – alle aus dem Hause Adobe – sind momentan marktbeherrschend).

Das Kapitel »Technische Grundlagen« gliedert sich in 18 Unterkapitel zu Dokument, Schriften, Verknüpfungen, Farbprofile, RGB-Bilder, CMYK-Bilder, Graustufen-Bilder, Vektorgrafiken, Farbfelder, Linien, Überdrucken und Aussparen, Separationsvorschau, Reduzierungsvorschau für Transparenzen, Rand und Beschnitt, Verborgene Elemente, Überfüllung und Unterfüllung (Trapping), Nur im Notfall: Schriften in Pfade umwandeln, Kontrolle mit Preflight. Ein extra Kapitel befasst sich dann auch noch mit »technischen Spezialfällen«. Schon durchs Inhaltsverzeichnis wird deutlich, wie detailliert sich Neuhauser mit der Materie beschäftigt hat.

Überrascht hat mich die Aussage, dass »einige Workflows (…) inzwischen nur noch mit RGB-Bilddaten [arbeiten] und (…) diese erst beim PDF-Export in das passende CMYK-Farbprofil [konvertieren]« (Seite 51). Genau diesen Workflow erlebe ich als Standard und hätte ihn daher entsprechend ausführlich beschrieben. Hier fehlt mir allerdings die statistische Grundlage, um zu klären, ob es wirklich nur »einige« oder die Mehrheit so wie ich machen.

Viel Raum nimmt zu Recht auch das Kapitel »Typografie« ein. Zu zwei Punkten möchte ich etwas anmerken: So empfiehlt Neuhauser auf Seite 129 »Shift + Enter«, um einen Zeilenumbruch innerhalb eines Absatzes zu erzwingen. Ich füge hier lieber vor dem Wort »Cmd + Shift + Minus« (= »Bedingter Trennstrich«, der dazu führt, dass das nachfolgende Wort nicht getrennt wird) ein, da das weniger Auswirkungen auf den Textumfluss hat, falls der Text sich doch noch einmal verändert, oder – was heutzutage auch immer häufiger vorkommt – neben der gedruckten Version noch ein E-Book produziert werden soll.

Zum Aufräumen der vom Kunden gelieferten Texte hat Neuhauser eine Reihe von GREP-Abfragen entwickelt (ab Seite 132), die man je nach Bedarf auf den Text anwenden kann. Damit werden nicht nur doppelte Leerzeichen beseitigt, sondern können auch falsche „Anführungszeichen“ (richtig: „Anführungszeichen“ oder »Anführungszeichen«) korrigiert, richtige Trennstriche eingesetzt werden und vieles mehr. Da dies ganz am Anfang des Designauftrags geschehen sollte, nämlich wenn der Text ins Layout fließt, hätte ich mir gewünscht, dass auch weiter vorne im Buch darauf deutlich hingewiesen wird. Und mir fehlt ein Hinweis, dass es auch Skripte gibt, die das Aufräumen erledigen können (»FindChangeByList« zum Beispiel) – wenn auch nicht so detailliert.

Im letzten Kapitel geht es dann um das Druck-PDF. In der ersten Auflage des Buches wurde hier noch PDF-X/3 empfohlen, was richtigerweise in der mir vorliegenden 2. Auflage korrigiert wurde: Je nach Anforderung sind PDF-X/1 oder PDF/X-4 zu empfehlen.

Abschließend präsentiert das Buch noch 6 hilfreiche Checklisten, die Käufern des Buches auch als Download zur Verfügung stehen, und einen ausführlichen Index.

Für alle, die die erste Auflage des Buches gekauft haben, sei das kostenlose Update empfohlen, das man sich auf der Website des Autors (Link) runterladen kann.

Noch zwei kleine Optimierungs-Wünsche (die aber die eindeutige Empfehlung für das Buch nicht mindern): Das »REINZEICHNUNG« auf dem Titel sollte gerade, wenn es um dieses Thema geht, korrekt mit einem Divis getrennt werden. Und die Druckqualität ist nicht ganz optimal: Gerade kleine Schrift »suppt« etwas weg.

Wenn mich jetzt jemand fragt, was bei der Reinzeichnung zu beachten ist, habe ich eine verlässliche und detaillierte Empfehlung. Die € 34,90 sind für Anfänger, aber auch für Profis, eine lohnende Investition, um ein sicheres Gefühl bei der Druckproduktion zu bekommen – und die Druckerei, sich selbst und nicht zuletzt den Auftraggeber ein bisschen glücklicher zu machen.

Michael Neuhauser
Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign
2., veränderte Auflage, 2016
200 Seiten
€ 34,90
http://www.michael-neuhauser.de/reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch


Anmerkung: Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.