Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört  u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Die beiden relevanten Berufsverbände für Kommunikations- und Grafikdesigner sind der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner e.V. und die Allianz deutscher Designer (AGD) e.V. Beide Verbände habe ich mir seinerzeit genauer angesehen und mich dann für die AGD entschieden, nicht zuletzt, weil sie mit damals 3.000 Mitgliedern (heute viel weniger) der größere Verband war.

Ab 2011, nachdem eine neue Generation die Leitung der AGD übernommen hatte, habe auch ich mich engagiert und war u.a. ehrenamtlich als Regionalsprecher Hamburg mit viel Elan aktiv. Dabei habe ich versucht, mit vielen Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen die Mitglieder berufswirtschaftlich weiter zu bringen und untereinander zu vernetzen. Nach drei Jahren habe ich mein Amt aufgegeben; und heute habe ich die Kündigung meiner AGD-Mitgliedschaft abgeschickt.

Kurz zusammen gefasst stellt sich die AGD momentan so dar:

  • kein Eintreten für die Anliegen der Designer gegenüber Wirtschaft und Politik
  • fragwürdiger Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen
  • mangelhafte Kommunikation nach innen und außen

Den Weg, den der Vorstand beschlossen hat (Stichwort »Netzwerk/Kreativteam«), halte ich für grundsätzlich falsch, und er entspricht auch nicht meinem Anspruch an einen Berufsverband. Veränderungen können natürlich nur innerhalb des Verbandes, also während der Mitgliedschaft, erreicht werden. Diverse Themen habe ich über die letzten Jahre immer wieder – erfolglos – angesprochen. Irgendwann ist genug, auch fürs eigene mentale Wohlbefinden (»Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance« könnte man das nennen).

Wer zu den einzelnen Punkten mehr wissen will, kann mich gerne anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Ein Argument für die Mitgliedschaft, das ich von vielen Mitgliedern höre, ist die kostenlose Erstberatung durch einen Juristen bzw. einen Steuerberater. Das reicht mir persönlich nicht als Begründung für die Mitgliedschaft in einem Berufsverband. Und: Solche Beratungsangebote gibt es mittlerweile auch bei anderen Verbänden (hier zum Beispiel).

Hoffnung für die AGD macht mir eigentlich nur, dass zumindest Teile des Vorstands angekündigt haben, 2017 bei der nächsten turnusmäßigen Vorstandswahl nicht wieder anzutreten. Außerdem gibt es wohl Anstrengungen einiger Mitglieder, die AGD grundsätzlich zu reformieren. Dafür wünsche ich viel Erfolg. Denn ich bin weiterhin an einer starken Lobby für die Anliegen der selbstständigen Designer interessiert, werde die AGD natürlich nicht aus den Augen verlieren und drücke die Daumen, dass es irgendwann in die richtige Richtung geht.

Ergänzung vom 9. Oktober 2015: 

Im heutigen Newsletter der AGD sind endlich einmal positive Ansätze bezüglich einer veränderten internen Kommunikation zu erkennen! Fehler in der Vergangenheit werden eingeräumt und ein Schaubild mit der »zukünftigen Wege und Möglichkeiten der Kommunikation im Verband« vorgestellt. Ich drücke Wolfgang Beinert alle Daumen, dass seine Bemühungen etwas verändern werden.

Schade, dass offenbar nur er etwas bewirken kann und die schon vorher vielstimmig geäußerte Kritik anderer Mitglieder nicht ernst genommen wurde.

Ergänzung vom 1. Dezember 2015: 

Wolfgang Beinert sieht seine Bemühungen gescheitert, gemeinsam mit dem aktuellen Vorstand und der Geschäftsführerin Veränderungen auf den Weg zu bringen.

 

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Die Homepage der AGD, unverändert seit April 2015.