Die DPD-Chroniken

19.11.2015

Das Paket mit den Faltblättern für einen Kunden von mir verlässt die Druckerei. Es ist genügend Zeit bis zu der Veranstaltung am 27.11., bei der die Faltblätter verteilt werden sollen. Der ausführende Paketdienst ist DPD und laut Eigenwerbung (grammatikalisch etwas schwammig) »your delivery experts«.

20.11.2015

Das Paket ist in Hamburg angekommen – und bleibt erst einmal fünf Tage liegen. Aus »Platzmangel«. Ein sich mir nicht erschließender Widerspruch.

25.11.2015

Das Paket befindet sich in der Auslieferung. Laut Tracking auf der DPD-Website kann das Paket allerdings um 15.59 Uhr nicht zugestellt werden. Beim Kunden gibt es einen Pförtner, so dass immer jemand anwesend ist. Es wird auch kein Benachrichtigungszettel hinterlassen.

Statt am folgenden Tag eine erneute Zustellung zu versuchen, soll das Paket zu einem Paketshop geliefert werden, damit der Kunde das dann dort selber abholt. Auch diese Zustellung klappt nicht, weil der Paketshop bereits geschlossen ist, als der Fahrer dort ankommt.

26.11.2015

Noch ein Tag bis zur Veranstaltung.

Es wird ein erneuter Zustellversuch vorgenommen, allerdings nicht bei meinem Kunden, sondern im Paketshop!

Als ich dies bemerke, schalte ich mich ein und kontaktiere DPD. Ich fordere statt dessen die Zustellung beim Kunden, was aber nicht möglich sei.

Ich finde es unzumutbar, dass mein Kunde das Paket mit den Drucksachen selber abholen soll, zumal ja die Leistung »Zustellung beim Kunden« beauftragt und bezahlt war. Außerdem hat mein Kunde ja keinen Abholschein, würde das Paket also gar nicht ausgehändigt bekommen.

Das Paket erreicht sein Ziel »Paketshop«.

Zur Lösung schlage ich vor, das Paket mit einem Kurier vom Paketshop zum knapp 3 km entfernten Kunden zu liefern. Kostet nicht viel, und DPD hätte einen beruhigten Kunden mehr – und ich auch. Auf diesen Vorschlag wird nicht eingegangen, aber ein erneuter Zustellversuch für den 27.11. versprochen.

27.11.

Die Angaben im Tracking sind leicht verwirrend, aber klar ist: Das Paket wurde nicht früh morgens im Paketshop abgeholt, sondern entweder 11.45 Uhr oder 15.10 Uhr. Schon zwei Minuten später steht fest, dass das Paket nicht zugestellt werden kann. Warum auch immer.

Die Veranstaltung meines Kunden ist gelaufen.

Mir wird für den Montag ein erneuter Zustellversuch versprochen.

30.11.2015

Ein »Sortierfehler im Paketzustellzentrum« und – Sie ahnen es – keine Zustellung. Aber das Versprechen, dass am folgenden Tag zugestellt wird.

01.12.2015

Statt eines Zustellversuchs erhalte ich – natürlich erst auf Nachfrage – die Aussage, dass »morgen das Paket zugestellt wird«.

Ich bitte um die Herausgabe der Kontaktdaten des Zuständigen im Vorstand. Wird abgelehnt, dafür aber angeboten, dass sich jemand vom örtlichen Depot bei mir meldet. Das lehne ich ab mit Verweis auf den erlebten Dilettantismus.

02.12.2015

Im Tracking lese ich von einer »Unstimmigkeit bei der Empfangsadresse«, die dafür verantwortlich sein soll, dass am 01.12. nicht zugestellt wurde. Auf Nachfrage, was an den ausführlichen Angaben (hier für diese Auflistung anonymisiert) »Institution, Name, Raum-Angabe, Straße, PLZ, Ort« unstimmig sei, wird sich mal wieder entschuldigt und »umgehende« Nachfrage »bei den Kollegen im Depot« versprochen.

»Wir melden uns bei Ihnen umgehend, sobald wir Neuigkeiten dazu haben.« Niemand meldet sich.

03.12.2015

Zustellung erfolgt. Endlich.

 

Leider scheint das kein Einzelfall zu sein; wenn auch nicht so krass wie in diesem Fall, hörte und las ich im persönlichen Umfeld aber auch in den Weiten des Web von sehr vielen negativen Erlebnissen mit DPD.*

Zum einen wünsche ich mir, dass DPD »umgehend« Kontakt zur Duden-Redaktion aufnimmt, um eine Änderung der Definition des Wortes »umgehend« zu erreichen.

Zum anderen wünsche ich mir, dass jemand mit etwas Kapital (vermutlich ist das für Crowdfunding dann doch eine Nummer zu groß) einen Paketdienst aufbaut, der seine Mitarbeiter gut auswählt und gut bezahlt – und vielleicht auch noch auf Zustellung mit Elektrofahrzeugen setzt. Ich wäre sicher nicht der einzige, der für besseren Service mehr bezahlen würde.

 

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*

Nicht vor der Arbeit, nicht in der Mittagspause, nicht nach der Arbeit und auch nicht am Samstag:
»Mein« DPD-Paketshop ist mit seinen Öffnungszeiten Mo-Fr 10-13 und 14-17.30 Uhr für »normal« arbeitende Menschen auch quasi nicht erreichbar.

 

You can choose to be a positive force

If there is one thing I hope to teach you, it is this: you will not always be safe. (…) You shouldn’t live your life seeking safety at all costs. You shouldn’t compromise your own freedom because madmen took lives, even if it’s dozens, hundreds or thousands. You shouldn’t compromise your own freedom the second, third, and fourth time something terrible happens, either.

What you can do is choose to be one of those people who help. One of those people who make the world better, in small or big ways. You will live through many more terror attacks, stupid governments, unnecessary wars. The human condition is, in many ways, heartbreaking. You cannot make the heartbreak go away. But you can choose to be a positive force. You can choose to be a helper.

Quelle: http://benlog.com/2015/11/13/letter-to-my-two-sons-november-13th-2015/

 

Neues von der KSK

Am 30. Juni 2015 fand in Hamburg eine Informationsveranstaltung zur Künstlersozialkasse statt. Arrangiert wurde die Veranstaltung von Stadtkultur Hamburg e.V., dem »Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bildung«, der mit dieser Veranstaltung seinen Mitgliedsverbänden die Möglichkeit verschaffte, sich über alle relevanten Fragen zur Künstlersozialkasse und -abgabe aus Sicht eines »Verwerters« zu informieren. Freundlicherweise durfte auch ich teilnehmen, obwohl ich eher Auftragnehmer als -geber bin. Aber mich interessieren auch gerade diese Aspekte, damit ich meine Auftraggeber gut über die aktuelle Rechtslage, die Pflichten und Rechte offen und ehrlich informieren kann.

Für alle, die sich nicht so mit der Künstlersozialkasse auskennen, hier kurz zusammengefasst deren Funktion: Die KSK unterstützt selbstständige Künstler und Publizisten aus vielen Berufsgruppen, indem sie den Arbeitgeberanteil für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlt. Finanziert wird dieser Zuschuss durch eine Abgabe, die Künstlersozialabgabe, die jeder bezahlen muss, der einen »Künstler oder Publizisten« (gemäß der KSK-Liste) beauftragt – und zwar unabhängig davon, ob der Kreative von der KSK Zuschüsse erhält oder nicht! Hier und hier hatte ich bereits etwas zur KSK geschrieben.

Als Experte stand ein Mitarbeiter der KSK zur Verfügung, der ausgehend von seiner Powerpoint-Präsentation anekdotenreich alle wichtigen Details erläuterte und auch auf Neuerungen und Präzisierungen einging, die seit diesem Jahr gelten.

Es folgen ein paar Punkte, die ich mir notiert habe. Alle, sind natürlich ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Richtigkeit! Bitte im Zweifel immer direkt bei der KSK nachfragen und sich keinesfalls nur auf das hier publizierte verlassen!!!

  • 15.425 € verdient ein über die KSK abgesicherter Kreativer im Schnitt. Pro Jahr. Das ist verdammt wenig und macht klar, wie wichtig der Zuschuss ist.
  • Wer in den Genuss einer Unterstützung der KSK kommt, ist ganz genau im Künstlerkatalog festgelegt. Aber wie überall gibt es Grenzfälle:
    DJ? Nein. DJ, der eigene Mixe macht und diese auf »Tonträgern« veröffentlicht? Ja.
    Afrodancer? Ja. Breakdancer? Nein. Weil es bei letzterem nationale und internationale Meisterschaften gibt, ist es (nach Lesart der KSK und/oder des Bundessozialgerichts) eine Sportart und keine Kunst.
    Übersetzer? Eher ja bei Belletristik. Eher nein bei Sachtexten. Wenn aber beispielsweise die Übersetzung einer Bedienungsanleitung eine kreative sprachliche Eigenleistung nötig macht, weil sie sonst komplett unverständlich wäre: Eher ja.
  • Die versicherten Künstler und Publizisten dürfen neben ihrer Haupttätigkeit auch bis zu 5.400 € jährlich mit einer Tätigkeit verdienen, die nicht-künstlerisch im Sinne der KSK ist.
  • Wenn bei einem Betriebsfest Herbert Grönemeyer für eine Millionengage auftritt, ist die Künstlersozialabgabe zu zahlen. Wenn auf diesem Fest aber nur Mitarbeiter und deren Familien anwesend sind und niemand externes, ist keine Abgabe zu zahlen.
  • Bislang musste die KSK-Abgabe nicht gezahlt werden, wenn es zu »gelegentlichen Auftragserteilungen« kam. »Gelegentlich« ist ziemliche Auslegungssache, so dass dieser Punkt jetzt präzisiert wurde: Ab 450,- € im Jahr ist unabhängig von der Häufigkeit die Abgabe zu entrichten.
  • Stehen in den Rechnungen der Kreativen Posten für Druck oder Programmierung, gehören diese nicht zu den Kosten, auf die die Abgabe zu entrichten ist. Zu zahlen ist für die kreative Arbeit und die Nebenkosten. Druck- oder Programmierungskosten sind laut Aussage des KSK-Vertreters keine Nebenkosten.
  • Irrelevant für die KSK ist, ob der Kreative mit dem vollen (19%) oder dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz (7%) rechnet.
  • Genauso ist es der KSK egal, ob der Kreative ein Gewerbe angemeldet hat oder nicht.

Gerade zu den letzten beiden Punkten haben ich immer wieder anderes gehört, so dass ich sehr froh war, dass bei der Veranstaltung ein Mitarbeiter der KSK dies klargestellt hat.

Erhellend, was den bürokratischen Wahnsinn angeht, war auch diese Anekdote: Tritt ein Schauspieler in einem TV-Werbespot auf: Abgabepflicht auf das Honorar. Derselbe Schauspieler in der zur selben Kampagne gehörenden Print-Anzeige: Keine Abgabepflicht.


Sollte ich bei der Veranstaltung etwas falsch verstanden haben oder Sie etwas ergänzen wollen, können Sie mir gerne eine E-Mail schreiben.

 

PUBKON 2015

CDXVMbTWAAE2gxDVom 23. bis 25. April fand in Köln die PUBKON 2015 statt – die InDesign- und Publishing-Konferenz im deutschsprachigen Raum. Zusammen mit meinen fantastischen Kollegen Stephan Mitteldorf und Anselm Hannemann habe ich die Veranstaltung mit insgesamt über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, drei Workshops und mehr als zwei Dutzend Rednern und Vorträgen organisiert.

Mein Arbeitsschwerpunkt im Team war vor allem die externe Kommunikation: Die Texte für die Website, Konzeption und Text für alle Newsletter stammen genauso von mir wie die allermeisten Postings bei Facebook und Twitter. Und auch während der Konferenz hörte diese Arbeit nicht auf: Kontinuierlich habe ich die Social-Media-Kanäle der PUBKON 2015 mit Text und Bild versorgt. Und auch jetzt, nach dem Event, geht diese Arbeit natürlich noch weiter.

Planen, organisieren, vernetzen, mitdenken. Kann ich.
Social-Media-Kommunikation auch.
Und Kommunikationsdesign sowieso.

Das Foto hat Klaas Posselt gemacht.

Business statt Brandschatzen

Ein Buch mit dem Untertitel „Marketing auf Skandinavisch“ weckt natürlich mein Interesse, und so habe ich „Die Wikinger kommen!“ von Steve Strid und Claes Andréasson durchgelesen – auch wenn es kein aktuelles Buch, sondern von 2007 ist.

Die beiden Autoren haben in ihrem Berufsleben viele skandinavische Marken begleitet und an weltweiten Kampagnen, unter anderen für Absolut Vodka*, mitgearbeitet. Ihr Ratgeber ist in kleine Häppchen von selten mehr als zwei Seiten unterteilt. Das macht das Lesen einfach(er), geht allerdings auch auf den etwa 170 Seiten nie wirklich in die Details.

Grundlage des weltweiten Erfolgs skandinavischer Firmen ist ihrer Meinung nach eine „tief verwurzelte skandinavische Philosophie. Es ist eine ganz eigene Art, Marken, Unternehmen, und Bewegungen zu gestalten, und sie beruht auf Einfallsreichtum, Teamwork, Geschichtenerzählen und einem feinen Sinn für Humor.“

Diesen feinen Sinn für Humor haben auch die Autoren. Strid und Andréasson schreiben flüssig und unterhaltsam. Ihre Weisheiten Ratschläge verknüpfen sie immer wieder mit Vergleichen aus der Wikinger-Zeit. Ob die immer richtig sind oder nicht vielmehr nur dem Klischee entsprechen, das wir heutzutage von den Wikingern haben? Um das zu klären, kenne ich mich nicht genug in der skandinavischen Mittelalter-Geschichte aus. Aber es ist alles stimmig und überzeugend beschrieben. Ein Beispiel (aus dem Kapitel zur Unternehmenskultur): „Die Wikinger einer Expeditionsmannschaft brachten sich vielleicht wegen Frauen, zu viel Alkohol, schlechter Drogen oder ganz einfach schlechter Laune um, aber nur selten wegen Geld. Warum? Ganz einfach:
1. Ihnen machte Spaß, was sie taten (Plündern und so weiter);
2. Sie hatten alle ein Mitbestimmungsrecht bei dem, was sie taten (Plündern und so weiter);
3. Jeder hatte das Gefühl, einen Beitrag für das gemeinsame Ziel zu leisten (Plündern und so weiter);
4. Sie hatten alle das Gefühl, dass sie selbst Herr waren über ihr Schicksal (Plündern und so weiter).
Ersetzen Sie das Wort Plündern in der oben stehenden Aufzählung durch was auch immer ihr Unternehmen tut, und sie werden anfangen, die Weisheit der Wikingermethode zu verstehen.“

Zusammenfassung: Sehr unterhaltsam geschriebener Ratgeber, inhaltlich solide, ohne große Überraschungen. Kein Kaufbefehl, aber eine Leseempfehlung.

Steve Strid / Claes Andréasson: Die Wikinger kommen! Marketing auf Skandinavisch. 2008, Redline Wirtschaft, € 15,90.

 


* Das schwedische Alphabet kennt erst seit 2006 offiziell den Buchstaben W. Darum Vodka statt Wodka.

Som morgondagens formgivare…

„Som morgondagens formgivare måste du inte kunna alt men du måste arbeta nära programmeraren och it-avdelningen. Det går inte att sitta på olika våningsplan eller, till och med, på olika geografiska platser. Som formgivare måste vi integrera oss mer med helt andra funktioner än vad vi är vana vid att ha med i våra arbetsgrupper. Jag är helt övertygad om att vi måste arbeta mer som projektledare och driva designen framåt.“

Carina Nilsson, chefredaktör hos CAP & Design

Zukünftig musst Du als Gestalter nicht alles kennen, aber Du musst nah bei den Programmierern und der IT-Abteilung arbeiten. Es geht nicht, in unterschiedlichen Stockwerken oder, noch schlimmer, an unterschiedlichen Orten zu sitzen. Als Gestalter müssen wir uns stärker integrieren, mit ganz anderen Funktionen als jenen, die wir bislang bei der Zusammenarbeit gewohnt sind. Ich bin voll und ganz überzeugt davon, dass wir mehr als Projektmanager arbeiten und so das Design nach vorne bringen müssen.

Carina Nilsson, Chefredakteurin bei CAP & Design,
der größten Designzeitschrift Nordeuropas

Übersetzung von mir.

»die« InDesign- und Publishing-Konferenz

PUBKON_OhneJahrEnde April findet in Köln die PUBKON 2015 statt, die größte InDesign- und Publishing-Konferenz in Deutschland. An zwei Tagen (24./25. April 2015) kommen Firmenvertreter, Referenten und Anwender aus der Publishing-Welt zusammen zum Weiterbilden und Netzwerken. Einen Tag vorher (23. April 2015) finden noch zwei Intensiv-Workshops statt.

Die PUBKON gibt es schon seit 2012; für 2015 bin ich zum ersten Mal im Orga-Team mit dabei. In Zusammenarbeit mit meinen Kollegen aus Dresden und München eine Veranstaltung in Köln auf die Beine zu stellen, ist schon eine gewisse Herausforderung, klappt aber bislang sehr gut.

Meine Hauptaufgabe im PUBKON-Team ist das Schreiben sämtlicher Texte: Website, Newsletter, Social Media, Sponsorenakquise-Unterlagen und vieles mehr – (fast) alles stammt aus meiner »Feder«. Für mich als MItdenker und Grafikdesigner ist das Texten zwar nicht meine Kernkompetenz, gelingt mir aber doch – nach Aussage der Kollegen – ganz gut. Und vor allem macht es mir viel Freude.

Wenn Sie Fragen zu PUBKON haben – ob als möglicher Teilnehmer oder Sponsor –, kontaktieren Sie mich gerne. 

Was fehlt?

Im Bundestag gibt es seit Frühjahr 2014 einen Ausschuss „Digitale Agenda“. Im Ausschuss sollen laut Bundestags-Website „die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel gestellt werden. Netzpolitik ist für den Ausschuss kein „Nischenthema“. (…) Das Gremium sieht sich vielmehr als wichtiger Impulsgeber für die parlamentarische Arbeit.“

Anfang Dezember 2014 traf sich der Ausschuss zu einem Fachgespräch zum Thema „Urheberrecht“. Eingeladen waren:

  • ein Medienrechtler aus Münster
  • ein Medienrechtler aus Berlin
  • ein Medienrechtler aus Göttingen
  • eine Vertreterin der Bitkom, dem Verband der Digitalwirtschaft
  • der Redaktionsleiter von von iRights.info

Wer genau hinsieht, dem fällt sofort auf, dass in dieser Liste jemand fehlt, nämlich ein Vertreter der Urheber, was laut einem Artikel auf heise.de auch die „Deutsche Content Allianz“ bedauert hat.

Die AGD – Allianz deutscher Designer – setzt sich laut eigener Aussage „vor dem Gesetzgeber (…) für ein transparentes und faires Urheberrecht ein (…).“

Der BDG – Berufsverband der Kommunikationsdesigner wirkt laut eigener Aussage „im Sinne der Kommunikationsdesigner direkt oder über Dachorganisationen und politische Kontakte auf die Gesetzgebung ein.“

Bei der iDD – Initiative Deutscher Designverbände, in der AGD und BDG beide vertreten sind, steht laut eigener Aussage „aktuell (…) die politische Einflussnahme sowie der Aufbau der strukturellen und instrumentellen Ausstattung im Fokus.“

Der Deutsche Designertag (DT) ist ein weiterer, parallel (?) existierender Dachverband, der laut eigener Aussage „die Aufgabe [hat], die gemeinsamen Interessen der Designer und der designorientierten Wirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit und Politik wahrzunehmen.“

Der DT ist als „Sektion Design“ Vertreter der Designwirtschaft im nächsthöheren (?) Dachverband namens Deutscher Kulturrat. Dieser ist laut eigener Aussage „Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten des Deutschen Kulturrates e.V. übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten.“

Dieser Kulturrat hat sich als einziger der genannten Verbände zu der der Ausschusssitzung geäußert* und „fragt sich, ob es Unwissenheit oder Ignoranz ist“, dass kein Vertreter der Urheber eingeladen wurde. Ich wünsche mir, dass der Kulturrat sich das nicht selber fragt, sondern die beteiligten Politiker. Und die Antworten – auch wenn es vielleicht keine gibt – veröffentlicht.

Zugleich sollten sich der Deutsche Kulturrat und alle Unter- und Unterunterorganisationen wie AGD, BDG, iDD, DT und wie sie sich alle abkürzen, fragen, warum sie offenbar von der Politik in so einer wichtigen Frage ignoriert werden!? (Und warum wird eine Stellungnahme des Oberdachverbandes nicht von allen verbreitet?)

Also: Wieso schaffen es die Interessensvertretungen nicht, die eigenen, auf ihren jeweiligen Websites formulierten Ansprüche zu erfüllen? Der Politik „Unwissenheit oder Ignoranz“ zu unterstellen, mag richtig sein. Damit machen es sich die Organisationen aber viel zu einfach. Sie sollten sich an die eigene Nase fassen und gemeinsam (!) Strategien entwickeln und in praktische Arbeit umsetzen, um effektiv etwas für die Urheber zu erreichen bzw. erst einmal nicht mehr ignoriert zu werden. In einem Wort: Lobbyarbeit.

Dass dazu vielleicht auch eine andere Organisationsstruktur innerhalb der Interessensverbände der Designwirtschaft sinnvoll wäre – diesem Argument kann ich mich auch nicht verschließen.


* Aktuellste Meldung bzw. Pressemitteilung auf der jeweiligen Website:

  • AGD: 09. Juli 2014
  • BDG: 14. November 2014
  • iDD: 01. August 2014
  • DT: November 2013

InDesign User Group Hamburg am 5. Juni 2014

Die InDesign User Groups sind von Adobe unabhängige, (aber) wohlwollend begleitete Veranstaltungen, bei denen sich Benutzer dieser Software zum Informationsaustausch treffen. Der Blick geht dabei oftmals auch über den „Tellerrand“ hinaus und beleuchtet alle Themen rund ums „Publishing“. Als Standortleiter Hamburg organisiere ich mit vier Kollegen zusammen die Veranstaltungen in Hamburg.

Das nächste Treffen am Donnerstag, 5. Juni 2014, stellt das Thema „Agiles Publishing“ in den Mittelpunkt. Mit diesem Begriff bezeichnen die drei Autoren Detlef Hagemann, Georg Obermayr und Matthias Günther eine neue Art der Herangehensweise beim Publizieren für Print und Digital. Was „Fokus auf den Nutzer, das Silo-Denken beenden“ genau heißt, wird Matthias Günther bei uns persönlich erläutern.* Das Buch zur Methode im Wert von € 39,90 kann im Rahmen einer Verlosung gewonnen werden! Die Website zum Buch: http://www.agile-publishing.de

Im „Praxisteil“ :-) des Abends werden mein Kollege Christof Rickmann und ich außerdem einige Tipps & Tricks zu InDesign vorstellen. Und zum Abschluss werden wir bei einer Tombola wieder wertvolle Preise verlosen – neben dem genannten Buch unter anderem auch ein Jahres-Abo der Creative Cloud von Adobe.

Die Veranstaltung ist kostenlos, zur besseren Planung bitten wir trotzdem um eine Anmeldung: http://bit.ly/idughh09

 

* Dazu passt auch dieses Zitat.

Neues zur KSK

Letztes Jahr habe ich in einem ausführlichen Blog-Beitrag die Funktion der Künstlersozialkasse und den Künstlersozialbeitrag erläutert. Seitdem gab es eine Bundestagswahl mit einigem Getöse im Wahlkampf und nun – für mich überraschend schnell – einen Gesetzentwurf des zuständigen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, mit dem die Künstlersozialkasse „zukunftsfest“ werden soll.

Das Gesetz sieht vor, dass zukünftig intensiver geprüft wird, so dass sich weniger Abgabepflichtige ihrer gesetzlichen Pflicht entziehen können. Die Überprüfung soll mindestens alle vier Jahre durch die Rentenversicherung erfolgen, die auch bisher für die Kontrolle zuständig war, dies aber wegen des zusätzlichen Aufwands nur ungenügend machte. Die Folge davon waren sinkende Einnahmen, die Notwendigkeit eines höheren Zuschusses durch den Staat und große Unzufriedenheit bei den ehrlichen Zahlern, da deren Beitrag auf zuletzt 5,2 % des Nettorechnungsbetrags stieg.

Gleichzeitig bekäme bei Verabschiedung des Gesetzes auch die Künstlersozialkasse selbst das Recht, Überprüfungen durchzuführen. Ob dieses Nebeneinander in der Praxis funktioniert, darf bezweifelt werden und erfordert als erstes zusätzlichen bürokratischen Aufwand, damit zwischen Rentenversicherung und Künstlersozialkasse klar ist, wer denn nun wen wann prüfen darf/muss.

Die Regierung sieht das auch so und und erwartet Mehrkosten von 13,6 Mio €. Allerdings spricht sie von einem „Effizienzgewinn“ durch die Neuregelung und prognostiziert Mehreinnahmen von 32 Mio €.

Knapp 18 Mio € (32 minus 14) sollen dementsprechend also durch das neue Gesetz zusätzlich an die Künstlersozialkasse fließen (Das Magazin Monopol schreibt von 20 Mio € – ich rechne lieber mit den Zahlen der Bundesregierung). Das würde – wenn ich mich nicht verrechnet habe* – bei dem aktuellen Haushalt der KSK dazu führen, dass der Abgabesatz auf 4,8 % gesenkt werden kann. Der Haushalt der KSK für 2013 hat ein Volumen von 893 Mio €. Da bedeuten 20 Mio € Mehreinnahmen gerade mal 2,2 %! Meine Einschätzung: „Zukunftsfest“, wie die Regierung ihren Gesetzesentwurf nennt, ist das meiner Ansicht nach nicht. Zur Erinnerung: Noch 2013 lag der Abgabesatz bei 4,1 %.

Stellungnahmen der Kultur- und Kreativverbände zu dem Gesetzentwurf habe ich bislang mit einer Ausnahme nicht gefunden, lediglich eine knappe Pressemitteilung des „Deutschen Kulturrats“, die den Gesetzentwurf begrüßt. Was ich immer noch vermisse, ist eine eigene Berechnung der Experten, wie sich durch die Mehreinnahmen der Abgabesatz verändern würde. 

Den Text des Gesetzentwurfes können Sie hier als PDF nachlesen: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Gesetze/KSAStabG-2014.pdf

Mich beeindruckt/irritiert/schockiert dabei vor allem auf Seite 2 der Punkt C. Ganz in der Merkel’schen Diktion von der „alternativlosen Politik“ gibt es laut Bundesministerium zu diesem Gesetz (natürlich) keine Alternativen:

screenshot 2014-05-06 um 14.40.27

 

 

* Wer besser rechnen kann, darf mich gerne korrigieren. Die Allianz deutscher Designer prognostiziert auf Anfrage den Satz auf 4,5 % – natürlich aufgrund der vorliegenden Zahlen, von denen die Realität vermutlich abweichen wird.

Dieser Text wurde leicht aktualisiert am 23. Juni 2014.