Haltung zeigen

Ende 2015 schrieb ich hier im Blog dies*:

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Das gilt unverändert.

Um an diesen Zielen zu arbeiten, habe ich entschieden, mich nach einem Jahr Verbands-Abstinenz dem Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) anzuschließen. Wichtigstes Kriterium ist für mich dabei, dass der BDG es so wie ich sieht: Als Kommunikationsdesigner bin ich Unternehmer (und kein Künstler), der seinen Auftraggebern einen Mehrwert verschafft (und nicht nur Sachen »anhübscht«)

Ich bin optimistisch, dass es dem BDG gelingt, die damit verbundene Haltung durch langfristige, nachhaltige (Lobby-)Arbeit auch bei den Entscheidern in Politik und Wirtschaft – den Auftraggebern also – zu verankern. Gerne trage ich meinen Teil dazu bei. Mal sehen, wo und wie ich mich diesbezüglich im Verband einbringen kann.

Und warum es grundsätzlich wichtig und richtig ist, Mitglied (s)eines Berufsverbands zu sein, erläutere ich dann mal an anderer Stelle.


* Den Text hatte ich Ende 2015 anlässlich meines Austritts aus der »Allianz deutscher Designer« (AGD) verfasst. Die AGD ist der andere deutsche Berufsverband für Designer, krankt aber einerseits am grundsätzlichen Konstrukt (jede/r darf Mitglied werden, auch Nicht-Designer unabhängig von Beruf und Professionalität) und andererseits am handelnden Personal.

 

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Gute Idee

Seit Frühjahr 2016 gibt es auch in Hamburg den Creative Morning. Henning Skibbe von ErlerSkibbeTönsmann brachte die Veranstaltung nach Hamburg. Weltweit treffen sich in über 150 Städten einmal im Monat Kreative aus den unterschiedlichsten Sparten, hören einen inspirierenden Kurzvortrag und kommen ins Gespräch.

Am 2. Dezember war in Hamburg Timo Blunck zu Gast, der in den 1980er Jahren als Musiker von Palais Schaumburg (nächstes Jahr soll ein neues Album rauskommen) bekannt wurde und heute Musik auch für Werbung, Events und mehr komponiert. Bei seinem Kurzvortrag ging es um Sound, Rhythmus und Musik. Es wurde auch live Bass gespielt. Thematisch war das eher weiter weg von meinem Tagesgeschäft, aber dennoch inspirierend. Und in Erinnerung bleiben wird bei mir vor allem eine Aussage von Blunck, die sich so auch auf alle anderen Kreativ-Unternehmer übertragen lässt:

Die Technologie verkürzt den Weg zum Ziel, aber man braucht noch immer eine gute Idee.

Denn genau diese Ideen unterscheiden den Profi vom Amateur, den Kommunikationsdesigner vom Anhübscher.


Und hier noch ein kurzer audiovisueller Eindruck von der Veranstaltung:

Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Hat mein Bild 300 dpi?

Um einen qualitativ hochwertigen Druck zu erhalten, müssen die Bilder eine Auflösung von mindestens 300 dpi haben. Bitte beachten  Sie, dass sich die Auflösung bei der Skalierung von Bildern entsprechend verkleinert.

Ganz allgemein und vereinfacht gesagt stimmt das Zitat, das ich auf einer Website eines Web2Print-Portals gefunden habe.* Allerdings können Laien, und die sind die Zielgruppe dieser Website, mit der Information gar nichts anfangen. dpi ist eine Maßeinheit, die jenseits der Grafikwelt fast niemand kennt. Es gibt viele Seiten im Netz (zum Beispiel hier oder hier), die das Problem erläutern. Für meinen Geschmack setzen sie aber alle zu viel technisches Know-how voraus. Vielleicht hilft die nachfolgende, sehr vereinfachte Erklärung (die Druck- und Fotoexperten lesen bitte nicht weiter).

Zum einen gibt es das Bild. Im Normalfall liegt es als jpg-Datei vor. Nun muss man heraus bekommen, wie groß dieses Bild ist. Dafür bitte nicht ein Lineal an den Monitor halten, sondern in den Dateiinformationen nachsehen. Dort wird ein Pixelwert zu finden sein, zum Beispiel 800 x 600 Pixel.

Zum anderen gibt es einen Platz in beispielsweise einer Broschüre, an dem das Bild gedruckt werden soll; und zwar in den genannten 300 dpi. Dieser Platz ist in diesem Beispiel 10 x 6 cm groß.

Wie bekommt man nun also raus, ob 800 x 600 Pixel ausreichen, um ein 10 x 6 cm großes Bild in 300 dpi drucken zu können? Nehmen Sie den Pixelwert und teilen Sie ihn durch 118. Das Resultat entspricht dann näherungsweise der maximalen Zentimeter-Angabe, in der das Bild noch gut aussieht. In meinem Beispiel also:

800 Pixel / 118 = 6,78 cm

Somit wäre das Beispiel-Bild nicht geeignet, um es mit 10 cm Breite abzudrucken. Hätte die Datei 1200 x 900 Pixel gehabt, hätte es geklappt: 1024 / 118 = 10,17

Manchmal passt ein Motiv von der Breite an den vorhergesehenen Platz, aber nicht von der Höhe (oder anders herum). Darum prüfen Sie lieber immer beides, also Breite und Höhe. Eine zusätzliche Schwierigkeit kann entstehen, wenn man nur einen Ausschnitt des Bildes nutzen möchte. Dann muss die Berechnung natürlich für genau diesen Ausschnitt angestellt werden, und nicht für das Gesamtbild.

Meine Empfehlung: Der professionelle Kommunikationsdesigner oder Fotograf schaut sich jedes Bild natürlich viel genauer an, um für seine Auftraggeber ein perfektes Druckergebnis zu erzielen. Die Farben werden optimiert, Höhen und Tiefen (die heißen wirklich so) feinjustiert, am Kontrast gearbeitet und vieles, vieles mehr. Auch wird darauf geachtet, auf welchem Papier später gedruckt werden soll. Dazu kommt dann auch noch der fachliche Blick, ob das Motiv wirklich passend zum Ziel der Broschüre und der Zielgruppe ist. Für wirklich professionelle Ergebnisse reicht also das Teilen durch 118 nicht aus.

kaboompics
© kaboompics

* Es gibt Druckereien, die von Fall zu Fall auch Werte unterhalb 300 dpi akzeptieren. Je nach Motiv, Druckverfahren und Papier können auch mal 240 oder sogar 200 dpi ausreichend sein.

Design im Fokus für Export und Tourismus

Kleine Rückschau: 2005 war in Schweden das Designjahr (designåret). Die Regierung hatte erkannt, wie wichtig Design für alle Lebensbereiche ist – unabhängig davon, ob es sich um Mode-, Produkt-, Grafikdesign oder irgendeine andere Designsparte handelte. Eine Vielzahl von Aktionen, Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen halfen, das Thema Design tiefer im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.Der Regierungswechsel ein Jahr darauf führte dazu, dass das Thema leider wieder weniger starke Beachtung erfuhr. Programme wurde zurück gefahren oder eingestellt, Förderungen vermindert.

Heute, 2016, scheint wieder Besserung in Sicht: Die Regierung hat Design als wichtigen Faktor für den Export und den Tourismus identifiziert und will dies entsprechend fördern:

Svensk design i fokus för export och turism
Inom ramen för regeringens exportstrategi har regeringen beslutat att under fyra års tid satsa 28 miljoner kronor på en kommunikationsplattform för svensk design. Arbetet kommer att ledas av Visit Sweden i samarbete med branschorganisationerna Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Även Svenska Institutet och Business Sweden kommer att medverka i arbetet.
Syftet med uppdraget är att bredda kännedomen om svensk design och svenska designupplevelser internationellt och på så sätt skapa förutsättningar för ökad export samt att antalet utländska besökare till Sverige ska öka. Utgångspunkten för uppdraget är att det finns en stor internationell efterfrågan av svensk design och att det samtidigt finns potential att öka Sveriges export av tjänster, upplevelser och produkter inom design i dess breda bemärkelse.

Quelle: http://www.regeringen.se/pressmeddelanden/2016/05/svensk-design-i-fokus-for-export-och-turism/

Ich übersetze mal frei (auch im Schwedischen ist Regierungssprech Regierungssprech…):
Im Rahmen der Exportstrategie hat die schwedische Regierung beschlossen, über 4 Jahre eine Kommunikationsplattform für schwedisches Design mit 28 Millionen Kronen (knapp über 3 Mio €) zu fördern. Die Arbeit wird von Visit Sweden geleitet, in Zusammenarbeit mit Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Auch Svenska Institutet (vergleichbar mit dem Goethe-Institut) und Business Sweden werden mitwirken.
Das Wissen über schwedisches Design und schwedische Designerlebnisse soll erhöht und so die Voraussetzungen für mehr Exporte und mehr ausländische Gäste in Schweden geschaffen werden. Ausgangspunkt ist, dass es eine große, internationale Nachfrage nach schwedischem Design und damit das Potential gibt, den Export von Diensten, Erlebnissen und Produkten aus dem Designbereich in seiner umfassendsten begrifflichen Bedeutung zu erhöhen.

Auf Deutschland ist so eine Idee nicht eins-zu-eins übertragbar: Deutsches Design hat bei weitem nicht so einen guten Ruf wie schwedisches bzw. skandinavisches Design und taugt darum eher nicht als Exportfaktor (was natürlich nicht heißt, dass es keine guten deutschen Designer gibt!). Deutlich wird aber, dass seitens der schwedischen Administration erkannt wurde, welchen Wert Design hat. Davon sind wir hier bei uns noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Ich werde weiter verfolgen, wie die schwedische Exportstrategie nun mit Inhalt gefüllt und die »Kommunikationsplattform« aussehen wird und hier im Blog und/oder bei Twitter darüber berichten.

© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se
© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se

Künstlersozialkassenprekariat?

Jan-Peter Wahlmann, Vorstandsmitglied der Allianz deutscher Designer e.V. (AGD), kritisiert in einem auf der Website der AGD veröffentlichten Text mit der Überschrift »Künstlerprekariat« , dass bei der Definition des Begriffs »Prekariat« die Zufriedenheit mit der eigenen (beruflichen) Situation nicht berücksichtigt wird. Zugleich rät er, bei Problemen das Gespräch mit Kollegen zu suchen.

Allgemein scheint sich im Netz niemand für den Text zu interessieren. Zu Recht, wie ich zunächst fand. Auch ich habe den Text erst nur überflogen. Denn die Forderung, bei der Definition von Prekariat auch die Zufriedenheit zu berücksichtigen, halte ich für falsch und sogar kontraproduktiv und gefährlich, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Designer zu verbessern. Und das ist – zumindest laut Satzung – ein Ziel der AGD.

Vor kurzem erschien zu diesem Thema ein sehr interessantes Interview, in dem sich die Arbeitssoziologin Alexandra Manske zur Arbeitswelt insbesondere in der Kultur- und Kreativwirtschaft äußert. Sie sieht zutreffend die große Gefahr weit verbreiteter Altersarmut, eben gerade auch durch die von Wahlmann so titulierte »Zufriedenheit«, die bei Manske eher »Selbstverwirklichung« heißt.

In einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe hat sich ein Designer-Kollege dann doch mit dem Text beschäftigt und so echauffiert, dass ich ihn doch noch mal genauer gelesen habe. In der Einleitung geht Wahlmann auf die Begriffe Künstlerprekariat und Künstlersozialkasse ein:

Vor ein paar Jahren fragte mich ein Kunde, ob man als Designer von seiner Arbeit überhaupt leben kann. Damals hörte ich zum ersten Mal vom »Künstlerprekariat«. Inzwischen wird dieser Begriff schon fast inflationär verwendet. Politiker, Wissenschaftler und Verbandsfunktionäre reden gern vom Prekariat, um die wirtschaftliche Situation der Kreativen in einem dramatischen Licht darzustellen.

Künstlerprekariat wird seiner Meinung nach »fast inflationär« gebraucht. Google sieht das ziemlich anders – wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ab wann etwas »fast inflationär« ist*:

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Der Begriff Künstlerprekariat wurde von Chris Dercon in einem Interview im Magazin »monopol« im Jahr 2010 geprägt. Nachdem der Artikel vor sechs Jahren kurz Wellen geschlagen hat, wurde es danach wieder ziemlich still um das Thema und den Begriff. Zumindest für das geschriebene, veröffentlichte Wort »Künstlerprekariat« gilt also nicht, dass es gerne benutzt wird.

Kombiniert mit dem Begriff der »Künstler-Sozial-Kasse« entsteht so der Eindruck, dass die Designer wirtschaftlich unfähig sind und von der Gesellschaft alimentiert werden müssen. Doch entspricht das überhaupt der Wahrheit?

Ob das der Wahrheit entspricht, also ob Designer wirtschaftlich unfähig sind und ob sie von der Gesellschaft alimentiert werden müssen, wird im Text nicht erörtert. Es bleibt unklar, ob es ihm hier nur um die Begriffe geht, oder ob er vielleicht sogar das ganze Konstrukt Künstlersozialkasse – zumindest für Designer – in Frage stellt.

Wenn es um den Begriff KSK geht: 

Der Begriff »Künstlersozialkasse« ist sicherlich wirklich nicht zeitgemäß, gerade bei der großen Anzahl an Berufsgruppen, die sich neben Künstlern und Designern über die KSK versichern können. Eine passenderer Name wäre wünschenswert. (Andererseits: Denkt jeder Arbeitgeber, seine Angestellten seien dauerhaft krank, nur weil er dauerhaft für seine Angestellten Beiträge an die Krankenkasse abführen muss?)

Wenn es um die Institution KSK geht: 

Möchte Wahlmann (oder der AGD-Vorstand – unterzeichnet ist die Veröffentlichung mit »Jan-Peter Wahlmann, AGD-Vorstand«) andeuten, dass er das Konstrukt Künstlersozialkasse kritisch sieht bzw. vielleicht sogar in Gänze für Designer ablehnt? Richtig ist: Designer sind keine Künstler. Gerade die Berufsverbände betonen immer wieder, dass Design ein Wirtschaftsfaktor ist. Darum könnte man berechtigt die Frage diskutieren, ob Designern grundsätzlich die Möglichkeit der Absicherung (»von der Gesellschaft alimentiert«) über die KSK erlaubt sein soll. Aber diese wie ich finde interessante Frage beantwortet Wahlmann leider nicht.


* Google-Suchergebnisse hängen immer von dem eigenen Suchverhalten ab. Die genaue Zahl kann bei jedem Suchvorgang anders sein.
Für den Ausdruck »fast inflationär« gibt es bei Google übrigens immerhin knapp 16.000 Treffer… :-)

Was kostet eigentlich…

…eine Website?

Einfache Antwort: Kommt drauf an.

Es ist wie beim Autokauf: Zwischen Lada und Ferrari liegen große Unterschiede, zwischen Zweisitzer und Transporter auch – in der Funktionalität, im Erscheinungsbild und damit auch im Preis.

Bei einer Website orientieren sich die Kosten vor allem daran, was sie technisch und inhaltlich leisten soll. Michael Priyev hat dazu einen guten (englisch-sprachigen) Text verfasst, zu dem ich gerne verlinke: http://tech.co/much-website-really-cost-2016-02

Vielleicht kann man auf Baukastensysteme zurückgreifen, wie sie hier und da angeboten werden. Ein eigenständiges, unverwechselbares Design und Funktionalitäten, die genau den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens entsprechen und gemeinsam die Grundlage dafür bilden, dass mit einer Website die vorher definierten Ziele erreicht werden, bekommt man so natürlich nicht.

Und das hat seinen Wert.

Mitdenken kann man nicht automatisieren

Im Newsletter der Universität Hamburg wird das neue, weiter entwickelte Corporate Design vorgestellt. Ich arbeite seit Jahren für verschiedene Abteilungen und Fakultäten der Universität, muss mich aber wohl darauf einstellen, dass sich das ändert:

In den nächs­ten Mo­na­ten wird auch in einem so­ge­nann­ten „Brand Ma­nage­ment Por­tal“ eine Web-​to-​print-​An­wen­dung zur Ver­fü­gung ge­stellt, die es auch Lai­in­nen und Laien er­mög­licht, ohne den Ein­satz pro­fes­sio­nel­ler De­si­gn­pro­gram­me (wie In­De­sign) mit Hilfe eines Bau­kas­ten­mo­dells Flyer oder Pos­ter zu er­stel­len.

Vermutlich versprechen sich die Entscheider* von dieser Maßnahme Kosteneinsparungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es durchaus Publikationen gibt, die auf diesem automatisierten Weg sehr gut erstellt werden können – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Konzerne und Institutionen zu Recht Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legt.

Für uns Kommunikationsdesigner bleibt dennoch viel zu tun. Denn ein guter Auftraggeber ruft nicht erst an, wenn ein Faltblatt gestaltet werden soll. Der schlaue Kunde meldet sich schon einen Schritt früher und fragt: »Ich möchte dieses Ziel erreichen und das ist meine Zielgruppe – mit welcher Kommunikationsmaßnahme geht das am besten?« Das kann dann vielleicht ein Faltblatt sein, vielleicht aber auch ein anderer Kommunikationskanal oder die Kombination mehrerer Aktivitäten.

Und: Automatisierung bedeutet immer einen Verlust von Feinheiten. Der Kommunikationsdesigner blickt »von außen« auf die Publikation und erkennt sprachliche Unstimmigkeiten im Text, sieht Fehler bei Rechtschreibung oder Trennung und optimiert das Kerning. Er findet durch seine Erfahrung das passende oder vielleicht überraschende Bild und kann besser als jeder Laie den optimalen Bildausschnitt finden. Bei Grafiken und Tabellen arbeitet er die wichtigste Aussage heraus, räumt auf, findet die beste Darstellungsform (Balken- oder Tortendiagramm? Oder etwas ganz anderes?) und erhöht so den Nutzwert.

Das kann kein Automat.

Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht nicht nur die Werkzeuge (wie das genannte InDesign), sondern ist darüber hinaus und vor allem ein kundiger Berater, damit der Auftraggeber seine jeweiligen Ziele bestmöglich erreicht. Auf diese Beratung zu verzichten, könnte letztendlich teuer werden.


* Es sind immer Frauen und Männer gemeint. Aus Gründen des Leseflusses verzichte ich im Text auf die jeweilige Nennung beider Formen. 


Und weil die sozialen Medien darauf so abfahren, hier noch ein Foto, auch wenn es nur wenig mit dem Beitrag zu tun hat:

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Zur Lage der Designer in Deutschland

Meine selbstgestellte Sommeraufgabe war, mir Gedanken über das Berufsbild des »Designers« zu machen. Ich bin ehrlich gesagt nicht dazu gekommen. Erholung musste auch mal sein, und dann war gleich wieder Praxis statt Beschäftigung mit der Theorie angesagt.

Unerwartet sind nun aber einige sehr interessante Meinungsäußerungen zu genau diesem Thema erschienen. Drei Veröffentlichungen möchte ich hervorheben:

Christian Büning, Vorsitzender des Bundesverband der deutschen Kommunikationsdesigner e.V., hat über die „gestörte Lage der Designer“ in Deutschland geschrieben.

Zur von der EU geplanten Reform des Urheberrechts schreibt der Anwalt von „Charlie Hebdo“, Richard Malka.

Und Frank Wagner, vielfach ausgezeichneter Designer aus München, hat seine Gedanken zum Wert des Designs gleich in ein ganzes Buch gepackt: »The Value of Design«.

Alles sehr lesenswert! Gerne würde ich mit Frank Wagner und Christian Büning und weiteren Designern eine Diskussionsrunde planen. Ich werde mal meine Fühler ausstrecken und sehen, was geht.

»Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby.«

screenshot 2015-09-03 um 19.33.36Ich bin Mitglied im »Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.« (VGSD) geworden. Ich habe diesen Schritt länger überlegt. Zunächst hatte ich den Eindruck gewonnen, dass unter den Mitgliedern zu viele Berater und Coaches sind, die hier nur neue Kunden suchen.

Im Frühsommer 2015 startete der Verband eine Kampagne zum Thema Scheinselbstständigkeit. Es geht dabei darum, die derzeit noch unklare Rechtslage zu verändern. Mich beeindruckte dabei, wie der kleine Verband (damals noch unter 1.000 Mitglieder) das Thema über seine unterschiedlichen Kommunikationskanäle verbreitete und so bis heute erstaunliche 12.500 Unterzeichner für die dazugehörige Petition sammeln konnte. Darüber hinaus gelang es, Kontakt zu Politik und Gewerkschaften zu knüpfen. Und eine »Roadshow« machte in einigen deutschen Städten halt und informierte vor Ort zu dem Thema. Damit hat der VGSD meiner Meinung nach gezeigt, wie trotz kleiner Budgets gute Lobbyarbeit aussehen kann.

Schlau finde ich auch den Ansatz des VGSD, zwei verschiedene Mitgliedschaften anzubieten. Ganz kostenlos kann man »Community-Mitglied« werden und hilft schon damit, die Stimme des Verbands wichtiger zu machen. Als weiteren interessanten Ansatz kann man bei der »normalen« Mitgliedschaft den eigenen Mitgliedsbeitrag frei wählen (größergleich 5 €) und so der eigenen wirtschaftlichen Lage anpassen.

Mir gefällt darüber hinaus der Menüpunkt »Mitmachen«, unter dem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, sich aktiv zu beteiligen. »Für jedes Zeitbudget ist etwas dabei«, und die Ziele und Aktivitäten des Verbandes können dort beeinflusst werden.

Mein persönliches Lobby-Thema ist eher ein anderes (Verbesserung der Wertschätzung von Design), weswegen ich mein Zeitbudget – außer ein paar Klicks und Tweets – an anderer Stelle einsetzen werde. Durch meine Mitgliedschaft möchte ich aber signalisieren, dass ich die Arbeit des VGSD sinnvoll finde.

Hier finden Sie mein Profil im »Branchenlisting« des VGSD. Leider ist diese Übersicht der Verbandsmitglieder auf der Homepage des Verbands nur schwer zu finden.