Haltung zeigen

Ende 2015 schrieb ich hier im Blog dies*:

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Das gilt unverändert.

Um an diesen Zielen zu arbeiten, habe ich entschieden, mich nach einem Jahr Verbands-Abstinenz dem Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) anzuschließen. Wichtigstes Kriterium ist für mich dabei, dass der BDG es so wie ich sieht: Als Kommunikationsdesigner bin ich Unternehmer (und kein Künstler), der seinen Auftraggebern einen Mehrwert verschafft (und nicht nur Sachen »anhübscht«)

Ich bin optimistisch, dass es dem BDG gelingt, die damit verbundene Haltung durch langfristige, nachhaltige (Lobby-)Arbeit auch bei den Entscheidern in Politik und Wirtschaft – den Auftraggebern also – zu verankern. Gerne trage ich meinen Teil dazu bei. Mal sehen, wo und wie ich mich diesbezüglich im Verband einbringen kann.

Und warum es grundsätzlich wichtig und richtig ist, Mitglied (s)eines Berufsverbands zu sein, erläutere ich dann mal an anderer Stelle.


* Den Text hatte ich Ende 2015 anlässlich meines Austritts aus der »Allianz deutscher Designer« (AGD) verfasst. Die AGD ist der andere deutsche Berufsverband für Designer, krankt aber einerseits am grundsätzlichen Konstrukt (jede/r darf Mitglied werden, auch Nicht-Designer unabhängig von Beruf und Professionalität) und andererseits am handelnden Personal.

 

Gute Idee

Seit Frühjahr 2016 gibt es auch in Hamburg den Creative Morning. Henning Skibbe von ErlerSkibbeTönsmann brachte die Veranstaltung nach Hamburg. Weltweit treffen sich in über 150 Städten einmal im Monat Kreative aus den unterschiedlichsten Sparten, hören einen inspirierenden Kurzvortrag und kommen ins Gespräch.

Am 2. Dezember war in Hamburg Timo Blunck zu Gast, der in den 1980er Jahren als Musiker von Palais Schaumburg (nächstes Jahr soll ein neues Album rauskommen) bekannt wurde und heute Musik auch für Werbung, Events und mehr komponiert. Bei seinem Kurzvortrag ging es um Sound, Rhythmus und Musik. Es wurde auch live Bass gespielt. Thematisch war das eher weiter weg von meinem Tagesgeschäft, aber dennoch inspirierend. Und in Erinnerung bleiben wird bei mir vor allem eine Aussage von Blunck, die sich so auch auf alle anderen Kreativ-Unternehmer übertragen lässt:

Die Technologie verkürzt den Weg zum Ziel, aber man braucht noch immer eine gute Idee.

Denn genau diese Ideen unterscheiden den Profi vom Amateur, den Kommunikationsdesigner vom Anhübscher.


Und hier noch ein kurzer audiovisueller Eindruck von der Veranstaltung:

Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Hat mein Bild 300 dpi?

Um einen qualitativ hochwertigen Druck zu erhalten, müssen die Bilder eine Auflösung von mindestens 300 dpi haben. Bitte beachten  Sie, dass sich die Auflösung bei der Skalierung von Bildern entsprechend verkleinert.

Ganz allgemein und vereinfacht gesagt stimmt das Zitat, das ich auf einer Website eines Web2Print-Portals gefunden habe.* Allerdings können Laien, und die sind die Zielgruppe dieser Website, mit der Information gar nichts anfangen. dpi ist eine Maßeinheit, die jenseits der Grafikwelt fast niemand kennt. Es gibt viele Seiten im Netz (zum Beispiel hier oder hier), die das Problem erläutern. Für meinen Geschmack setzen sie aber alle zu viel technisches Know-how voraus. Vielleicht hilft die nachfolgende, sehr vereinfachte Erklärung (die Druck- und Fotoexperten lesen bitte nicht weiter).

Zum einen gibt es das Bild. Im Normalfall liegt es als jpg-Datei vor. Nun muss man heraus bekommen, wie groß dieses Bild ist. Dafür bitte nicht ein Lineal an den Monitor halten, sondern in den Dateiinformationen nachsehen. Dort wird ein Pixelwert zu finden sein, zum Beispiel 800 x 600 Pixel.

Zum anderen gibt es einen Platz in beispielsweise einer Broschüre, an dem das Bild gedruckt werden soll; und zwar in den genannten 300 dpi. Dieser Platz ist in diesem Beispiel 10 x 6 cm groß.

Wie bekommt man nun also raus, ob 800 x 600 Pixel ausreichen, um ein 10 x 6 cm großes Bild in 300 dpi drucken zu können? Nehmen Sie den Pixelwert und teilen Sie ihn durch 118. Das Resultat entspricht dann näherungsweise der maximalen Zentimeter-Angabe, in der das Bild noch gut aussieht. In meinem Beispiel also:

800 Pixel / 118 = 6,78 cm

Somit wäre das Beispiel-Bild nicht geeignet, um es mit 10 cm Breite abzudrucken. Hätte die Datei 1200 x 900 Pixel gehabt, hätte es geklappt: 1024 / 118 = 10,17

Manchmal passt ein Motiv von der Breite an den vorhergesehenen Platz, aber nicht von der Höhe (oder anders herum). Darum prüfen Sie lieber immer beides, also Breite und Höhe. Eine zusätzliche Schwierigkeit kann entstehen, wenn man nur einen Ausschnitt des Bildes nutzen möchte. Dann muss die Berechnung natürlich für genau diesen Ausschnitt angestellt werden, und nicht für das Gesamtbild.

Meine Empfehlung: Der professionelle Kommunikationsdesigner oder Fotograf schaut sich jedes Bild natürlich viel genauer an, um für seine Auftraggeber ein perfektes Druckergebnis zu erzielen. Die Farben werden optimiert, Höhen und Tiefen (die heißen wirklich so) feinjustiert, am Kontrast gearbeitet und vieles, vieles mehr. Auch wird darauf geachtet, auf welchem Papier später gedruckt werden soll. Dazu kommt dann auch noch der fachliche Blick, ob das Motiv wirklich passend zum Ziel der Broschüre und der Zielgruppe ist. Für wirklich professionelle Ergebnisse reicht also das Teilen durch 118 nicht aus.

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© kaboompics

* Es gibt Druckereien, die von Fall zu Fall auch Werte unterhalb 300 dpi akzeptieren. Je nach Motiv, Druckverfahren und Papier können auch mal 240 oder sogar 200 dpi ausreichend sein.

Design im Fokus für Export und Tourismus

Kleine Rückschau: 2005 war in Schweden das Designjahr (designåret). Die Regierung hatte erkannt, wie wichtig Design für alle Lebensbereiche ist – unabhängig davon, ob es sich um Mode-, Produkt-, Grafikdesign oder irgendeine andere Designsparte handelte. Eine Vielzahl von Aktionen, Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen halfen, das Thema Design tiefer im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.Der Regierungswechsel ein Jahr darauf führte dazu, dass das Thema leider wieder weniger starke Beachtung erfuhr. Programme wurde zurück gefahren oder eingestellt, Förderungen vermindert.

Heute, 2016, scheint wieder Besserung in Sicht: Die Regierung hat Design als wichtigen Faktor für den Export und den Tourismus identifiziert und will dies entsprechend fördern:

Svensk design i fokus för export och turism
Inom ramen för regeringens exportstrategi har regeringen beslutat att under fyra års tid satsa 28 miljoner kronor på en kommunikationsplattform för svensk design. Arbetet kommer att ledas av Visit Sweden i samarbete med branschorganisationerna Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Även Svenska Institutet och Business Sweden kommer att medverka i arbetet.
Syftet med uppdraget är att bredda kännedomen om svensk design och svenska designupplevelser internationellt och på så sätt skapa förutsättningar för ökad export samt att antalet utländska besökare till Sverige ska öka. Utgångspunkten för uppdraget är att det finns en stor internationell efterfrågan av svensk design och att det samtidigt finns potential att öka Sveriges export av tjänster, upplevelser och produkter inom design i dess breda bemärkelse.

Quelle: http://www.regeringen.se/pressmeddelanden/2016/05/svensk-design-i-fokus-for-export-och-turism/

Ich übersetze mal frei (auch im Schwedischen ist Regierungssprech Regierungssprech…):
Im Rahmen der Exportstrategie hat die schwedische Regierung beschlossen, über 4 Jahre eine Kommunikationsplattform für schwedisches Design mit 28 Millionen Kronen (knapp über 3 Mio €) zu fördern. Die Arbeit wird von Visit Sweden geleitet, in Zusammenarbeit mit Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Auch Svenska Institutet (vergleichbar mit dem Goethe-Institut) und Business Sweden werden mitwirken.
Das Wissen über schwedisches Design und schwedische Designerlebnisse soll erhöht und so die Voraussetzungen für mehr Exporte und mehr ausländische Gäste in Schweden geschaffen werden. Ausgangspunkt ist, dass es eine große, internationale Nachfrage nach schwedischem Design und damit das Potential gibt, den Export von Diensten, Erlebnissen und Produkten aus dem Designbereich in seiner umfassendsten begrifflichen Bedeutung zu erhöhen.

Auf Deutschland ist so eine Idee nicht eins-zu-eins übertragbar: Deutsches Design hat bei weitem nicht so einen guten Ruf wie schwedisches bzw. skandinavisches Design und taugt darum eher nicht als Exportfaktor (was natürlich nicht heißt, dass es keine guten deutschen Designer gibt!). Deutlich wird aber, dass seitens der schwedischen Administration erkannt wurde, welchen Wert Design hat. Davon sind wir hier bei uns noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Ich werde weiter verfolgen, wie die schwedische Exportstrategie nun mit Inhalt gefüllt und die »Kommunikationsplattform« aussehen wird und hier im Blog und/oder bei Twitter darüber berichten.

© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se
© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se

Künstlersozialkassenprekariat?

Jan-Peter Wahlmann, Vorstandsmitglied der Allianz deutscher Designer e.V. (AGD), kritisiert in einem auf der Website der AGD veröffentlichten Text mit der Überschrift »Künstlerprekariat« , dass bei der Definition des Begriffs »Prekariat« die Zufriedenheit mit der eigenen (beruflichen) Situation nicht berücksichtigt wird. Zugleich rät er, bei Problemen das Gespräch mit Kollegen zu suchen.

Allgemein scheint sich im Netz niemand für den Text zu interessieren. Zu Recht, wie ich zunächst fand. Auch ich habe den Text erst nur überflogen. Denn die Forderung, bei der Definition von Prekariat auch die Zufriedenheit zu berücksichtigen, halte ich für falsch und sogar kontraproduktiv und gefährlich, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Designer zu verbessern. Und das ist – zumindest laut Satzung – ein Ziel der AGD.

Vor kurzem erschien zu diesem Thema ein sehr interessantes Interview, in dem sich die Arbeitssoziologin Alexandra Manske zur Arbeitswelt insbesondere in der Kultur- und Kreativwirtschaft äußert. Sie sieht zutreffend die große Gefahr weit verbreiteter Altersarmut, eben gerade auch durch die von Wahlmann so titulierte »Zufriedenheit«, die bei Manske eher »Selbstverwirklichung« heißt.

In einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe hat sich ein Designer-Kollege dann doch mit dem Text beschäftigt und so echauffiert, dass ich ihn doch noch mal genauer gelesen habe. In der Einleitung geht Wahlmann auf die Begriffe Künstlerprekariat und Künstlersozialkasse ein:

Vor ein paar Jahren fragte mich ein Kunde, ob man als Designer von seiner Arbeit überhaupt leben kann. Damals hörte ich zum ersten Mal vom »Künstlerprekariat«. Inzwischen wird dieser Begriff schon fast inflationär verwendet. Politiker, Wissenschaftler und Verbandsfunktionäre reden gern vom Prekariat, um die wirtschaftliche Situation der Kreativen in einem dramatischen Licht darzustellen.

Künstlerprekariat wird seiner Meinung nach »fast inflationär« gebraucht. Google sieht das ziemlich anders – wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ab wann etwas »fast inflationär« ist*:

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Der Begriff Künstlerprekariat wurde von Chris Dercon in einem Interview im Magazin »monopol« im Jahr 2010 geprägt. Nachdem der Artikel vor sechs Jahren kurz Wellen geschlagen hat, wurde es danach wieder ziemlich still um das Thema und den Begriff. Zumindest für das geschriebene, veröffentlichte Wort »Künstlerprekariat« gilt also nicht, dass es gerne benutzt wird.

Kombiniert mit dem Begriff der »Künstler-Sozial-Kasse« entsteht so der Eindruck, dass die Designer wirtschaftlich unfähig sind und von der Gesellschaft alimentiert werden müssen. Doch entspricht das überhaupt der Wahrheit?

Ob das der Wahrheit entspricht, also ob Designer wirtschaftlich unfähig sind und ob sie von der Gesellschaft alimentiert werden müssen, wird im Text nicht erörtert. Es bleibt unklar, ob es ihm hier nur um die Begriffe geht, oder ob er vielleicht sogar das ganze Konstrukt Künstlersozialkasse – zumindest für Designer – in Frage stellt.

Wenn es um den Begriff KSK geht: 

Der Begriff »Künstlersozialkasse« ist sicherlich wirklich nicht zeitgemäß, gerade bei der großen Anzahl an Berufsgruppen, die sich neben Künstlern und Designern über die KSK versichern können. Eine passenderer Name wäre wünschenswert. (Andererseits: Denkt jeder Arbeitgeber, seine Angestellten seien dauerhaft krank, nur weil er dauerhaft für seine Angestellten Beiträge an die Krankenkasse abführen muss?)

Wenn es um die Institution KSK geht: 

Möchte Wahlmann (oder der AGD-Vorstand – unterzeichnet ist die Veröffentlichung mit »Jan-Peter Wahlmann, AGD-Vorstand«) andeuten, dass er das Konstrukt Künstlersozialkasse kritisch sieht bzw. vielleicht sogar in Gänze für Designer ablehnt? Richtig ist: Designer sind keine Künstler. Gerade die Berufsverbände betonen immer wieder, dass Design ein Wirtschaftsfaktor ist. Darum könnte man berechtigt die Frage diskutieren, ob Designern grundsätzlich die Möglichkeit der Absicherung (»von der Gesellschaft alimentiert«) über die KSK erlaubt sein soll. Aber diese wie ich finde interessante Frage beantwortet Wahlmann leider nicht.


* Google-Suchergebnisse hängen immer von dem eigenen Suchverhalten ab. Die genaue Zahl kann bei jedem Suchvorgang anders sein.
Für den Ausdruck »fast inflationär« gibt es bei Google übrigens immerhin knapp 16.000 Treffer… :-)

Was kostet eigentlich…

…eine Website?

Einfache Antwort: Kommt drauf an.

Es ist wie beim Autokauf: Zwischen Lada und Ferrari liegen große Unterschiede, zwischen Zweisitzer und Transporter auch – in der Funktionalität, im Erscheinungsbild und damit auch im Preis.

Bei einer Website orientieren sich die Kosten vor allem daran, was sie technisch und inhaltlich leisten soll. Michael Priyev hat dazu einen guten (englisch-sprachigen) Text verfasst, zu dem ich gerne verlinke: http://tech.co/much-website-really-cost-2016-02

Vielleicht kann man auf Baukastensysteme zurückgreifen, wie sie hier und da angeboten werden. Ein eigenständiges, unverwechselbares Design und Funktionalitäten, die genau den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens entsprechen und gemeinsam die Grundlage dafür bilden, dass mit einer Website die vorher definierten Ziele erreicht werden, bekommt man so natürlich nicht.

Und das hat seinen Wert.

Mitdenken kann man nicht automatisieren

Im Newsletter der Universität Hamburg wird das neue, weiter entwickelte Corporate Design vorgestellt. Ich arbeite seit Jahren für verschiedene Abteilungen und Fakultäten der Universität, muss mich aber wohl darauf einstellen, dass sich das ändert:

In den nächs­ten Mo­na­ten wird auch in einem so­ge­nann­ten „Brand Ma­nage­ment Por­tal“ eine Web-​to-​print-​An­wen­dung zur Ver­fü­gung ge­stellt, die es auch Lai­in­nen und Laien er­mög­licht, ohne den Ein­satz pro­fes­sio­nel­ler De­si­gn­pro­gram­me (wie In­De­sign) mit Hilfe eines Bau­kas­ten­mo­dells Flyer oder Pos­ter zu er­stel­len.

Vermutlich versprechen sich die Entscheider* von dieser Maßnahme Kosteneinsparungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es durchaus Publikationen gibt, die auf diesem automatisierten Weg sehr gut erstellt werden können – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Konzerne und Institutionen zu Recht Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legt.

Für uns Kommunikationsdesigner bleibt dennoch viel zu tun. Denn ein guter Auftraggeber ruft nicht erst an, wenn ein Faltblatt gestaltet werden soll. Der schlaue Kunde meldet sich schon einen Schritt früher und fragt: »Ich möchte dieses Ziel erreichen und das ist meine Zielgruppe – mit welcher Kommunikationsmaßnahme geht das am besten?« Das kann dann vielleicht ein Faltblatt sein, vielleicht aber auch ein anderer Kommunikationskanal oder die Kombination mehrerer Aktivitäten.

Und: Automatisierung bedeutet immer einen Verlust von Feinheiten. Der Kommunikationsdesigner blickt »von außen« auf die Publikation und erkennt sprachliche Unstimmigkeiten im Text, sieht Fehler bei Rechtschreibung oder Trennung und optimiert das Kerning. Er findet durch seine Erfahrung das passende oder vielleicht überraschende Bild und kann besser als jeder Laie den optimalen Bildausschnitt finden. Bei Grafiken und Tabellen arbeitet er die wichtigste Aussage heraus, räumt auf, findet die beste Darstellungsform (Balken- oder Tortendiagramm? Oder etwas ganz anderes?) und erhöht so den Nutzwert.

Das kann kein Automat.

Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht nicht nur die Werkzeuge (wie das genannte InDesign), sondern ist darüber hinaus und vor allem ein kundiger Berater, damit der Auftraggeber seine jeweiligen Ziele bestmöglich erreicht. Auf diese Beratung zu verzichten, könnte letztendlich teuer werden.


* Es sind immer Frauen und Männer gemeint. Aus Gründen des Leseflusses verzichte ich im Text auf die jeweilige Nennung beider Formen. 


Und weil die sozialen Medien darauf so abfahren, hier noch ein Foto, auch wenn es nur wenig mit dem Beitrag zu tun hat:

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Zur Lage der Designer in Deutschland

Meine selbstgestellte Sommeraufgabe war, mir Gedanken über das Berufsbild des »Designers« zu machen. Ich bin ehrlich gesagt nicht dazu gekommen. Erholung musste auch mal sein, und dann war gleich wieder Praxis statt Beschäftigung mit der Theorie angesagt.

Unerwartet sind nun aber einige sehr interessante Meinungsäußerungen zu genau diesem Thema erschienen. Drei Veröffentlichungen möchte ich hervorheben:

Christian Büning, Vorsitzender des Bundesverband der deutschen Kommunikationsdesigner e.V., hat über die „gestörte Lage der Designer“ in Deutschland geschrieben.

Zur von der EU geplanten Reform des Urheberrechts schreibt der Anwalt von „Charlie Hebdo“, Richard Malka.

Und Frank Wagner, vielfach ausgezeichneter Designer aus München, hat seine Gedanken zum Wert des Designs gleich in ein ganzes Buch gepackt: »The Value of Design«.

Alles sehr lesenswert! Gerne würde ich mit Frank Wagner und Christian Büning und weiteren Designern eine Diskussionsrunde planen. Ich werde mal meine Fühler ausstrecken und sehen, was geht.

»Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby.«

screenshot 2015-09-03 um 19.33.36Ich bin Mitglied im »Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.« (VGSD) geworden. Ich habe diesen Schritt länger überlegt. Zunächst hatte ich den Eindruck gewonnen, dass unter den Mitgliedern zu viele Berater und Coaches sind, die hier nur neue Kunden suchen.

Im Frühsommer 2015 startete der Verband eine Kampagne zum Thema Scheinselbstständigkeit. Es geht dabei darum, die derzeit noch unklare Rechtslage zu verändern. Mich beeindruckte dabei, wie der kleine Verband (damals noch unter 1.000 Mitglieder) das Thema über seine unterschiedlichen Kommunikationskanäle verbreitete und so bis heute erstaunliche 12.500 Unterzeichner für die dazugehörige Petition sammeln konnte. Darüber hinaus gelang es, Kontakt zu Politik und Gewerkschaften zu knüpfen. Und eine »Roadshow« machte in einigen deutschen Städten halt und informierte vor Ort zu dem Thema. Damit hat der VGSD meiner Meinung nach gezeigt, wie trotz kleiner Budgets gute Lobbyarbeit aussehen kann.

Schlau finde ich auch den Ansatz des VGSD, zwei verschiedene Mitgliedschaften anzubieten. Ganz kostenlos kann man »Community-Mitglied« werden und hilft schon damit, die Stimme des Verbands wichtiger zu machen. Als weiteren interessanten Ansatz kann man bei der »normalen« Mitgliedschaft den eigenen Mitgliedsbeitrag frei wählen (größergleich 5 €) und so der eigenen wirtschaftlichen Lage anpassen.

Mir gefällt darüber hinaus der Menüpunkt »Mitmachen«, unter dem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, sich aktiv zu beteiligen. »Für jedes Zeitbudget ist etwas dabei«, und die Ziele und Aktivitäten des Verbandes können dort beeinflusst werden.

Mein persönliches Lobby-Thema ist eher ein anderes (Verbesserung der Wertschätzung von Design), weswegen ich mein Zeitbudget – außer ein paar Klicks und Tweets – an anderer Stelle einsetzen werde. Durch meine Mitgliedschaft möchte ich aber signalisieren, dass ich die Arbeit des VGSD sinnvoll finde.

Hier finden Sie mein Profil im »Branchenlisting« des VGSD. Leider ist diese Übersicht der Verbandsmitglieder auf der Homepage des Verbands nur schwer zu finden.

Weltverbesserer?

Was macht eigentlich ein Designer? Das ist eine sehr schwierig zu beantwortende Frage. Jede/r versteht darunter etwas anderes. Mal wird Designer nur als Synonym für Modedesigner benutzt, mal müsste es eigentlich Produktdesign heißen, wenn Design gesagt und geschrieben wird. Und wenn ich mich als Kommunikations- oder Grafikdesigner bezeichne, wissen Fachfremde damit auch oftmals wenig anzufangen.

Meine mir selbst gestellte Sommeraufgabe ist, meine Definition der Berufsbezeichnung »Designer« aufzuschreiben und so auch das eigene Profil zu schärfen. Gerne nehme ich dazu Anregungen und Link-Empfehlungen entgegen – per E-Mail oder über die Kommentarfunktion unten.

Eine Anregung dazu habe ich bereits; sie kommt aus Schweden. Dort hat der Designverband Svensk Form mit diesem Plakat Werbung für eine Veranstaltung gemacht. Die Übersetzung lautet:
Bist Du kreativ? Magst Du, Probleme zu lösen? Willst Du die Welt einfacher, schöner und anwenderfreundlicher machen? Du solltest Designer werden

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Neues von der KSK

Am 30. Juni 2015 fand in Hamburg eine Informationsveranstaltung zur Künstlersozialkasse statt. Arrangiert wurde die Veranstaltung von Stadtkultur Hamburg e.V., dem »Dachverband für lokale Kultur und kulturelle Bildung«, der mit dieser Veranstaltung seinen Mitgliedsverbänden die Möglichkeit verschaffte, sich über alle relevanten Fragen zur Künstlersozialkasse und -abgabe aus Sicht eines »Verwerters« zu informieren. Freundlicherweise durfte auch ich teilnehmen, obwohl ich eher Auftragnehmer als -geber bin. Aber mich interessieren auch gerade diese Aspekte, damit ich meine Auftraggeber gut über die aktuelle Rechtslage, die Pflichten und Rechte offen und ehrlich informieren kann.

Für alle, die sich nicht so mit der Künstlersozialkasse auskennen, hier kurz zusammengefasst deren Funktion: Die KSK unterstützt selbstständige Künstler und Publizisten aus vielen Berufsgruppen, indem sie den Arbeitgeberanteil für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlt. Finanziert wird dieser Zuschuss durch eine Abgabe, die Künstlersozialabgabe, die jeder bezahlen muss, der einen »Künstler oder Publizisten« (gemäß der KSK-Liste) beauftragt – und zwar unabhängig davon, ob der Kreative von der KSK Zuschüsse erhält oder nicht! Hier und hier hatte ich bereits etwas zur KSK geschrieben.

Als Experte stand ein Mitarbeiter der KSK zur Verfügung, der ausgehend von seiner Powerpoint-Präsentation anekdotenreich alle wichtigen Details erläuterte und auch auf Neuerungen und Präzisierungen einging, die seit diesem Jahr gelten.

Es folgen ein paar Punkte, die ich mir notiert habe. Alle, sind natürlich ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Richtigkeit! Bitte im Zweifel immer direkt bei der KSK nachfragen und sich keinesfalls nur auf das hier publizierte verlassen!!!

  • 15.425 € verdient ein über die KSK abgesicherter Kreativer im Schnitt. Pro Jahr. Das ist verdammt wenig und macht klar, wie wichtig der Zuschuss ist.
  • Wer in den Genuss einer Unterstützung der KSK kommt, ist ganz genau im Künstlerkatalog festgelegt. Aber wie überall gibt es Grenzfälle:
    DJ? Nein. DJ, der eigene Mixe macht und diese auf »Tonträgern« veröffentlicht? Ja.
    Afrodancer? Ja. Breakdancer? Nein. Weil es bei letzterem nationale und internationale Meisterschaften gibt, ist es (nach Lesart der KSK und/oder des Bundessozialgerichts) eine Sportart und keine Kunst.
    Übersetzer? Eher ja bei Belletristik. Eher nein bei Sachtexten. Wenn aber beispielsweise die Übersetzung einer Bedienungsanleitung eine kreative sprachliche Eigenleistung nötig macht, weil sie sonst komplett unverständlich wäre: Eher ja.
  • Die versicherten Künstler und Publizisten dürfen neben ihrer Haupttätigkeit auch bis zu 5.400 € jährlich mit einer Tätigkeit verdienen, die nicht-künstlerisch im Sinne der KSK ist.
  • Wenn bei einem Betriebsfest Herbert Grönemeyer für eine Millionengage auftritt, ist die Künstlersozialabgabe zu zahlen. Wenn auf diesem Fest aber nur Mitarbeiter und deren Familien anwesend sind und niemand externes, ist keine Abgabe zu zahlen.
  • Bislang musste die KSK-Abgabe nicht gezahlt werden, wenn es zu »gelegentlichen Auftragserteilungen« kam. »Gelegentlich« ist ziemliche Auslegungssache, so dass dieser Punkt jetzt präzisiert wurde: Ab 450,- € im Jahr ist unabhängig von der Häufigkeit die Abgabe zu entrichten.
  • Stehen in den Rechnungen der Kreativen Posten für Druck oder Programmierung, gehören diese nicht zu den Kosten, auf die die Abgabe zu entrichten ist. Zu zahlen ist für die kreative Arbeit und die Nebenkosten. Druck- oder Programmierungskosten sind laut Aussage des KSK-Vertreters keine Nebenkosten.
  • Irrelevant für die KSK ist, ob der Kreative mit dem vollen (19%) oder dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz (7%) rechnet.
  • Genauso ist es der KSK egal, ob der Kreative ein Gewerbe angemeldet hat oder nicht.

Gerade zu den letzten beiden Punkten haben ich immer wieder anderes gehört, so dass ich sehr froh war, dass bei der Veranstaltung ein Mitarbeiter der KSK dies klargestellt hat.

Erhellend, was den bürokratischen Wahnsinn angeht, war auch diese Anekdote: Tritt ein Schauspieler in einem TV-Werbespot auf: Abgabepflicht auf das Honorar. Derselbe Schauspieler in der zur selben Kampagne gehörenden Print-Anzeige: Keine Abgabepflicht.


Sollte ich bei der Veranstaltung etwas falsch verstanden haben oder Sie etwas ergänzen wollen, können Sie mir gerne eine E-Mail schreiben.

 

PUBKON 2015

CDXVMbTWAAE2gxDVom 23. bis 25. April fand in Köln die PUBKON 2015 statt – die InDesign- und Publishing-Konferenz im deutschsprachigen Raum. Zusammen mit meinen fantastischen Kollegen Stephan Mitteldorf und Anselm Hannemann habe ich die Veranstaltung mit insgesamt über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, drei Workshops und mehr als zwei Dutzend Rednern und Vorträgen organisiert.

Mein Arbeitsschwerpunkt im Team war vor allem die externe Kommunikation: Die Texte für die Website, Konzeption und Text für alle Newsletter stammen genauso von mir wie die allermeisten Postings bei Facebook und Twitter. Und auch während der Konferenz hörte diese Arbeit nicht auf: Kontinuierlich habe ich die Social-Media-Kanäle der PUBKON 2015 mit Text und Bild versorgt. Und auch jetzt, nach dem Event, geht diese Arbeit natürlich noch weiter.

Planen, organisieren, vernetzen, mitdenken. Kann ich.
Social-Media-Kommunikation auch.
Und Kommunikationsdesign sowieso.

Das Foto hat Klaas Posselt gemacht.

Theorie und Praxis »Designschutz«

Am 12. Februar 2015 fand in der Handelskammer Hamburg eine Veranstaltung zum Thema »Designschutz« statt, die den Teilnehmenden sehr informativ einen Überblick verschaffte, welche Möglichkeiten es gibt, ein Design zu schützen. Im Mittelpunkt stand dabei das Produkt- oder auch Industriedesign.

HandelskammerBei der kurzen Einführung durch Dr. Wulf-Erich Damrau von der Handelskammer wurde u.a. auf die Recherche-Möglichkeiten hingewiesen, die das »Innovations- und Patent-Centrum« (IPC) der Handelskammer bietet.

Rechtsanwalt Dr. Ralf Möller von ESCHE SCHÜMANN COMMICHAU erläuterte zunächst die vier Säulen des Designschutzes, als da wären: Urheberrecht, Designrecht (bis 2013 noch als Geschmacksmusterrecht bekannt), Wettbewerbsrecht und Markenrecht. Dabei wurde natürlich auch das BGH-Urteil von Ende 2013 erwähnt, durch das ganz neu auch »angewandte Kunst« (im Gegensatz zur »freien Kunst«) nur relativ niedrige Hürden zu überwinden hat, um Urheberrechtsschutz zu genießen. Die deutschen Designerverbände haben das BGH-Urteil begrüßt, ohne zugleich auf die Probleme hinzuweisen, die damit einhergehen: Wenn ein Design schneller urheberrechtlichen Schutz genießt, heißt das auch, dass das Urheberrecht anderer, ähnlicher Designs viel schneller verletzt wird (Mehr dazu u.a. hier).

Wichtigster Teil in diesem Vortrag war für mich der Teil »Schutzstrategien«. Ralf Möller gab Empfehlungen, wie man vorgehen sollte, um ein Design zu schützen (Stichworte Anmeldung as EU-Design, Eintragung als Gemeinschaftsmarke), aber auch, wie man gegen Nachahmer vorgehen kann (Recherche, Nichtigkeitsantrag, Grenzbeschlagnahmeantrag, ebay-VERI-Programm). Erwähnenswert ist dabei, dass die Behörden eingereichte Designs nicht prüfen (können), eine Anmeldung also nicht bedeutet, dass man mit seinem Design auf der sicheren Seite ist (etwas anders sieht es bei der Anmeldung einer Marke aus, aber das zu erläutern, würde hier zu weit führen).

Nach diesem zwar mit jede Menge Beispielen garnierten, aber dennoch theoretischen Vortrag kam dann der Abgleich mit der Realität. Eric Pfromm von den BFGF DESIGN STUDIOS berichtete aus seiner Praxis. Für die Vereinbarungen mit den Auftraggebern (u.a. Vertraulichkeitsvereinbarung, Kostenvoranschlag, AGB, Verträge, Nutzungsvergütung) gibt es natürlich Vorlagen, die aber für jeden Auftrag angepasst werden müssen. Viel (Vor-)Arbeit, die aber sehr sinnvoll ist, auch wenn es keinen Spaß macht. Es lohnt sich also, als (Produkt-)Designer von Anfang an einen Rechtsanwalt im Team zu haben.

Was mich sehr gefreut hat, war die Offenheit, mit der Eric Pfromm aus seinem Berufsalltag erzählte. Im Abgleich mit den Aussagen von Ralf Möller zeigte sich, dass Theorie und Praxis dann doch oftmals zwei paar Schuhe sind.

Grafikdesign war bei dieser Veranstaltung neben Produktdesign nur ein Randthema. Am 24. Februar geht es bei einer weiteren Veranstaltung der Handelskammer um »Markenschutz«. Dort soll auch das IPC näher vorgestellt werden.

Anmerkung: Die Anregung für diese Veranstaltung ging ursprünglich von mir aus und wurde dann von Dr. Ernest Mitschke vom IPC weiter entwickelt.

Anmerkung 2: Ich bin kein Rechtsanwalt. Darum sind alle hier gemachten Aussagen natürlich nicht rechtsverbindlich. Und falls ich etwas falsch beschrieben habe, freue ich mich über Korrekturen.

Som morgondagens formgivare…

„Som morgondagens formgivare måste du inte kunna alt men du måste arbeta nära programmeraren och it-avdelningen. Det går inte att sitta på olika våningsplan eller, till och med, på olika geografiska platser. Som formgivare måste vi integrera oss mer med helt andra funktioner än vad vi är vana vid att ha med i våra arbetsgrupper. Jag är helt övertygad om att vi måste arbeta mer som projektledare och driva designen framåt.“

Carina Nilsson, chefredaktör hos CAP & Design

Zukünftig musst Du als Gestalter nicht alles kennen, aber Du musst nah bei den Programmierern und der IT-Abteilung arbeiten. Es geht nicht, in unterschiedlichen Stockwerken oder, noch schlimmer, an unterschiedlichen Orten zu sitzen. Als Gestalter müssen wir uns stärker integrieren, mit ganz anderen Funktionen als jenen, die wir bislang bei der Zusammenarbeit gewohnt sind. Ich bin voll und ganz überzeugt davon, dass wir mehr als Projektmanager arbeiten und so das Design nach vorne bringen müssen.

Carina Nilsson, Chefredakteurin bei CAP & Design,
der größten Designzeitschrift Nordeuropas

Übersetzung von mir.

»die« InDesign- und Publishing-Konferenz

PUBKON_OhneJahrEnde April findet in Köln die PUBKON 2015 statt, die größte InDesign- und Publishing-Konferenz in Deutschland. An zwei Tagen (24./25. April 2015) kommen Firmenvertreter, Referenten und Anwender aus der Publishing-Welt zusammen zum Weiterbilden und Netzwerken. Einen Tag vorher (23. April 2015) finden noch zwei Intensiv-Workshops statt.

Die PUBKON gibt es schon seit 2012; für 2015 bin ich zum ersten Mal im Orga-Team mit dabei. In Zusammenarbeit mit meinen Kollegen aus Dresden und München eine Veranstaltung in Köln auf die Beine zu stellen, ist schon eine gewisse Herausforderung, klappt aber bislang sehr gut.

Meine Hauptaufgabe im PUBKON-Team ist das Schreiben sämtlicher Texte: Website, Newsletter, Social Media, Sponsorenakquise-Unterlagen und vieles mehr – (fast) alles stammt aus meiner »Feder«. Für mich als MItdenker und Grafikdesigner ist das Texten zwar nicht meine Kernkompetenz, gelingt mir aber doch – nach Aussage der Kollegen – ganz gut. Und vor allem macht es mir viel Freude.

Wenn Sie Fragen zu PUBKON haben – ob als möglicher Teilnehmer oder Sponsor –, kontaktieren Sie mich gerne. 

Buchvorstellung »Geschäftskultur Schweden kompakt«

In Schweden läuft einiges anders, das ist mir erst gerade wieder bei meiner letzten Reise dorthin aufgefallen: Wohnungen werden niemals mit Straßenschuhen betreten, alle duzen sich und Geschäfte, vor allem Supermärkte, haben selbstverständlich sonntags geöffnet.

Unterschiede gibt es aber auch im geschäftlichen Umgang miteinander. Uta Schulz beschäftigt sich als Trainerin für »Interkulturelles Management« schon seit vielen Jahren mit den Problemen, die daraus resultieren und berät Firmen, diese Stolpersteine für eine erfolgreiche Zusmmenarbeit zwischen deutschen und schwedischen (aber auch anderen skandinavischen) Firmen oder innerhalb eines multinationalen Konzerns auszuräumen.

Ihr diesbezügliches Wissen hat Uta Schulz nun in einem Buch zusammengefasst: »Geschäftskultur Schweden kompakt« erläutert in zehn Kapiteln Denk- und Handlungsmuster, die der schwedischen Wirtschaft und Gesellschaft zugrunde liegen.

Es geht los mit grundsätzlichen Einblicken in die schwedische Geschäftswelt; darauf folgen Kapitel zu Kontaktaufnahme, Kommunikation, Meetings, Verhandlungen, Zusammenarbeit, Führung und After Work, ergänzt um Wissenswertes und Literaturangaben. Jedes Kapitel ist gut strukturiert und endet mit einer Zusammenfassung.

Man erfährt zum Beispiel, dass die Jahreszeit wichtig für eine Geschäftsanbahnung ist, dass im schwedischen Wirtschaftsleben der Mensch und nicht Zahlen, Daten, Fakten im Mittelpunkt stehen, Kompromisse sehr positiv und nicht als kleinster gemeinsamer Nenner angesehen werden und omtanke die Basis von allem ist: »Omtanke ist eine (…) schwedische Wertvorstellung, die sich durch die gesamte Gesellschaft zieht und das menschliche Miteinander, auch am Arbeitsplatz, prägt.« (Seite 18)

Wer einmal in Schweden war und genau hinsieht, wird feststellen, dass Design dort einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland besitzt. Gutes Design von beispielsweise Produkten, Logos, aber auch von Abläufen (Stichwort UX) ist viel selbstverständlicher als bei uns. Und so erkennt Uta Schulz auch richtig: »Design ist in Schweden ein Verkaufsargument.« (Seite 24)

Kleiner Exkurs: Auch der schwedische Staat hat die Wichtigkeit von Design schon lange erkannt, und so gab es beispielsweise vor einigen Jahren sogar ein »Designjahr«, in dem eine Vielzahl von spannenden Veranstaltungen und interessanten Ausstellungen, die die Bedeutung von Design für alle Lebensbereiche hervorhoben. Leider ist so etwas in Deutschland unvorstellbar.

Das Buch steckt voller weiterer wichtiger Ratschläge für einen geschäftlichen Erfolg in Schweden: An Pausen (»fika«) denken. Bescheidenheit zeigen. Im Konsens diskutieren. Work-Life-Balance beachten. Eishockey statt Fußball. Noch anschaulicher wird das Buch durch die vielen Beispiele, die Uta Schulz aus ihrem Arbeitsalltag (natürlich anonymisiert) erzählt.

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Auch wenn es auf Deutsch geschrieben ist, hatte ich immer das Gefühl, etwas Schwedisches zu lesen: Die Lockerheit der Sprache und die Satzlängen erinnern stark ans Schwedische.

Im Web gibt es ergänzend zu dem Buch auch weitergehende Informationen, Aktualisierungen und Videos, zu denen man über Verweise im Text gelangt man. Eine gute Sache, leider funktionieren die Links direkt aus dem PDF, das ich zur Verfügung gestellt bekommen habe*, nicht. Aber das wird sicher im späteren E-Book anders sein.

Etwas unvermittelt hört das Buch nach dem Kapitel »Wissenswertes« auf. Ich hätte da noch ein Fazit, eine Zusammenfassung, ein Schlusswort oder ähnliches erwartet. Im Anschluss folgt noch ein sehr detailliertes Stichwortverzeichnis, das den ohnehin hohen Nutzwert des Buches nochmal erhöht.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, und das nicht nur für diejenigen, die Geschäftskontakte nach Schweden haben oder suchen. Denn die »schwedische Art« zu arbeiten, die in dem Buch beschrieben wird, bietet auch wertvolle Ansätze, die das Wirtschaftsleben hierzulande nach vorne bringen würden. (Vielleicht eine Idee für ein weiteres Buch? „Die schwedische Art – Was die deutsche Wirtschaft von Schweden lernen kann“ :-)

 

Uta Schulz
Geschäftskultur Schweden kompakt
Conbook-Verlag
ISBN 978-3-943176-65-0
11,95 €
Veröffentlichungstermin: September 2014

Anmerkung: Ich erhielt die PDF-Version des Buches für diese Rezension vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin kostenlos zur Verfügung gestellt.

Neues zur KSK

Letztes Jahr habe ich in einem ausführlichen Blog-Beitrag die Funktion der Künstlersozialkasse und den Künstlersozialbeitrag erläutert. Seitdem gab es eine Bundestagswahl mit einigem Getöse im Wahlkampf und nun – für mich überraschend schnell – einen Gesetzentwurf des zuständigen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, mit dem die Künstlersozialkasse „zukunftsfest“ werden soll.

Das Gesetz sieht vor, dass zukünftig intensiver geprüft wird, so dass sich weniger Abgabepflichtige ihrer gesetzlichen Pflicht entziehen können. Die Überprüfung soll mindestens alle vier Jahre durch die Rentenversicherung erfolgen, die auch bisher für die Kontrolle zuständig war, dies aber wegen des zusätzlichen Aufwands nur ungenügend machte. Die Folge davon waren sinkende Einnahmen, die Notwendigkeit eines höheren Zuschusses durch den Staat und große Unzufriedenheit bei den ehrlichen Zahlern, da deren Beitrag auf zuletzt 5,2 % des Nettorechnungsbetrags stieg.

Gleichzeitig bekäme bei Verabschiedung des Gesetzes auch die Künstlersozialkasse selbst das Recht, Überprüfungen durchzuführen. Ob dieses Nebeneinander in der Praxis funktioniert, darf bezweifelt werden und erfordert als erstes zusätzlichen bürokratischen Aufwand, damit zwischen Rentenversicherung und Künstlersozialkasse klar ist, wer denn nun wen wann prüfen darf/muss.

Die Regierung sieht das auch so und und erwartet Mehrkosten von 13,6 Mio €. Allerdings spricht sie von einem „Effizienzgewinn“ durch die Neuregelung und prognostiziert Mehreinnahmen von 32 Mio €.

Knapp 18 Mio € (32 minus 14) sollen dementsprechend also durch das neue Gesetz zusätzlich an die Künstlersozialkasse fließen (Das Magazin Monopol schreibt von 20 Mio € – ich rechne lieber mit den Zahlen der Bundesregierung). Das würde – wenn ich mich nicht verrechnet habe* – bei dem aktuellen Haushalt der KSK dazu führen, dass der Abgabesatz auf 4,8 % gesenkt werden kann. Der Haushalt der KSK für 2013 hat ein Volumen von 893 Mio €. Da bedeuten 20 Mio € Mehreinnahmen gerade mal 2,2 %! Meine Einschätzung: „Zukunftsfest“, wie die Regierung ihren Gesetzesentwurf nennt, ist das meiner Ansicht nach nicht. Zur Erinnerung: Noch 2013 lag der Abgabesatz bei 4,1 %.

Stellungnahmen der Kultur- und Kreativverbände zu dem Gesetzentwurf habe ich bislang mit einer Ausnahme nicht gefunden, lediglich eine knappe Pressemitteilung des „Deutschen Kulturrats“, die den Gesetzentwurf begrüßt. Was ich immer noch vermisse, ist eine eigene Berechnung der Experten, wie sich durch die Mehreinnahmen der Abgabesatz verändern würde. 

Den Text des Gesetzentwurfes können Sie hier als PDF nachlesen: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Gesetze/KSAStabG-2014.pdf

Mich beeindruckt/irritiert/schockiert dabei vor allem auf Seite 2 der Punkt C. Ganz in der Merkel’schen Diktion von der „alternativlosen Politik“ gibt es laut Bundesministerium zu diesem Gesetz (natürlich) keine Alternativen:

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* Wer besser rechnen kann, darf mich gerne korrigieren. Die Allianz deutscher Designer prognostiziert auf Anfrage den Satz auf 4,5 % – natürlich aufgrund der vorliegenden Zahlen, von denen die Realität vermutlich abweichen wird.

Dieser Text wurde leicht aktualisiert am 23. Juni 2014.

Spam

In letzter Zeit häufen sich Probleme, bei denen E-Mails, die an meine Büro-E-Mail-Adresse geschickt werden, als unzustellbar zurück kommen. Wie ich nach einiger Recherche heraus gefunden habe, ist der Sachverhalt wohl folgendermaßen*:

Erst mal etwas Theorie: Im Internet wird jedem Computer eine sogenannte IP-Nummer zugewiesen, beispielsweise 126.182.89.12. Da es aber viel mehr Internet-Teilnehmer gibt als durch die Kombination von vier Zahlen reproduzierbare IP-Nummern, werden von den Internet-Providern (wie Telekom, O2, KabelDeutschland usw.) mehrere Kundenzugänge zusammen gefasst und mehrere Kunden des Providers schreiben E-Mails und surfen im WWW mit der selben IP (und nur intern beim Provider werden die dann auseinander gebröselt).

Nun kann es passieren, dass ein anderer Kunde Ihres Providers absichtlich oder auch unwissentlich (wenn sein Account gehackt wurde) Spam-Mails verschickt, und das dann über die gleiche IP, die auch Ihnen zugewiesen wurde. Wird das von einem der vielen Spam-Blocker-Dienste erkannt, wird die ganze IP gesperrt, und damit leider auch Ihre E-Mail für unzustellbar erklärt.

Offenbar ist »Spamcop« – die Firma, mit der mein Provider für klute.se zusammen arbeitet – besonders gründlich und entdeckt viele solcher Fälle.

Was ist zu tun?

1. Melden Sie Ihrem Provider, dass Ihre E-Mail geblockt wurde und senden Sie die entsprechende Meldung von Spamcop (oder anderen Spam-Blockierern, von denen Sie eine Nachricht erhalten) an die entsprechende Hotline Ihres Providers. Jeder Provider hat leider unterschiedlich lange Reaktionszeiten, bis das Problem gelöst ist.**

2. Rufen Sie mich an und ich nenne Ihnen dann eine Ersatz-E-Mail-Adresse, an die Sie Ihre E-Mail schicken können, bis das Problem behoben ist.

* Falls meine Erläuterungen technisch unsauber sind, bitte ich um Nachsicht. Meine Kernkompetenzen liegen dann doch woanders.

** Wie ich von O2 erfuhr, kann dort auch helfen, den eigenen Internet-Router für 10 Minuten vom Netz zu nehmen. Danach weist O2 Ihnen automatisch eine neue IP zu, die dann (hoffentlich) kein »Bösewicht« mitbenutzt. Ob dieser Trick auch bei anderen Internet-Providern funktioniert, kann ich nicht sagen.

Handlungsbedarf

Der Zugriff auf Websites von Tablets und Smartphones nimmt rasant zu. Allerdings sind die wenigsten Webangebote dafür auch bereits optimiert; viele Seiten werden zu klein, fehlerhaft oder auch gar nicht dargestellt . Es besteht oftmals Handlungsbedarf. Als Lösungen bieten sich an:

– Eine eigene App, die auf dem Smartphone oder Tablet installiert wird

– Erweiterung der Website um eine „mobile“ Variante (erkennt man oftmals an der veränderten URL m.domainname.com oder mobil.domainname.com)

– Responsive Website, die erkennt, auf welchem Endgerät die Inhalte betrachtet werden und die Anzeige der Inhalte entsprechend anpasst

Alle drei Lösungen bieten Vor– und Nachteile, die die Berliner Agentur Creative Construction in einer Grafik sehr gut zusammen gefasst hat:

Responsive Website vs. Mobile Site vs. Native App