Wann ist Design eigentlich gut?

Norbert Möller ist »Executive Creative Director« bei der Peter Schmidt Group und nebenbei Kolumnist für das Branchenblatt w&v. In seiner Kolumne vom 11. April 2017 fragt er »Wann ist Design eigentlich gut?«:

Wir Designer müssen akzeptieren, dass Ästhetik alleine kein sicherer Bewertungsmaßstab für „gutes Design“ ist.

Eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich nicht erwähnt werden muss. Natürlich geht es bei (Kommunikations-)Design nicht nur um Geschmack und Ästhetik. Das Design hat eine Aufgabe zu erfüllen und muss ein vorher definiertes Ziel erreichen. Wenn ich von meinen Auftraggebern »Das gefällt mir nicht« höre, dann antworte ich, dass das weitestgehend egal ist:

Erstens muss das Design nicht den Auftraggeber, sondern die Zielgruppe ansprechen (Wurm, Angler und Fisch – Sie wissen schon…) und zweitens kann etwas auch ästhetisch komplett missfallen (auch der Zielgruppe), wenn es denn seinen Zweck erfüllt (Denken Sie beispielsweise an die Seitenbacher-Radiowerbung).

Interessant finde ich Möllers Kolumne auch noch aufgrund eines anderes Aspekts:

Wir [Designer] brauchen zusätzliche objektive Kriterien, um Kunden überzeugen zu können und ihnen die Entscheidung für einen neuen, im ersten Schritt ungewohnten, Entwurf zu erleichtern. (…) Noch besser, wenn man (…) belegt, dass das neue Design Geld spart – oder auch: dass wir Designer dem Unternehmen damit so viel Geld einsparen, dass es uns davon bezahlen kann.

Auch ich vermittle meinen Kunden (besser: Auftraggebern), dass meine Arbeit ihnen einen Mehrwert bietet und damit eine lohnende Investition darstellt. Aber belegen? Das stelle ich mir schwierig vor. Vermutlich sind die Auftraggeber und die Aufträge der Peter Schmidt Group und von Klute Kommunikation nicht vergleichbar. Um belegen zu können, dass meine Arbeit Geld einspart, fehlen mir zumindest die betriebswirtschaftlichen Einblicke in die Kostenstrukturen meiner Auftraggeber.

Einsparungsmöglichkeiten aufzeigen geht sicherlich, diese zu belegen meiner Meinung nach nicht.*

Wir müssen für uns akzeptieren, dass unsere Arbeit nicht bei der Gestaltung aufhört, sondern dass wir uns fundiert damit auseinandersetzen müssen, wie Marken organisiert sind und wie sie Design anwenden.

Das möchte ich gerne ergänzen: Und die Auftraggeber müssen akzeptieren, dass sie Designer nicht erst am Ende eines Prozesses zum »hübsch machen« hinzu ziehen dürfen, sondern dass Designer frühzeitig eingebunden werden müssen, um den maximalen Mehrwert – was auch Einsparungen sein können – zu erzielen.

Dementsprechend antworte ich auf die Aussage »Ich brauche einen Flyer« meist: »Nein. Sie brauchen keinen Flyer. Sie haben ein Ziel, dass Sie erreichen wollen. Lassen Sie uns gemeinsam sehen, ob ein Flyer oder vielleicht etwas ganz anderes der beste Weg ist, dieses Ziel zu erreichen.«

Beleg


*  Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen!

Kreativwirtschaft – ein Lagebericht für Hamburg

Ende 2016 wurde gemeinsam von der Kulturbehörde der Stadt und der Hamburger Kreativgesellschaft der 2.­ »Kreativ­wirtschafts­bericht Hamburg« vorgestellt. In ihm wird die aktuelle wirtschaftliche Situation der Kreativen in der Hansestadt erläutert. Neben der Auswertung von wirtschaftlichen Zahlen, dem letzten Mikrozensus und einer Umfrage, an der 779 Personen teilnahmen, wurden für jeden der elf (durch die Politik festgelegten) Teilbereiche der Kreativwirtschaft jeweils auch Protagonisten zu ihrem Teilbereich befragt; für die Designwirtschaft wurde auch ich um meine Einschätzungen gebeten, die sich nun in dem Bericht (Seite 77f.) wieder finden. Ich habe den Kreativwirtschaftsbericht (ehrlich gesagt nicht alle 130 Seiten) gelesen, und mir sind ein paar interessante Punkte aufgefallen.

Zunächst ein paar Zahlen, die sich vor allem auf das Jahr 2013 beziehen (Anmerkung: Ich bin kein Statistiker; dementsprechend freue ich mich über eine Nachricht, falls ich an der einen oder anderen Stelle falsch zitiert oder gerechnet habe):

Die Selbstständigen und Unternehmen in der Kreativwirtschaft machen 18,8 % aller Hamburger Unternehmen und Selbstständigen aus. 87.467 Erwerbstätige in der Kreativwirtschaft entsprechen 6,4 % der Hamburger Erwerbstätigen (auf Seite 13 ist von 7,4 % die Rede). Von diesen sind cirka zwei Drittel Beschäftigte, ein Drittel Selbstständige. *

Die Umsätze in der Kreativwirtschaft lagen 2013 bei über 10 Milliarden Euro, was pro Erwerbstätigen ca. 123.000 Euro bedeuten und lediglich 2,6 % der Hamburger Gesamtwirtschaft entsprechen. Von den Selbstständigen liegt bei über der Hälfte (53,1 %) der Jahresumsatz niedriger als 17.500 Euro.

Also: Es sind viele Unternehmen, mit wenig Angestellten, mit noch weniger Umsatz.

In »meinem« Teilbereich, der Designwirtschaft, gibt es ca. 12.000 Erwerbstätige; auch hier sind ein Drittel davon selbstständig. Der Umsatz der Designwirtschaft liegt bei 1,4 Milliarden Euro (117.000 € pro Erwerbstätigem) und stellt damit 11,4 % der Kreativwirtschaft dar.

Der durchschnittliche Umsatz pro Person in der Kreativwirtschaft allgemein, aber auch in der Designwirtschaft darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Lage vieler Selbstständiger prekär ist. Neueste Zahlen der Künstlersozialkasse zeigen, dass der durchschnittliche der über 180.000 dort Kranken- und Rentenversicherten über ein Jahreseinkommen von weniger als 16.000 € verfügt. Andere Umfragen, beispielsweise des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner (BDG), kommen zu ähnlichen Zahlen.

Die Hamburger Kreativgesellschaft hat das erkannt. Ihr Geschäftsführer Egbert Rühl weist in seinem Vorwort darauf hin, dass eine Ursache dafür die kleinteilige Struktur und Organisation der Kreativwirtschaft ist: »Das hat zur Folge, dass die strukturellen Mechanismen der wirtschaftspolitischen Aushandlungsprozesse mit Spitzenverbänden und Branchenvertretungen nicht bedient werden können, weil die Kreativwirtschaft solche Strukturen nicht ausbilden kann, weil die Kleinteiligkeit verhindert, dass dafür Kapazitäten zur Verfügung stehen.« Und weiter: »Die große Heterogenität der Kreativwirtschaft (…) stellt ebenfalls ein Hindernis auf dem Weg zu Positionierung und Interessenvertretung dar.« Rühl fordert: »Kreativität ist eben nicht das Öl der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft, sondern eine menschliche Fähigkeit, die sich entfaltet, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören mindestens Zusammenarbeit auf Augenhöhe und dass die Akteure immer an dem Profit aus ihren kreativen, innovativen, transformativen Leistungen angemessen beteiligt werden.« (Alle Zitate Seite 9; Hervorhebung von mir)

Meine Hoffnung ist, dass sich daraus auch Handlungsschritte ergeben, also seitens der Kreativgesellschaft und vielleicht auch seitens der Kultur- und der Wirtschaftsbehörde Maßnahmen initiiert und unterstützt werden, die Organisation der Kreativen und die Schaffung von Interessenvertretungen fördert. (Mit Hamburg Hoch 11 gab es diesbezüglich mal einen Ansatz, der aber – so mein Eindruck – irgendwie stecken geblieben und heute bedeutungslos ist.)

 


* Bei diesen Zahlen nicht erfasst wurden dabei die Selbstständigen, die weniger als 17.500 Euro pro Jahr verdienten. Eine Schätzung aufgrund der Daten aus dem Mikrozensus ergibt, dass ca. 14.400 weitere Personen der Kreativwirtschaft zugerechnet werden können.

Haltung zeigen

Ende 2015 schrieb ich hier im Blog dies*:

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Das gilt unverändert.

Um an diesen Zielen zu arbeiten, habe ich entschieden, mich nach einem Jahr Verbands-Abstinenz dem Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG) anzuschließen. Wichtigstes Kriterium ist für mich dabei, dass der BDG es so wie ich sieht: Als Kommunikationsdesigner bin ich Unternehmer (und kein Künstler), der seinen Auftraggebern einen Mehrwert verschafft (und nicht nur Sachen »anhübscht«)

Ich bin optimistisch, dass es dem BDG gelingt, die damit verbundene Haltung durch langfristige, nachhaltige (Lobby-)Arbeit auch bei den Entscheidern in Politik und Wirtschaft – den Auftraggebern also – zu verankern. Gerne trage ich meinen Teil dazu bei. Mal sehen, wo und wie ich mich diesbezüglich im Verband einbringen kann.

Und warum es grundsätzlich wichtig und richtig ist, Mitglied (s)eines Berufsverbands zu sein, erläutere ich dann mal an anderer Stelle.


* Den Text hatte ich Ende 2015 anlässlich meines Austritts aus der »Allianz deutscher Designer« (AGD) verfasst. Die AGD ist der andere deutsche Berufsverband für Designer, krankt aber einerseits am grundsätzlichen Konstrukt (jede/r darf Mitglied werden, auch Nicht-Designer unabhängig von Beruf und Professionalität) und andererseits am handelnden Personal.

 

Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Designer sind Unternehmer!

fibel07Zuletzt las ich das sehr umfangreiche und gute Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein. Die gleiche Intention, nämlich Designern die Grundlagen für die Selbstständigkeit mitzugeben, verfolgt Christian Büning mit der »BDG Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«.

Als selbstständiger Diplom-Designer kennt Christian Büning den Berufsalltag sehr genau. Und als stellvertretender Vorsitzender des BDG, des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner, und Vorstandsmitglied des gerade frisch aus der Taufe gehobenen Designer-Dachverbands »Deutscher Designtag« weiß er auch um die Probleme vieler anderer selbstständiger Designer. Der BDG fungiert auch als Mitherausgeber des Buches.

Gleich im Vorwort des Buches wird deutlich, worum es Büning geht: »Designer sind Unternehmer! (…) Es geht nicht darum, den Betriebswirten Konkurrenz zu machen, sondern die Sprache der Auftraggeber sprechen zu können. (…) Am Markt bestehen nur diejenigen Designer, die unternehmerische Rüstzeug mitbringen und anwenden können.« Und genau dieses Rüstzeug liefert Büning mit dem vorliegenden Buch.

Beginnend mit der grundsätzlichen Frage »Will ich das überhaupt?« behandelt das Buch alle Themen, die für Designunternehmer relevant sind. Von der Positionierung, den rechtlichen und steuerlichen Pflichten über Projektmanagement, Haltung oder Kalkulation kommt alles zur Sprache – auch die Sprache selbst, denn »die Sprache macht das Denken sichtbar« und zeigt, wie ernst man es mit seinem Beruf nimmt. (Auch ich mache noch hin und wieder, von Kunden zu sprechen statt von Auftraggebern…)

fibel02Auch eine ausführliche Anleitung zur Kalkulation des eigenen Stundensatzes, Beispiele für die Formulierung von Angeboten, Rechnungen und auch Mahnungen und viele weitere praktische Hinweise finden sich in dem Buch. Jedes Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Liste des zuvor »Gelernten« – eine sehr schöne Idee, die den Leser nochmal zum Nachdenken und gegebenenfalls Zurückblättern bringt.

Mir gefällt sehr gut, dass durch das ganze Buch hindurch der Grundtenor, dass jeder Designer an seine Arbeit mit Haltung herangehen sollte, immer mitschwingt. Insbesondere im Kapitel »Designpraxis« wird dies nochmal betont. »Bringen Sie allen Partnern die Wertschätzung entgegen die Sie sich selbst wünschen. Diese Haltung kostet nichts und bringt einen enormen Gewinn an Freude in den Projekten.«

Das Buch richtet sich zwar vor allem an Kommunikationsdesigner. Aber auch diese werden gerne mal zu Produktdesignern. Genau hierfür gibt es im Buch ein »Bonus-Kapitel«, das aufzeigt, wie Ideen erfolgreich auf den Markt gebracht werden können.

In einem Ausblick am Ende des Buches skizziert Büning seine Sicht auf »die Zukunft unseres Berufes«, die er zweigeteilt sieht: Umsetzer, die durch zunehmende Automatisierung und »Demokratisierung« der technischen Werkzeuge Probleme bekommen werden und Designer, die »bewerten und integrieren« und »die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können«.

Bünings Buch ist hervorragend geeignet für alle selbstständigen Designer und solche, die es mal werden wollen. Wo Harms/Bernschein fast schon zu sehr ins Detail geht und neutral/sachlich beschreibt, konzentriert sich dieses Buch auf das Notwendige und überzeugt mich vor allem mit der erwähnten Grundeinstellung (Haltung) zum Beruf des Designers, die sich durch das ganze Buch zieht. Design ist eben viel viel mehr als Design.

Ganz leicht irritiert war ich beim Lesen des Beispiel-Angebots (Seite 62). Mir erscheint es zu klassisch und berücksichtigt meiner Meinung nach zu wenig die Grundidee des Buches (…die Sache mit der Haltung…): Mir fehlt hier die Aussage, dass Design eine Investition ist, die dem Auftraggeber einen Mehrwert verschafft. Aber das Thema Angebot ist so komplex – vielleicht ist das ein eigenes Buch wert.

Bezüglich der AGB wird in dem Buch darauf verwiesen, dass der BDG diese seinen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellt. Meiner Meinung nach sollte der Berufsverband hier über seinen Schatten springen und diese allen Interessierten auf Nachfrage kostenlos schicken.

Ein sehr lesenswertes Buch, das Wissen und Haltung vermittelt.

Christian Büning: »BDG-Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«
ISBN 978-3-943513-04-2
22,95 €
Link zum Buch auf der Website des Werkstoff-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt. Ich bin kein Mitglied im BDG, fühle mich aber seinen Grundwerten verbunden.

 

Design im Fokus für Export und Tourismus

Kleine Rückschau: 2005 war in Schweden das Designjahr (designåret). Die Regierung hatte erkannt, wie wichtig Design für alle Lebensbereiche ist – unabhängig davon, ob es sich um Mode-, Produkt-, Grafikdesign oder irgendeine andere Designsparte handelte. Eine Vielzahl von Aktionen, Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen halfen, das Thema Design tiefer im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.Der Regierungswechsel ein Jahr darauf führte dazu, dass das Thema leider wieder weniger starke Beachtung erfuhr. Programme wurde zurück gefahren oder eingestellt, Förderungen vermindert.

Heute, 2016, scheint wieder Besserung in Sicht: Die Regierung hat Design als wichtigen Faktor für den Export und den Tourismus identifiziert und will dies entsprechend fördern:

Svensk design i fokus för export och turism
Inom ramen för regeringens exportstrategi har regeringen beslutat att under fyra års tid satsa 28 miljoner kronor på en kommunikationsplattform för svensk design. Arbetet kommer att ledas av Visit Sweden i samarbete med branschorganisationerna Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Även Svenska Institutet och Business Sweden kommer att medverka i arbetet.
Syftet med uppdraget är att bredda kännedomen om svensk design och svenska designupplevelser internationellt och på så sätt skapa förutsättningar för ökad export samt att antalet utländska besökare till Sverige ska öka. Utgångspunkten för uppdraget är att det finns en stor internationell efterfrågan av svensk design och att det samtidigt finns potential att öka Sveriges export av tjänster, upplevelser och produkter inom design i dess breda bemärkelse.

Quelle: http://www.regeringen.se/pressmeddelanden/2016/05/svensk-design-i-fokus-for-export-och-turism/

Ich übersetze mal frei (auch im Schwedischen ist Regierungssprech Regierungssprech…):
Im Rahmen der Exportstrategie hat die schwedische Regierung beschlossen, über 4 Jahre eine Kommunikationsplattform für schwedisches Design mit 28 Millionen Kronen (knapp über 3 Mio €) zu fördern. Die Arbeit wird von Visit Sweden geleitet, in Zusammenarbeit mit Svensk Form, Association of Swedish Fashion Brands, Sveriges Arkitekter och Trä- och Möbelföretagen. Auch Svenska Institutet (vergleichbar mit dem Goethe-Institut) und Business Sweden werden mitwirken.
Das Wissen über schwedisches Design und schwedische Designerlebnisse soll erhöht und so die Voraussetzungen für mehr Exporte und mehr ausländische Gäste in Schweden geschaffen werden. Ausgangspunkt ist, dass es eine große, internationale Nachfrage nach schwedischem Design und damit das Potential gibt, den Export von Diensten, Erlebnissen und Produkten aus dem Designbereich in seiner umfassendsten begrifflichen Bedeutung zu erhöhen.

Auf Deutschland ist so eine Idee nicht eins-zu-eins übertragbar: Deutsches Design hat bei weitem nicht so einen guten Ruf wie schwedisches bzw. skandinavisches Design und taugt darum eher nicht als Exportfaktor (was natürlich nicht heißt, dass es keine guten deutschen Designer gibt!). Deutlich wird aber, dass seitens der schwedischen Administration erkannt wurde, welchen Wert Design hat. Davon sind wir hier bei uns noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Ich werde weiter verfolgen, wie die schwedische Exportstrategie nun mit Inhalt gefüllt und die »Kommunikationsplattform« aussehen wird und hier im Blog und/oder bei Twitter darüber berichten.

© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se
© Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se

Impulse für einen erfolgreichen Flyer

impulse ist laut eigener Beschreibung ein »Unternehmermagazin«, das sich an »engagierte Macher« wendet, die den impulse-Slogan leben: »Mach es!« [Link]

impulse-Leser sollen auch ihre Flyer selber machen. Zumindest publizierte die Redaktion auf ihrer Website den Artikel »Wie Sie erfolgreiche Flyer erstellen« mit Tipps für die Leserschaft, damit Flyer »nicht in der Mülltonne landen«. [Link] Die in dem Artikel genannten sechs Punkte sind inhaltlich richtig – aber irgendwie auch nicht. Denn (noch) erfolgreicher wird der Unternehmer, wenn er/sie einen professionellen Kommunikationsdesigner engagiert. Meine Anmerkungen:

1. In ein Grafik-Programm investieren
Sie wollen gleich loslegen und ihren Flyer in Word erstellen? Lassen Sie es lieber, rät impulse-Grafiker Jens Reitemeyer. Jegliche Office-Programme sind nicht zum Designen geeignet. Investieren Sie für einen gut gestalteten und ansprechenden Flyer lieber in ein richtiges Design-Programm, wie Affinity Designer oder Affinity Photo. Diese können direkt online heruntergeladen werden und lassen Ihren Flyer professionell wirken.

Empfehlenswert ist es, sich an eine Druckerei zu wenden. So haben Sie keinen Stress mit Ihrem Privatdrucker, bei dem nach der Hälfte des Drucks das Rot nur noch halb so schön leuchtet. Beachten Sie aber auch, dass Druckereien bestimmte Voraussetzungen bezüglich Format, Farbe, Layout, Bildergröße und vielem mehr haben. Hier finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten technischen Druckdaten, die Voraussetzung sind, um einen Flyer in einer Online-Druckerei produzieren zu lassen. Sollten Sie dafür keine Zeit haben, bieten Plattformen wie flinq.de oder Vistaprint geeignete Vorlagen an.

Richtig ist: Lassen Sie die Finger von Word oder PowerPoint. Für die Design-Software (Quark XPress oder Adobe InDesign wären noch Alternativen, Affinity Photo ist eher eine Bildbearbeitung) müssen Sie nicht nur Geld investieren, sondern vor allem eine Menge Zeit, bis Sie die Software so beherrschen, dass Sie professionelle Ergebnisse erzielen. Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht alle relevanten Softwareprogramme aus dem Effeff. Er (oder sie) kennt alle Voraussetzungen für professionellen Druck – egal ob online oder bei der Druckerei nebenan. Die genannten Online-Plattformen bieten sicherlich technisch »geeignete Vorlagen«, sind aber natürlich nicht individuell. Investieren Sie lieber in ein Design, dass zu Ihrem Unternehmen passt – also beispielsweise Farben und Schriftart Ihres Logos aufgreift und so unverwechselbar und eindeutig Ihrem Unternehmen zuzuordnen ist.

Meiner Meinung nach fehlt vor diesem Punkt 1 noch eine grundsätzliche Anmerkung:

0. Ist ein Flyer wirklich zielführend?

Auch ich erlebe oftmals, dass Auftraggeber mit einer konkreten Vorstellung wie »Ich möchte einen Flyer« zu mir kommen. Ich antworte dann gern: »Nein, Sie möchten keinen Flyer. Sie möchten ein bestimmtes Ziel erreichen, z.B. Umsatz steigern oder Bekanntheit erhöhen. Ob in Ihrem individuellen Fall ein Flyer der richtige Kommunikationskanal ist, erarbeite ich gerne gemeinsam mit Ihnen.«

2. Verständlichen Text schreiben
Gestalten Sie die Vorderseite des Flyers so, dass man – ohne viel lesen zu müssen – erkennt, worum es geht. Auf der Rückseite können Sie Ihre Informationen auflisten. „Aber überfüllen Sie den Flyer nicht mit zu viel Text“, rät Grafiker Reitemeyer. Der Text sollte übersichtlich gelayoutet sein und den Flyer nicht überfüllen.

Schreiben Sie kurz und verständlich – vor allem, was der Leser von Ihnen erwarten kann, was Ihr Angebot ist. Klären Sie alle wichtigen Fragen (Wer? Was? Wie? Wo? Wann?). Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktdaten auf der Rückseite zu vermerken. Fordern Sie Kunden auf zu reagieren, etwa an einem Gewinnspiel teilzunehmen oder sich zu Ihrer Veranstaltung anzumelden.

Gute Texte zu schreiben, ist verdammt schwer. Dafür braucht es mehr als Word. Wenn Sie es dennoch selber  machen wollen: Unbedingt sollte jemand, der die Rechtschreibung beherrscht, den Text kontrollieren! Bei selbst geschriebenen Texten übersieht man leider oftmals Fehler – das passiert mir auch. Idealerweise liest jemand den Text, der fachfremd ist (oder zur Zielgruppe gehört) und so wertvolle Hinweise geben kann, was vielleicht noch unklar formuliert ist.

Eine Anekdote dazu: Vor einigen Jahren stellte ich mich in einem Workshop ganz selbstverständlich als Grafikdesigner vor. Kein anderer Teilnehmer kam jedoch aus der Kommunikationsbranche, und darum konnte auch niemand so richtig was mit der Berufsbezeichnung anfangen. Das hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, bei der Kommunikation immer auch aus dem Blickwinkel der Zielgruppe zu denken.

3. Eyecatcher verwenden
Überlegen Sie sich zunächst, wo der Flyer verteilt werden soll. Soll er per Hand ausgegeben oder an einem Stand ausgelegt werden? Wenn Sie sich für Letzteres entscheiden, ist es wichtig, knallige, auffallende Farben zu benutzen, damit man die Flyer auch im Vorbeigehen sieht. Auch ein gutes Bild oder Logo als Eyecatcher können dabei helfen, um auf den Flyer aufmerksam zu machen.

Jens Reitemeyer rät, nicht mehrere Schriftarten miteinander zu mischen. Das könne nicht nur das Gesamtbild unstimmig machen, sondern schade auch der Übersichtlichkeit.

Da werden viele wichtige Aspekte leider nur ganz kurz angerissen.

Auch bei Auslage an einem Stand sind nicht immer knallige Farben sinnvoll. Im Bio- und Umwelt-Bereich schießt man damit mitunter ein Eigentor. Und wenn Sie einen (Messe-)Stand haben, sollten andere Elemente als Eyecatcher fungieren. Ein Flyer ist da eher nachrangig zu betrachten.

Nicht nur Bild oder Logo, auch ein guter Slogan kann natürlich als Eyecatcher funktionieren. Und noch besser funktioniert meist eine gute Kombination aus Bild und Text.

Beim Kommunikationsdesigner finden Sie eine viel größere Auswahl an Schriften und außerdem verfügt er/sie auch über das notwendige Know-how, welche Schriften miteinander harmonieren und zu Ihrem Unternehmen passen.

4. Zielgruppe kennen
Überlegen Sie sich, wer Ihre Zielgruppe ist. Nicht nur das Alter spielt dabei eine Rolle. Richten Sie sich an Menschen mit Fachkenntnissen oder ist der Flyer für die breite Masse bestimmt? Passen Sie die Optik des Flyers und vor allem die Sprache entsprechend an.

Das gehört eigentlich an den Anfang der Liste bzw. der Planung. Und wie erwähnt kann es auch bedeuten, dass ein Flyer vielleicht gar nicht die beste Idee ist.

5. Passendes Papier wählen
Die Wertigkeit des Papiers muss zur Wertigkeit des Produkts passen, für das der Flyer wirbt. „Das Tasterlebnis verstärkt die Erinnerung des Gelesenen“, sagt Marketingberater Sebastian Kimmel. Dazu kann man beispielsweise glattes Material verwenden oder auch Leinenstrukturen, um sich von Standardflyern abzuheben. Wenn Sie zum Beispiel auf Ihrem Flyer für ein Event werben, das erst in ein paar Monaten stattfindet, sollte das Material robuster sein, um nicht irgendwann zerknüllt in der hintersten Ecke der Tasche zu enden.

Druckereien (und auch viele Kommunikationsdesigner) haben viele Papiermuster vorrätig und können Sie gezielt beraten. So gibt es beispielsweise unzählige verschiedene Weiß-Töne. Soll es eine Online-Druckerei sein, lassen Sie sich von dort Papiermuster zuschicken. Da die Online-Druckereien ihre Preisvorteile vor allem durch Standardisierung erreichen, ist die Papierauswahl hier allerdings meist sehr viel geringer als bei Ihrer Druckerei vor Ort.

6. Rechtslage beachten
Seien Sie sich über die Rechtslage von verwendeten Fotos bewusst. Einfach Fotos aus dem Internet zu verwenden, ist natürlich verboten und kann schnell zu einer Klage des Urhebers führen. Sogenannte Stockphoto-Agenturen wie Fotolia und Photocase bieten eine riesige Auswahl an Bildern zu erschwinglichen Preisen an.

Das Thema »Bilder« ist fast einen eigenen Blog-Beitrag wert. Ein paar Hinweise dazu:

  • Bilder, die auf dem Bildschirm gut aussehen, sehen im Druck nicht unbedingt auch gut aus. Statt 72 dpi Bildauflösung sind im Druck mindestens 200 dpi, idealerweise 300 dpi notwendig.
  • Bilder, die man bei Google findet, dürfen nicht einfach so benutzt werden. Es gilt das Urheberrecht, nachdem man um Erlaubnis fragen muss und dann das Recht zur Nutzung vom Urheber erteilt bekommt. Verstöße dagegen können teuer werden. (Hier ein Beispiel)
  • Bitte fotografieren Sie nicht selbst. Es sei denn, Sie sind professioneller Fotograf. Egal, wie hochwertig Ihre Kamera ist: Entscheidend ist der Mensch hinter der Kamera.
  • Stockphoto-Bilder sind technisch meist gut, aber das Motiv ist oftmals austauschbar und es besteht natürlich immer die Gefahr, dass Ihr Mitbewerber genau das selbe Motiv für seine Werbung nutzt.

Es ist nachvollziehbar, dass viele bei knappen finanziellen Mitteln versuchen, einen Flyer erst einmal selbst zu erstellen. Für wirklich erfolgreiche Kommunikation ist allerdings einiges mehr notwendig, als es der impulse-Artikel suggeriert.

Bedenken Sie die Zeit, die Sie investieren müssen, und die Ihnen für Ihre umsatzbringende Kernkompetenz fehlt. Bedenken Sie das Know-how, das Texter und Kommunikationsdesigner über das reine Beherrschen der Werkzeuge (der Software bzw. der Rechtschreibung und Grammatik) hinaus mitbringen, und das diese gerne für Ihren Geschäftserfolg einsetzen.

Und bedenken Sie, dass auch Sie gerne als Experte für Ihren Bereich engagiert werden wollen und Ihr geschäftlicher Erfolg ausbleibt, wenn Ihre potenziellen Auftraggeber alles selber machen.

Selbstständig als Designer

Selbstständige Designer sind mindestens zur Hälfte Unternehmer und nicht nur Kreative. Doch die berufswirtschaftlichen Aspekte der Selbstständigkeit als Designer kommen in der Ausbildung fast immer zu kurz. Mit dem Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein wird diese Lücke geschlossen.

© Rheinwerk-Verlag
© Rheinwerk-Verlag

Auf knapp 400 Seiten erläutern die Autoren eigentlich alles, was man bezüglich der Selbstständigkeit heute wissen muss – zumindest ist mir mit über 20 Jahren Selbstständigkeit kein Aspekt eingefallen, der nicht berücksichtigt wurde. Gut gegliedert werden u.a. die Bereiche Gründung, Finanzierung, Arbeitsorganisation, Positionierung, Kalkulation, Finanzen und Versicherungen sowie rechtliche Themen ausführlich behandelt. Auch das Thema »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« fehlt nicht. Ergänzend dazu gibt es viele Checklisten, Formulare, Excel-Tabellen und andere Dokumente zum Download von der Website des Verlags.

Harms und Bernschein haben hervorragende Arbeit geleistet. Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle Design-Studierenden sein – unabhängig davon, ob sie sich nach der Ausbildung selbstständig machen oder nicht: Bestimmte Aspekte, wie, die eigene Positionierung herauszuarbeiten, sind auch für diejenigen wichtig, die eher eine Anstellung anstreben.

Wenige klitzekleine Mängel beeinträchtigen mein Gesamturteil ganz und gar nicht, sollen aber nicht unerwähnt bleiben:
Eine falsche Aussage zur KSK im vorderen Teil des Buches wird im hinteren Teil korrigiert.
Die AGD verfügt meines Wissens nach nicht über eigene Experten zu Rürup- und Riester-Rente.
Etwas zuviel Raum nimmt der Bereich Kalkulation mit dem VTV ein, zumal hier auch noch mit einem veralteten, niedrigeren Stundensatz gerechnet wird.
Stärker betont hätte ich die Wichtigkeit einer Mitgliedschaft in einem Berufsverband – auch in das Kapitel »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« hätte das gut noch einmal gepasst. Die häufige Erwähnung der AGD (im Gegensatz zum BDG, der nur einmal vorkommt) liegt sicher daran, dass der langjährige Vorsitzende der AGD, Lutz Hackenberg, als Fachgutachter den Autoren zur Seite stand.

Hätte es dieses Buch schon früher gegeben, hätte ich mir viele Workshops, Seminare und Vorträge ersparen können. Auch wer schon länger als Designer selbstständig ist, sollte es lesen, denn auch denen gibt das Buch wertvolle Anregungen für die tägliche Arbeit und bringt einen auf den aktuellen Stand. Darüber hinaus erinnert es (zumindest mich) daran, was alles auf die To-Do-Liste gehört, um auch in Zukunft selbstständig erfolgreich als Kommunikationsdesigner zu sein.

Thorsten Harms/Michael Bernschein: »Selbstständig als Designer«
ISBN 978-3-8362-2559-5
34,90 als Buch / € 29,90 als E-Book
Link zum Buch auf der Website des Rheinwerk-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt.

Was kostet eigentlich…

…eine Website?

Einfache Antwort: Kommt drauf an.

Es ist wie beim Autokauf: Zwischen Lada und Ferrari liegen große Unterschiede, zwischen Zweisitzer und Transporter auch – in der Funktionalität, im Erscheinungsbild und damit auch im Preis.

Bei einer Website orientieren sich die Kosten vor allem daran, was sie technisch und inhaltlich leisten soll. Michael Priyev hat dazu einen guten (englisch-sprachigen) Text verfasst, zu dem ich gerne verlinke: http://tech.co/much-website-really-cost-2016-02

Vielleicht kann man auf Baukastensysteme zurückgreifen, wie sie hier und da angeboten werden. Ein eigenständiges, unverwechselbares Design und Funktionalitäten, die genau den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens entsprechen und gemeinsam die Grundlage dafür bilden, dass mit einer Website die vorher definierten Ziele erreicht werden, bekommt man so natürlich nicht.

Und das hat seinen Wert.

Mitdenken kann man nicht automatisieren

Im Newsletter der Universität Hamburg wird das neue, weiter entwickelte Corporate Design vorgestellt. Ich arbeite seit Jahren für verschiedene Abteilungen und Fakultäten der Universität, muss mich aber wohl darauf einstellen, dass sich das ändert:

In den nächs­ten Mo­na­ten wird auch in einem so­ge­nann­ten „Brand Ma­nage­ment Por­tal“ eine Web-​to-​print-​An­wen­dung zur Ver­fü­gung ge­stellt, die es auch Lai­in­nen und Laien er­mög­licht, ohne den Ein­satz pro­fes­sio­nel­ler De­si­gn­pro­gram­me (wie In­De­sign) mit Hilfe eines Bau­kas­ten­mo­dells Flyer oder Pos­ter zu er­stel­len.

Vermutlich versprechen sich die Entscheider* von dieser Maßnahme Kosteneinsparungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es durchaus Publikationen gibt, die auf diesem automatisierten Weg sehr gut erstellt werden können – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Konzerne und Institutionen zu Recht Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legt.

Für uns Kommunikationsdesigner bleibt dennoch viel zu tun. Denn ein guter Auftraggeber ruft nicht erst an, wenn ein Faltblatt gestaltet werden soll. Der schlaue Kunde meldet sich schon einen Schritt früher und fragt: »Ich möchte dieses Ziel erreichen und das ist meine Zielgruppe – mit welcher Kommunikationsmaßnahme geht das am besten?« Das kann dann vielleicht ein Faltblatt sein, vielleicht aber auch ein anderer Kommunikationskanal oder die Kombination mehrerer Aktivitäten.

Und: Automatisierung bedeutet immer einen Verlust von Feinheiten. Der Kommunikationsdesigner blickt »von außen« auf die Publikation und erkennt sprachliche Unstimmigkeiten im Text, sieht Fehler bei Rechtschreibung oder Trennung und optimiert das Kerning. Er findet durch seine Erfahrung das passende oder vielleicht überraschende Bild und kann besser als jeder Laie den optimalen Bildausschnitt finden. Bei Grafiken und Tabellen arbeitet er die wichtigste Aussage heraus, räumt auf, findet die beste Darstellungsform (Balken- oder Tortendiagramm? Oder etwas ganz anderes?) und erhöht so den Nutzwert.

Das kann kein Automat.

Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht nicht nur die Werkzeuge (wie das genannte InDesign), sondern ist darüber hinaus und vor allem ein kundiger Berater, damit der Auftraggeber seine jeweiligen Ziele bestmöglich erreicht. Auf diese Beratung zu verzichten, könnte letztendlich teuer werden.


* Es sind immer Frauen und Männer gemeint. Aus Gründen des Leseflusses verzichte ich im Text auf die jeweilige Nennung beider Formen. 


Und weil die sozialen Medien darauf so abfahren, hier noch ein Foto, auch wenn es nur wenig mit dem Beitrag zu tun hat:

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KSK v16.1

Am 11. Januar 2016 war der Kölner Anwalt Andri Jürgensen in Hamburg zu Gast, um Studierenden und Berufsanfängern aus dem künstlerischen Bereich die Grundzüge der Künstlersozialkasse zu erläutern. Ich bin zwar kein Berufsanfänger mehr und beschäftige mich schon länger mit der KSK, erhielt aber dennoch auch ein paar interessante Infos durch den Vortrag. Eingeladen hatte die Kreativgesellschaft Hamburg, wodurch der Vortrag kostenlos war.*

Zur KSK hatte ich schon in den vergangenen Jahren (2013|2014|2015) Blog-Beiträge veröffentlicht. Der verrückteste für mich neue Aspekt diesmal:

Werbefotografen, die mit ihren Fotos Geld verdienen, sind gemäß KSK-Definition „Künstler“ und dürfen damit in die KSK.

Künstlerische Fotografen, die mit ihren Arbeiten kein Geld verdienen, sind hingegen keine „Künstler“ nach KSK-Definition und damit nicht KSK-berechtigt. (Es sei denn, sie können durch z.B. Ausstellungen [wobei es da wieder wichtig sei, wo diese statt finden] oder Mitgliedschaft im BBK nachweisen, dass sie als Künstler anerkannt sind…)

Andri Jürgensen betonte außerdem sehr deutlich die Unterschiede zwischen privater (PKV) und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und sprach eine deutliche Empfehlung für die gesetzliche aus: Die Beiträge zur PKV sind vom Einkommen abgekoppelt und steigen (fast) jedes Jahr. Die Beiträge zur GKV orientieren sich hingegen am Einkommen und sinken damit, wenn es mal nicht so gut läuft. Und zur PKV bekommt man nur bis zu 50% Zuschuss (nie mehr als der Zuschuss zur GKV wäre), zur GKV hingegen immer 50% Zuschuss.

Wer zwischendurch mal für ein Jahr oder länger angestellt und in dieser Zeit zwangsläufig nicht über die KSK versichert ist, ist anschließend nicht automatisch wieder KSK-berechtigt, sondern wird wieder ganz neu geprüft.

Auch bei anderen Punkten fand Herr Jürgensen klare Worte:

Rufen Sie nie bei der KSK an. Das bringt nichts.

Es bleibt spannend, wie es mit der KSK weiter geht. Durch das »Künstlersozialabgabestabilisierungsgesetz« erhält die Rentenversicherung seit vergangenem Jahr Zuschüsse und damit ausreichend Ressourcen, um 400.000 statt bislang 70.000 Unternehmen zu prüfen. Ob das angestrebte Ziel von 18 bis 20 Millionen Euro Mehreinnahmen damit erreicht wurde, ist noch nicht klar – die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.


* Gerade beim Thema KSK erlebe ich immer noch viel Unwissenheit, auch bei Nicht-Berufsanfängern. Hier könnte die Kreativgesellschaft gerne aktiv(er) werden.

Zur Lage der Designer in Deutschland

Meine selbstgestellte Sommeraufgabe war, mir Gedanken über das Berufsbild des »Designers« zu machen. Ich bin ehrlich gesagt nicht dazu gekommen. Erholung musste auch mal sein, und dann war gleich wieder Praxis statt Beschäftigung mit der Theorie angesagt.

Unerwartet sind nun aber einige sehr interessante Meinungsäußerungen zu genau diesem Thema erschienen. Drei Veröffentlichungen möchte ich hervorheben:

Christian Büning, Vorsitzender des Bundesverband der deutschen Kommunikationsdesigner e.V., hat über die „gestörte Lage der Designer“ in Deutschland geschrieben.

Zur von der EU geplanten Reform des Urheberrechts schreibt der Anwalt von „Charlie Hebdo“, Richard Malka.

Und Frank Wagner, vielfach ausgezeichneter Designer aus München, hat seine Gedanken zum Wert des Designs gleich in ein ganzes Buch gepackt: »The Value of Design«.

Alles sehr lesenswert! Gerne würde ich mit Frank Wagner und Christian Büning und weiteren Designern eine Diskussionsrunde planen. Ich werde mal meine Fühler ausstrecken und sehen, was geht.

Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört  u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Die beiden relevanten Berufsverbände für Kommunikations- und Grafikdesigner sind der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner e.V. und die Allianz deutscher Designer (AGD) e.V. Beide Verbände habe ich mir seinerzeit genauer angesehen und mich dann für die AGD entschieden, nicht zuletzt, weil sie mit damals 3.000 Mitgliedern (heute viel weniger) der größere Verband war.

Ab 2011, nachdem eine neue Generation die Leitung der AGD übernommen hatte, habe auch ich mich engagiert und war u.a. ehrenamtlich als Regionalsprecher Hamburg mit viel Elan aktiv. Dabei habe ich versucht, mit vielen Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen die Mitglieder berufswirtschaftlich weiter zu bringen und untereinander zu vernetzen. Nach drei Jahren habe ich mein Amt aufgegeben; und heute habe ich die Kündigung meiner AGD-Mitgliedschaft abgeschickt.

Kurz zusammen gefasst stellt sich die AGD momentan so dar:

  • kein Eintreten für die Anliegen der Designer gegenüber Wirtschaft und Politik
  • fragwürdiger Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen
  • mangelhafte Kommunikation nach innen und außen

Den Weg, den der Vorstand beschlossen hat (Stichwort »Netzwerk/Kreativteam«), halte ich für grundsätzlich falsch, und er entspricht auch nicht meinem Anspruch an einen Berufsverband. Veränderungen können natürlich nur innerhalb des Verbandes, also während der Mitgliedschaft, erreicht werden. Diverse Themen habe ich über die letzten Jahre immer wieder – erfolglos – angesprochen. Irgendwann ist genug, auch fürs eigene mentale Wohlbefinden (»Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance« könnte man das nennen).

Wer zu den einzelnen Punkten mehr wissen will, kann mich gerne anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Ein Argument für die Mitgliedschaft, das ich von vielen Mitgliedern höre, ist die kostenlose Erstberatung durch einen Juristen bzw. einen Steuerberater. Das reicht mir persönlich nicht als Begründung für die Mitgliedschaft in einem Berufsverband. Und: Solche Beratungsangebote gibt es mittlerweile auch bei anderen Verbänden (hier zum Beispiel).

Hoffnung für die AGD macht mir eigentlich nur, dass zumindest Teile des Vorstands angekündigt haben, 2017 bei der nächsten turnusmäßigen Vorstandswahl nicht wieder anzutreten. Außerdem gibt es wohl Anstrengungen einiger Mitglieder, die AGD grundsätzlich zu reformieren. Dafür wünsche ich viel Erfolg. Denn ich bin weiterhin an einer starken Lobby für die Anliegen der selbstständigen Designer interessiert, werde die AGD natürlich nicht aus den Augen verlieren und drücke die Daumen, dass es irgendwann in die richtige Richtung geht.

Ergänzung vom 9. Oktober 2015: 

Im heutigen Newsletter der AGD sind endlich einmal positive Ansätze bezüglich einer veränderten internen Kommunikation zu erkennen! Fehler in der Vergangenheit werden eingeräumt und ein Schaubild mit der »zukünftigen Wege und Möglichkeiten der Kommunikation im Verband« vorgestellt. Ich drücke Wolfgang Beinert alle Daumen, dass seine Bemühungen etwas verändern werden.

Schade, dass offenbar nur er etwas bewirken kann und die schon vorher vielstimmig geäußerte Kritik anderer Mitglieder nicht ernst genommen wurde.

Ergänzung vom 1. Dezember 2015: 

Wolfgang Beinert sieht seine Bemühungen gescheitert, gemeinsam mit dem aktuellen Vorstand und der Geschäftsführerin Veränderungen auf den Weg zu bringen.

 

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Die Homepage der AGD, unverändert seit April 2015.

Vier Fragen und vier Antworten

Meine liebe Kollegin Katja Frauenkron ist ziemlich kreativ und umtriebig. Neben ihrer eigentlichen Arbeit als Deichgrafikerin ist sie dauernd mit neuen Sachen beschäftigt: Kalligraphie, Töpfern, gezeichnete/gemalte Reisetagebücher und vieles mehr* zeugen von ihrer Vielseitigkeit. Einen Einblick in das alles gewinnt man beim Lesen ihres Blogs. Katjas neueste Idee: Sie fragt Kolleginnen und Kollegen: »Was machst Du gerade?«, und diese Woche hatte ich die Ehre, antworten zu dürfen.

Vielen Dank, Katja!

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* Vor knapp drei Jahren initiierten Katja und ich das Twitter-Projekt »createandrotate«, bei dem jede Woche ein anderer Designer von irgendwo auf dem Globus. 

»Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby.«

screenshot 2015-09-03 um 19.33.36Ich bin Mitglied im »Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.« (VGSD) geworden. Ich habe diesen Schritt länger überlegt. Zunächst hatte ich den Eindruck gewonnen, dass unter den Mitgliedern zu viele Berater und Coaches sind, die hier nur neue Kunden suchen.

Im Frühsommer 2015 startete der Verband eine Kampagne zum Thema Scheinselbstständigkeit. Es geht dabei darum, die derzeit noch unklare Rechtslage zu verändern. Mich beeindruckte dabei, wie der kleine Verband (damals noch unter 1.000 Mitglieder) das Thema über seine unterschiedlichen Kommunikationskanäle verbreitete und so bis heute erstaunliche 12.500 Unterzeichner für die dazugehörige Petition sammeln konnte. Darüber hinaus gelang es, Kontakt zu Politik und Gewerkschaften zu knüpfen. Und eine »Roadshow« machte in einigen deutschen Städten halt und informierte vor Ort zu dem Thema. Damit hat der VGSD meiner Meinung nach gezeigt, wie trotz kleiner Budgets gute Lobbyarbeit aussehen kann.

Schlau finde ich auch den Ansatz des VGSD, zwei verschiedene Mitgliedschaften anzubieten. Ganz kostenlos kann man »Community-Mitglied« werden und hilft schon damit, die Stimme des Verbands wichtiger zu machen. Als weiteren interessanten Ansatz kann man bei der »normalen« Mitgliedschaft den eigenen Mitgliedsbeitrag frei wählen (größergleich 5 €) und so der eigenen wirtschaftlichen Lage anpassen.

Mir gefällt darüber hinaus der Menüpunkt »Mitmachen«, unter dem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, sich aktiv zu beteiligen. »Für jedes Zeitbudget ist etwas dabei«, und die Ziele und Aktivitäten des Verbandes können dort beeinflusst werden.

Mein persönliches Lobby-Thema ist eher ein anderes (Verbesserung der Wertschätzung von Design), weswegen ich mein Zeitbudget – außer ein paar Klicks und Tweets – an anderer Stelle einsetzen werde. Durch meine Mitgliedschaft möchte ich aber signalisieren, dass ich die Arbeit des VGSD sinnvoll finde.

Hier finden Sie mein Profil im »Branchenlisting« des VGSD. Leider ist diese Übersicht der Verbandsmitglieder auf der Homepage des Verbands nur schwer zu finden.

Wer hat’s gesagt?

Es gibt Verbände, die wissen, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist. Raten Sie mit – wer hat’s gesagt?

»Ohne gleich in Prahlerei zu verfallen, gibt es gute Gründe, die Öffentlichkeit wissen zu lassen, wofür xxxxxxxxx steht, was er tut, warum er das tut – und dass es gar nicht so schwer ist, bei uns mitzutun. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass (…) jeder [uns] kennt. Das aber ist Voraussetzung, um möglichst viele weitere Mitstreiter zu gewinnen.«

Wer hat es erraten? Nein, das Zitat stammt – leider – nicht von einem der Designer-Berufsverbände, sondern wurde dem aktuellen Vorwort der Mitgliederzeitschrift des Naturschutzbundes (NABU) entnommen.

PUBKON 2015

CDXVMbTWAAE2gxDVom 23. bis 25. April fand in Köln die PUBKON 2015 statt – die InDesign- und Publishing-Konferenz im deutschsprachigen Raum. Zusammen mit meinen fantastischen Kollegen Stephan Mitteldorf und Anselm Hannemann habe ich die Veranstaltung mit insgesamt über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, drei Workshops und mehr als zwei Dutzend Rednern und Vorträgen organisiert.

Mein Arbeitsschwerpunkt im Team war vor allem die externe Kommunikation: Die Texte für die Website, Konzeption und Text für alle Newsletter stammen genauso von mir wie die allermeisten Postings bei Facebook und Twitter. Und auch während der Konferenz hörte diese Arbeit nicht auf: Kontinuierlich habe ich die Social-Media-Kanäle der PUBKON 2015 mit Text und Bild versorgt. Und auch jetzt, nach dem Event, geht diese Arbeit natürlich noch weiter.

Planen, organisieren, vernetzen, mitdenken. Kann ich.
Social-Media-Kommunikation auch.
Und Kommunikationsdesign sowieso.

Das Foto hat Klaas Posselt gemacht.

Was fehlt?

Im Bundestag gibt es seit Frühjahr 2014 einen Ausschuss „Digitale Agenda“. Im Ausschuss sollen laut Bundestags-Website „die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel gestellt werden. Netzpolitik ist für den Ausschuss kein „Nischenthema“. (…) Das Gremium sieht sich vielmehr als wichtiger Impulsgeber für die parlamentarische Arbeit.“

Anfang Dezember 2014 traf sich der Ausschuss zu einem Fachgespräch zum Thema „Urheberrecht“. Eingeladen waren:

  • ein Medienrechtler aus Münster
  • ein Medienrechtler aus Berlin
  • ein Medienrechtler aus Göttingen
  • eine Vertreterin der Bitkom, dem Verband der Digitalwirtschaft
  • der Redaktionsleiter von von iRights.info

Wer genau hinsieht, dem fällt sofort auf, dass in dieser Liste jemand fehlt, nämlich ein Vertreter der Urheber, was laut einem Artikel auf heise.de auch die „Deutsche Content Allianz“ bedauert hat.

Die AGD – Allianz deutscher Designer – setzt sich laut eigener Aussage „vor dem Gesetzgeber (…) für ein transparentes und faires Urheberrecht ein (…).“

Der BDG – Berufsverband der Kommunikationsdesigner wirkt laut eigener Aussage „im Sinne der Kommunikationsdesigner direkt oder über Dachorganisationen und politische Kontakte auf die Gesetzgebung ein.“

Bei der iDD – Initiative Deutscher Designverbände, in der AGD und BDG beide vertreten sind, steht laut eigener Aussage „aktuell (…) die politische Einflussnahme sowie der Aufbau der strukturellen und instrumentellen Ausstattung im Fokus.“

Der Deutsche Designertag (DT) ist ein weiterer, parallel (?) existierender Dachverband, der laut eigener Aussage „die Aufgabe [hat], die gemeinsamen Interessen der Designer und der designorientierten Wirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit und Politik wahrzunehmen.“

Der DT ist als „Sektion Design“ Vertreter der Designwirtschaft im nächsthöheren (?) Dachverband namens Deutscher Kulturrat. Dieser ist laut eigener Aussage „Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten des Deutschen Kulturrates e.V. übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten.“

Dieser Kulturrat hat sich als einziger der genannten Verbände zu der der Ausschusssitzung geäußert* und „fragt sich, ob es Unwissenheit oder Ignoranz ist“, dass kein Vertreter der Urheber eingeladen wurde. Ich wünsche mir, dass der Kulturrat sich das nicht selber fragt, sondern die beteiligten Politiker. Und die Antworten – auch wenn es vielleicht keine gibt – veröffentlicht.

Zugleich sollten sich der Deutsche Kulturrat und alle Unter- und Unterunterorganisationen wie AGD, BDG, iDD, DT und wie sie sich alle abkürzen, fragen, warum sie offenbar von der Politik in so einer wichtigen Frage ignoriert werden!? (Und warum wird eine Stellungnahme des Oberdachverbandes nicht von allen verbreitet?)

Also: Wieso schaffen es die Interessensvertretungen nicht, die eigenen, auf ihren jeweiligen Websites formulierten Ansprüche zu erfüllen? Der Politik „Unwissenheit oder Ignoranz“ zu unterstellen, mag richtig sein. Damit machen es sich die Organisationen aber viel zu einfach. Sie sollten sich an die eigene Nase fassen und gemeinsam (!) Strategien entwickeln und in praktische Arbeit umsetzen, um effektiv etwas für die Urheber zu erreichen bzw. erst einmal nicht mehr ignoriert zu werden. In einem Wort: Lobbyarbeit.

Dass dazu vielleicht auch eine andere Organisationsstruktur innerhalb der Interessensverbände der Designwirtschaft sinnvoll wäre – diesem Argument kann ich mich auch nicht verschließen.


* Aktuellste Meldung bzw. Pressemitteilung auf der jeweiligen Website:

  • AGD: 09. Juli 2014
  • BDG: 14. November 2014
  • iDD: 01. August 2014
  • DT: November 2013

Was gehört auf den Briefbogen?

Mich erreichte die Anfrage eines Fotografen, der im Zuge der SEPA-Umstellung (schon dran gedacht?) auf seinem Briefpapier nun auch seine Social-Media-Links unterbringen wollte. Bei ihm sind das Xing, Facebook, Myspace und ein externer Blog. Bei anderen kämen hier vermutlich noch Google+, LinkedIn, Pinterest, Flickr oder Instagram aufs Papier. Was davon ist aber wirklich sinnvoll auf dem eigenen Briefbogen?

Noch immer bieten nicht alle »sozialen Dienste« den Usern leicht zu merkende Links an; mein LinkedIn-Account versteckt sich beispielsweise hinter http://www.linkedin.com/pub/rainer-klute/70/692/227. Das will und wird niemand vom Briefbogen abtippen. 

Allgemein empfehle ich, auf dem Briefbogen ganz auf die Angaben zu Facebook, Xing und Co. zu verzichten. Wichtig ist der Link zur eigenen Website*, von wo aus der interessierte Besucher dann schnell mit einem Klick zu den jeweiligen Präsenzen in den sozialen Netzwerken gelangen sollte.

Natürlich muss von Fall zu Fall, von Firma zu Firma individuell geschaut werden, ob einige Angaben nicht doch sinnvoll sind: Bei einem Fotografen könnte Flickr richtig sein, bei einer Social-Media-Agentur selbstverständlich Facebook (und einiges mehr).

Damit der Briefbogen aber nicht durch zu viele Links zu unübersichtlich und überfüllt wird, reicht oftmals die Angabe, dass man bei einem bestimmten Dienst dabei ist – ohne den ausführlichen Link. Das jeweilige Logo der verschiedenen Anbieter reicht aus; gerne auch in einer farbig reduzierten, also schwarz-weißen oder grauen Version, damit das Auge des Briefpapier-Betrachters nicht vom (wichtigeren) Logo des Brief-Absenders abgelenkt wird.

 

* Übrigens können Sie auf das »http://« und das erklärende »Website« auf dem Briefbogen gerne verzichten. Braucht kein Mensch mehr.

Zen oder die Kunst der Präsentation

Garr Reynolds ist weitgereister Autor, Berater, Designer und natürlich Referent, der mit seinen Büchern und seinem Blog unter www.presentationzen.com ein Millionenpublikum erreicht auf seiner Mission, die Welt von schlechten Präsentationen zu befreien. Gut so!

Reynolds Buch »Zen oder die Kunst der Präsentation: Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren« (Verlagslink) gibt dabei wertvolle Anregungen. Die Verbesserung der Folien ist dabei nur ein Teilaspekt. Genauso wichtig sind die Vorbereitung der Präsentation und der Vortrag selbst. Einige seiner richtigen Empfehlungen:

– Verzichten Sie bei der Vorbereitung auf den Computer und arbeiten Sie zunächst „analog“

– Versuchen Sie, eine Geschichte zu erzählen

– Beschränken Sie sich auf das Wesentliche, auf Ihre Kernaussage

– Jede Präsentation braucht einen roten Faden

– Bauen Sie eine „Verbindung“ zu den Zuhörern auf durch persönliche Geschichten und/oder Humor

Reynolds zieht immer wieder Verbindungen zur Zen-Lehre, ohne dabei aber zu spirituell oder philosophisch zu werden. So überzeugen seiner Meinung nach gute Präsentationen mit einer Einfachheit, die sich auch bei Zen-Gärten finden lässt: »…ohne Verzierungen, ein paar sorgfältig (…) platzierte Felsbrocken, geharkter Kies. Schön. Einfach.« (Seite 122) Bei dem »einfach« stimme ich Reynolds voll und ganz zu, aber »schön« ist geharkter Kies für mich eher nicht. Das auf der selben Seite abgedruckte Bild eines solchen Gartens wirkt auf mich eher trostlos…

Ein gutes Buch, das immer praktisch bleibt, und dessen Rat- und Vorschläge ich zukünftig (noch mehr) zu beherzigen versuchen werde. Allerdings denke ich, dass man den Inhalt auch kompakter hätte vermitteln können und Reynolds sich ab und an wiederholt. Vielleicht steckt dahinter der Ansatz, dass Wiederholungen helfen, das Gelesene auch zu behalten.

Garr Reynolds empfiehlt unter anderem auch, in Präsentationen mit Zitaten zu arbeiten. Dementsprechend beende ich diese Rezension mit meinen Lieblingszitat aus dem Buch:

»Sollten Sie damit liebäugeln, ein Bild zweier sich schüttelnder Hände vor einer Erdkugel zu verwenden, legen Sie Ihren Bleistift nieder, treten Sie vom Schreibtisch zurück und denken Sie darüber nach, Urlaub zu machen oder sich mit Aromatherapie zu beschäftigen.«
(Nancy Duarte, Seite 106)

Garr Reynolds: »Zen oder die Kunst der Präsentation: Mit einfachen Ideen gestalten und präsentieren«, 312 Seiten, 2. Auflage, 2013, dpunkt.verlag GmbH, ISBN 3864901170.

Hinweis: Ich erhielt das Buch kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt.