Rezension »Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch«

Bis gerade eben noch dachte ich, mein Kenntnisstand in Adobe Illustrator sei »fortgeschritten«. Nun muss ich mich wohl zurückstufen auf »Anfänger«. Denn ich habe »Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch« von Monika Gause, erschienen im Rheinwerk Verlag, gelesen.

Die Software Illustrator ist meine erste Wahl, wenn es um das Erstellen von Logos geht – also dem zentralen Bestandteil jedes Corporate Designs. Dementsprechend arbeite ich viel damit. Mindestens seit Version 5.5 von 1994 habe ich die Software im Einsatz (eine Installations-CD von damals habe ich noch archiviert); ich nutze es also schon länger als InDesign. Und diese langjährige Nutzung hat mich zu der Fehleinschätzung gebracht, ich wüsste einigermaßen Bescheid über Illustrator.

Auf mehr als 800 Seiten zeigt Monika Gause in ihrem Buch wirklich alles, was mit Adobes Flaggschiff für die vektorbasierte Arbeit machbar ist. Dies fängt mit den Grundlagen, den Werkzeugen und mit einfachen geometrischen Formen dann, um dann später bei Spezial-Effekten, bei Diagrammen, 3D und mehr zu enden. Austausch mit anderen Programmen und Weiterverarbeitung kommen natürlich genauso zur Sprache wie nützliche Plugins. Bei den Themen »Transparenzen und Masken« und »Symbole« merkte ich leider sehr schnell, dass ich noch viel zu lernen habe… Da aber jedes Thema in diesem Buch umfassend und ausführlich behandelt wird, kann ich auch diese Wissenslücke schnell schließen.

Ihr sehr sympathisches Faible für Zebras kann Monika Gause nicht verbergen. :-) Sie tauchen an vielen Stellen und in vielen Formen auf. Darüber hinaus gibt es aber auch viele andere Beispiele, die die Arbeitsweise der vielen Funktionen erläutern. Sehr gut finde ich, dass diese Beispielgrafiken meist sehr einfach gehalten sind, so dass Zeichen-/Illustrationsanfänger nicht gleich abgeschreckt werden, weil sie ansonsten vielleicht denken, dass sie so tolle Resultate niemals selber hinbekämen.

Das Buch eignet sich hervorragend zum Erlernen der Software. Nicht nur, weil alle Funktionen detailliert und eben für Anfänger beschrieben werden, sondern auch, weil es eine Reihe von Beispieldateien und -lektionen zum ergänzenden Download gibt. Auch eine Vielzahl von Checklisten helfen, das Gelernte zu behalten.

Das Buch eignet sich aber auch hervorragend als Nachschlagewerk. Für nur 5 € extra kann man die elektronische Version des Buches erwerben. Das nutze ich gerne, denn für schnelles Nachschlagen möchte ich nicht meinen Arbeitsplatz verlassen müssen, um zum Bücherregal zu gehen – zumal ich oft auch direkt vor Ort bei Auftraggebern, in Coworking-Spaces oder vielleicht auch mal irgendwo am Strand arbeite.

Kritik? Nur ganz wenig: Der Abschnitt zu »Austausch zwischen InDesign und Illustrator« ist mir zu kurz geraten. Und: InDesign (und auch Photoshop) finden sich nicht als Begriffe im Index.

Ein dickes Lob möchte ich auch für Herstellung, Layout und Satz aussprechen! Auch wenn Unmengen von Beispielen im Text und in den Marginalien vorkommen, bleibt alles übersichtlich und gut les- und erlernbar.

Mein Fazit: Jeder Grafikdesigner, jede Grafikdesignerin, jede Illustratorin und jeder Illustrator sollte dieses Buch nutzen und kann daraus großen Nutzen ziehen – egal ob Anfänger, fortgeschritten oder Profi.


Monika Gause:
Adobe Illustrator CC – Das umfassende Handbuch
ISBN 978-3-8362-4505-0
als Buch 59,90 €, als E-Book 54,90 €, zusammen 64,90 €
Hier gehts zur Verlagsseite, bei der auch die E-Book-Version geordert werden kann.


Hinweis: Das Buch bekam ich vom Verlag für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Rezension »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung«

Buch Webdesign
Das rezensierte Buch.

Das Buch »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung« von Martin Hahn behandelt gar nicht Webdesign; zumindest nicht so, wie der Begriff von vielen verstanden wird.

Martin Hahn, Art Director und Webdesigner aus Leipzig, fängt quasi ganz vorne an und versteht Webdesign richtigerweise sehr umfassend: Vor dem eigentlichen Gestalten und Coden geht es ihm erst einmal um Grundsätzliches. Generelle Prinzipien des modernen Webdesigns werden erläutert, eine Einführung in Projektmanagement gegeben und viel Wert auf Konzeption und Strategie gelegt. Das ist alles sehr gut durchdacht, damit die Leser am Ende eben auch sehr gute Webprojekte realisieren können. Auch veränderte Arbeitsweisen durch den Ansatz des »Responsive Webdesign« und Informationsarchitektur werden thematisiert, so dass man gut vorbereitet ist, wenn es dann im Buch ums eigentliche Gestalten geht. Und auch hier bleibt der Autor sehr umfassend und detailliert, wenn er beispielsweise über Gestaltungsraster, Farbe, Typo, Bilder, Navigation und vieles mehr.

Das ganze Buch verlangt kein Vorwissen; alle Abschnitte fangen mit ganz Grundsätzlichem an, so dass die Inhalte eigentlich für alle Projekte im Kommunikationsdesign und sogar darüber hinaus sehr nützlich sind. Beispielsweise schreibt Hahn auch über Projektkalkulation, Briefing oder Rechnungsstellung – Themen, die ich hinter diesem Buchtitel nicht unbedingt erwartet hätte.

Code-Zeilen kommen letztendlich nur sehr wenige vor. Sie dienen eher zur Verdeutlichung, was auf die eine oder andere Weise später beim Programmieren alles möglich ist. Dementsprechend scheint mir die Zielgruppe des Buches eher der Kommunikationsdesigner, aber auch der interessierte Anfänger zu sein, der mit komplexen Webprojekten noch nichts zu tun hatte und mit dem Buch das umfassende Know-how bekommt, um erfolgreich entsprechende Aufgaben im Team mit Programmierern zu realisieren.

Was mir auch sehr gut gefällt, sind die zahlreichen Beispieldateien, die auf der Verlagsseite zum Download bereit stehen. Das 800 Seiten starke Buch (15 (!!!) Seiten detailliertes Inhaltsverzeichnis helfen, schnell das Richtige zu finden) gibt es auch als E-Book; die Käufer des Buches können es für nur 5 € hinzukaufen. Ich persönlich lese gerne zunächst das gedruckte Buch; später dann im Arbeitsalltag ist mir jedoch das E-Book hilfreicher, da ich es schneller und direkt am Arbeitsplatz durchsuchen kann.

Es gibt aber auch ein paar Verbesserungsvorschläge meinerseits:

  • Was bei Konzeption, Text und Gestaltung für die Google-Suche zu beachten ist (Stichwort »Onpage-SEO«), kommt mir zu kurz.
  • Auch wenn Photoshop wohl immer noch der weitgehende Platzhirsch für die Website-Gestaltung ist, hätte ich mir etwas mehr Raum für die Softwarealternativen wie Experience Design (auch von Adobe) und Sketch gewünscht.
  • Das Buch enthält viele Links zu beispielhaften Websites oder anderen interessanten Fundstücken. Wenn diese jedoch in der schmalen Marginalspalte stehen, brechen diese zu oft um und gehen teilweise über drei Zeilen. Natürlich ist es korrekt, den Original-Link abzudrucken. Zumindest ergänzend wünschte ich mir aber über einen Verkürzer erzeugte Links, die einfacher abzutippen sind (wenn man nicht das E-Book hat…).
    Zumindest an einer Stelle hatte ich einen Link, in den sich wegen der schmalen Marginalspalte ein Trennzeichen eingeschlichen hatte, was dann zu einem Fehler bei der Eingabe im Browser führte.

Diese Kleinigkeiten trüben aber in keiner Weise meinen sehr positiven Eindruck. Mein Fazit: 800 Seiten geballtes Wissen, um erfolgreich Web-Projekte realisieren zu können. 

Ein weiterer Wunsch (den ich vielleicht selber umsetze): eine kurze, nur wenige Seiten lange Zusammenfassung aller grundsätzlichen Aussagen des Buches. So etwas könnte dann potenziellen Auftraggebern beim ersten Briefinggespräch vorgelegt werden, damit diese erkennen, dass sehr viel dazu gehört, um erfolgreich ein Web-Projekt zu realisieren, und dass das nicht »mal eben« zu machen ist. 

Martin Hahn: »Webdesign. Das Handbuch zur Webgestaltung«
ca. 800 Seiten
Rheinwerk-Verlag
als Buch 49,90 €, als E-Book 44,90 €, zusammen 54,90 €
Link zum Buch auf der Verlagswebsite

Hinweis: Das Buch bekam ich vom Verlag für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Ausschnitt aus Buch
Konnte sich der bekennende Bayern-FanKunde nicht verkneifen – und ich mir das Durchstreichen von Fan auch nicht… ;-)

 

Kreativwirtschaft – ein Lagebericht für Hamburg

Ende 2016 wurde gemeinsam von der Kulturbehörde der Stadt und der Hamburger Kreativgesellschaft der 2.­ »Kreativ­wirtschafts­bericht Hamburg« vorgestellt. In ihm wird die aktuelle wirtschaftliche Situation der Kreativen in der Hansestadt erläutert. Neben der Auswertung von wirtschaftlichen Zahlen, dem letzten Mikrozensus und einer Umfrage, an der 779 Personen teilnahmen, wurden für jeden der elf (durch die Politik festgelegten) Teilbereiche der Kreativwirtschaft jeweils auch Protagonisten zu ihrem Teilbereich befragt; für die Designwirtschaft wurde auch ich um meine Einschätzungen gebeten, die sich nun in dem Bericht (Seite 77f.) wieder finden. Ich habe den Kreativwirtschaftsbericht (ehrlich gesagt nicht alle 130 Seiten) gelesen, und mir sind ein paar interessante Punkte aufgefallen.

Zunächst ein paar Zahlen, die sich vor allem auf das Jahr 2013 beziehen (Anmerkung: Ich bin kein Statistiker; dementsprechend freue ich mich über eine Nachricht, falls ich an der einen oder anderen Stelle falsch zitiert oder gerechnet habe):

Die Selbstständigen und Unternehmen in der Kreativwirtschaft machen 18,8 % aller Hamburger Unternehmen und Selbstständigen aus. 87.467 Erwerbstätige in der Kreativwirtschaft entsprechen 6,4 % der Hamburger Erwerbstätigen (auf Seite 13 ist von 7,4 % die Rede). Von diesen sind cirka zwei Drittel Beschäftigte, ein Drittel Selbstständige. *

Die Umsätze in der Kreativwirtschaft lagen 2013 bei über 10 Milliarden Euro, was pro Erwerbstätigen ca. 123.000 Euro bedeuten und lediglich 2,6 % der Hamburger Gesamtwirtschaft entsprechen. Von den Selbstständigen liegt bei über der Hälfte (53,1 %) der Jahresumsatz niedriger als 17.500 Euro.

Also: Es sind viele Unternehmen, mit wenig Angestellten, mit noch weniger Umsatz.

In »meinem« Teilbereich, der Designwirtschaft, gibt es ca. 12.000 Erwerbstätige; auch hier sind ein Drittel davon selbstständig. Der Umsatz der Designwirtschaft liegt bei 1,4 Milliarden Euro (117.000 € pro Erwerbstätigem) und stellt damit 11,4 % der Kreativwirtschaft dar.

Der durchschnittliche Umsatz pro Person in der Kreativwirtschaft allgemein, aber auch in der Designwirtschaft darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Lage vieler Selbstständiger prekär ist. Neueste Zahlen der Künstlersozialkasse zeigen, dass der durchschnittliche der über 180.000 dort Kranken- und Rentenversicherten über ein Jahreseinkommen von weniger als 16.000 € verfügt. Andere Umfragen, beispielsweise des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner (BDG), kommen zu ähnlichen Zahlen.

Die Hamburger Kreativgesellschaft hat das erkannt. Ihr Geschäftsführer Egbert Rühl weist in seinem Vorwort darauf hin, dass eine Ursache dafür die kleinteilige Struktur und Organisation der Kreativwirtschaft ist: »Das hat zur Folge, dass die strukturellen Mechanismen der wirtschaftspolitischen Aushandlungsprozesse mit Spitzenverbänden und Branchenvertretungen nicht bedient werden können, weil die Kreativwirtschaft solche Strukturen nicht ausbilden kann, weil die Kleinteiligkeit verhindert, dass dafür Kapazitäten zur Verfügung stehen.« Und weiter: »Die große Heterogenität der Kreativwirtschaft (…) stellt ebenfalls ein Hindernis auf dem Weg zu Positionierung und Interessenvertretung dar.« Rühl fordert: »Kreativität ist eben nicht das Öl der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft, sondern eine menschliche Fähigkeit, die sich entfaltet, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören mindestens Zusammenarbeit auf Augenhöhe und dass die Akteure immer an dem Profit aus ihren kreativen, innovativen, transformativen Leistungen angemessen beteiligt werden.« (Alle Zitate Seite 9; Hervorhebung von mir)

Meine Hoffnung ist, dass sich daraus auch Handlungsschritte ergeben, also seitens der Kreativgesellschaft und vielleicht auch seitens der Kultur- und der Wirtschaftsbehörde Maßnahmen initiiert und unterstützt werden, die Organisation der Kreativen und die Schaffung von Interessenvertretungen fördert. (Mit Hamburg Hoch 11 gab es diesbezüglich mal einen Ansatz, der aber – so mein Eindruck – irgendwie stecken geblieben und heute bedeutungslos ist.)

 


* Bei diesen Zahlen nicht erfasst wurden dabei die Selbstständigen, die weniger als 17.500 Euro pro Jahr verdienten. Eine Schätzung aufgrund der Daten aus dem Mikrozensus ergibt, dass ca. 14.400 weitere Personen der Kreativwirtschaft zugerechnet werden können.

Rezension »Reinzeichung und Druckvorstufe mit InDesign«

reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch-titel-763x1024Vor einiger Zeit wurde ich von einer Kollegin gefragt, was denn alles bei der Reinzeichnung zu beachten sei und ob ich irgendwelche Checklisten hätte. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen, da diese Checkliste zwar existiert, aber nicht schriftlich, sondern sich in über 20 Jahren in meinem Kopf angesammelt hat. Mit dem Buch »Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign« ist das jetzt anders.

Als ich das Buch von Michael Neuhauser in die Hand bekam, fragte ich mich: »200 Seiten über Reinzeichnung?« Nach der Lektüre kann ich sagen, dass jede einzelne Seite des Buches richtig und wichtig ist.

Reinzeichnung beinhaltet alle Schritte, um ein Design fehlerfrei für den Druck aufzubereiten. Sinnvoll ist es, sich schon zu Beginn des Gestaltungsprozesses ein paar Gedanken zu machen. Und ganz wichtig ist es, von Anfang an mit den richtigen Farbeinstellungen zu arbeiten.

Neuhausers Buch beginnt genau damit und stellt entsprechende Dateien und Links zur Verfügung. Er empfiehlt und beschreibt ausführlich Grundeinstellungen für InDesign, aber auch Photoshop und Acrobat – die zusammen mit Illustrator das Grundgerüst jedes Kommunikationsdesigners sind (für jede Software gibt es natürlich Alternativen, diese hier – alle aus dem Hause Adobe – sind momentan marktbeherrschend).

Das Kapitel »Technische Grundlagen« gliedert sich in 18 Unterkapitel zu Dokument, Schriften, Verknüpfungen, Farbprofile, RGB-Bilder, CMYK-Bilder, Graustufen-Bilder, Vektorgrafiken, Farbfelder, Linien, Überdrucken und Aussparen, Separationsvorschau, Reduzierungsvorschau für Transparenzen, Rand und Beschnitt, Verborgene Elemente, Überfüllung und Unterfüllung (Trapping), Nur im Notfall: Schriften in Pfade umwandeln, Kontrolle mit Preflight. Ein extra Kapitel befasst sich dann auch noch mit »technischen Spezialfällen«. Schon durchs Inhaltsverzeichnis wird deutlich, wie detailliert sich Neuhauser mit der Materie beschäftigt hat.

Überrascht hat mich die Aussage, dass »einige Workflows (…) inzwischen nur noch mit RGB-Bilddaten [arbeiten] und (…) diese erst beim PDF-Export in das passende CMYK-Farbprofil [konvertieren]« (Seite 51). Genau diesen Workflow erlebe ich als Standard und hätte ihn daher entsprechend ausführlich beschrieben. Hier fehlt mir allerdings die statistische Grundlage, um zu klären, ob es wirklich nur »einige« oder die Mehrheit so wie ich machen.

Viel Raum nimmt zu Recht auch das Kapitel »Typografie« ein. Zu zwei Punkten möchte ich etwas anmerken: So empfiehlt Neuhauser auf Seite 129 »Shift + Enter«, um einen Zeilenumbruch innerhalb eines Absatzes zu erzwingen. Ich füge hier lieber vor dem Wort »Cmd + Shift + Minus« (= »Bedingter Trennstrich«, der dazu führt, dass das nachfolgende Wort nicht getrennt wird) ein, da das weniger Auswirkungen auf den Textumfluss hat, falls der Text sich doch noch einmal verändert, oder – was heutzutage auch immer häufiger vorkommt – neben der gedruckten Version noch ein E-Book produziert werden soll.

Zum Aufräumen der vom Kunden gelieferten Texte hat Neuhauser eine Reihe von GREP-Abfragen entwickelt (ab Seite 132), die man je nach Bedarf auf den Text anwenden kann. Damit werden nicht nur doppelte Leerzeichen beseitigt, sondern können auch falsche „Anführungszeichen“ (richtig: „Anführungszeichen“ oder »Anführungszeichen«) korrigiert, richtige Trennstriche eingesetzt werden und vieles mehr. Da dies ganz am Anfang des Designauftrags geschehen sollte, nämlich wenn der Text ins Layout fließt, hätte ich mir gewünscht, dass auch weiter vorne im Buch darauf deutlich hingewiesen wird. Und mir fehlt ein Hinweis, dass es auch Skripte gibt, die das Aufräumen erledigen können (»FindChangeByList« zum Beispiel) – wenn auch nicht so detailliert.

Im letzten Kapitel geht es dann um das Druck-PDF. In der ersten Auflage des Buches wurde hier noch PDF-X/3 empfohlen, was richtigerweise in der mir vorliegenden 2. Auflage korrigiert wurde: Je nach Anforderung sind PDF-X/1 oder PDF/X-4 zu empfehlen.

Abschließend präsentiert das Buch noch 6 hilfreiche Checklisten, die Käufern des Buches auch als Download zur Verfügung stehen, und einen ausführlichen Index.

Für alle, die die erste Auflage des Buches gekauft haben, sei das kostenlose Update empfohlen, das man sich auf der Website des Autors (Link) runterladen kann.

Noch zwei kleine Optimierungs-Wünsche (die aber die eindeutige Empfehlung für das Buch nicht mindern): Das »REINZEICHNUNG« auf dem Titel sollte gerade, wenn es um dieses Thema geht, korrekt mit einem Divis getrennt werden. Und die Druckqualität ist nicht ganz optimal: Gerade kleine Schrift »suppt« etwas weg.

Wenn mich jetzt jemand fragt, was bei der Reinzeichnung zu beachten ist, habe ich eine verlässliche und detaillierte Empfehlung. Die € 34,90 sind für Anfänger, aber auch für Profis, eine lohnende Investition, um ein sicheres Gefühl bei der Druckproduktion zu bekommen – und die Druckerei, sich selbst und nicht zuletzt den Auftraggeber ein bisschen glücklicher zu machen.

Michael Neuhauser
Reinzeichnung und Druckvorstufe mit InDesign
2., veränderte Auflage, 2016
200 Seiten
€ 34,90
http://www.michael-neuhauser.de/reinzeichnung-druckvorstufe-indesign-buch


Anmerkung: Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Designer sind Unternehmer!

fibel07Zuletzt las ich das sehr umfangreiche und gute Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein. Die gleiche Intention, nämlich Designern die Grundlagen für die Selbstständigkeit mitzugeben, verfolgt Christian Büning mit der »BDG Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«.

Als selbstständiger Diplom-Designer kennt Christian Büning den Berufsalltag sehr genau. Und als stellvertretender Vorsitzender des BDG, des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner, und Vorstandsmitglied des gerade frisch aus der Taufe gehobenen Designer-Dachverbands »Deutscher Designtag« weiß er auch um die Probleme vieler anderer selbstständiger Designer. Der BDG fungiert auch als Mitherausgeber des Buches.

Gleich im Vorwort des Buches wird deutlich, worum es Büning geht: »Designer sind Unternehmer! (…) Es geht nicht darum, den Betriebswirten Konkurrenz zu machen, sondern die Sprache der Auftraggeber sprechen zu können. (…) Am Markt bestehen nur diejenigen Designer, die unternehmerische Rüstzeug mitbringen und anwenden können.« Und genau dieses Rüstzeug liefert Büning mit dem vorliegenden Buch.

Beginnend mit der grundsätzlichen Frage »Will ich das überhaupt?« behandelt das Buch alle Themen, die für Designunternehmer relevant sind. Von der Positionierung, den rechtlichen und steuerlichen Pflichten über Projektmanagement, Haltung oder Kalkulation kommt alles zur Sprache – auch die Sprache selbst, denn »die Sprache macht das Denken sichtbar« und zeigt, wie ernst man es mit seinem Beruf nimmt. (Auch ich mache noch hin und wieder, von Kunden zu sprechen statt von Auftraggebern…)

fibel02Auch eine ausführliche Anleitung zur Kalkulation des eigenen Stundensatzes, Beispiele für die Formulierung von Angeboten, Rechnungen und auch Mahnungen und viele weitere praktische Hinweise finden sich in dem Buch. Jedes Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Liste des zuvor »Gelernten« – eine sehr schöne Idee, die den Leser nochmal zum Nachdenken und gegebenenfalls Zurückblättern bringt.

Mir gefällt sehr gut, dass durch das ganze Buch hindurch der Grundtenor, dass jeder Designer an seine Arbeit mit Haltung herangehen sollte, immer mitschwingt. Insbesondere im Kapitel »Designpraxis« wird dies nochmal betont. »Bringen Sie allen Partnern die Wertschätzung entgegen die Sie sich selbst wünschen. Diese Haltung kostet nichts und bringt einen enormen Gewinn an Freude in den Projekten.«

Das Buch richtet sich zwar vor allem an Kommunikationsdesigner. Aber auch diese werden gerne mal zu Produktdesignern. Genau hierfür gibt es im Buch ein »Bonus-Kapitel«, das aufzeigt, wie Ideen erfolgreich auf den Markt gebracht werden können.

In einem Ausblick am Ende des Buches skizziert Büning seine Sicht auf »die Zukunft unseres Berufes«, die er zweigeteilt sieht: Umsetzer, die durch zunehmende Automatisierung und »Demokratisierung« der technischen Werkzeuge Probleme bekommen werden und Designer, die »bewerten und integrieren« und »die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können«.

Bünings Buch ist hervorragend geeignet für alle selbstständigen Designer und solche, die es mal werden wollen. Wo Harms/Bernschein fast schon zu sehr ins Detail geht und neutral/sachlich beschreibt, konzentriert sich dieses Buch auf das Notwendige und überzeugt mich vor allem mit der erwähnten Grundeinstellung (Haltung) zum Beruf des Designers, die sich durch das ganze Buch zieht. Design ist eben viel viel mehr als Design.

Ganz leicht irritiert war ich beim Lesen des Beispiel-Angebots (Seite 62). Mir erscheint es zu klassisch und berücksichtigt meiner Meinung nach zu wenig die Grundidee des Buches (…die Sache mit der Haltung…): Mir fehlt hier die Aussage, dass Design eine Investition ist, die dem Auftraggeber einen Mehrwert verschafft. Aber das Thema Angebot ist so komplex – vielleicht ist das ein eigenes Buch wert.

Bezüglich der AGB wird in dem Buch darauf verwiesen, dass der BDG diese seinen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellt. Meiner Meinung nach sollte der Berufsverband hier über seinen Schatten springen und diese allen Interessierten auf Nachfrage kostenlos schicken.

Ein sehr lesenswertes Buch, das Wissen und Haltung vermittelt.

Christian Büning: »BDG-Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«
ISBN 978-3-943513-04-2
22,95 €
Link zum Buch auf der Website des Werkstoff-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt. Ich bin kein Mitglied im BDG, fühle mich aber seinen Grundwerten verbunden.

 

Selbstständig als Designer

Selbstständige Designer sind mindestens zur Hälfte Unternehmer und nicht nur Kreative. Doch die berufswirtschaftlichen Aspekte der Selbstständigkeit als Designer kommen in der Ausbildung fast immer zu kurz. Mit dem Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein wird diese Lücke geschlossen.

© Rheinwerk-Verlag
© Rheinwerk-Verlag

Auf knapp 400 Seiten erläutern die Autoren eigentlich alles, was man bezüglich der Selbstständigkeit heute wissen muss – zumindest ist mir mit über 20 Jahren Selbstständigkeit kein Aspekt eingefallen, der nicht berücksichtigt wurde. Gut gegliedert werden u.a. die Bereiche Gründung, Finanzierung, Arbeitsorganisation, Positionierung, Kalkulation, Finanzen und Versicherungen sowie rechtliche Themen ausführlich behandelt. Auch das Thema »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« fehlt nicht. Ergänzend dazu gibt es viele Checklisten, Formulare, Excel-Tabellen und andere Dokumente zum Download von der Website des Verlags.

Harms und Bernschein haben hervorragende Arbeit geleistet. Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle Design-Studierenden sein – unabhängig davon, ob sie sich nach der Ausbildung selbstständig machen oder nicht: Bestimmte Aspekte, wie, die eigene Positionierung herauszuarbeiten, sind auch für diejenigen wichtig, die eher eine Anstellung anstreben.

Wenige klitzekleine Mängel beeinträchtigen mein Gesamturteil ganz und gar nicht, sollen aber nicht unerwähnt bleiben:
Eine falsche Aussage zur KSK im vorderen Teil des Buches wird im hinteren Teil korrigiert.
Die AGD verfügt meines Wissens nach nicht über eigene Experten zu Rürup- und Riester-Rente.
Etwas zuviel Raum nimmt der Bereich Kalkulation mit dem VTV ein, zumal hier auch noch mit einem veralteten, niedrigeren Stundensatz gerechnet wird.
Stärker betont hätte ich die Wichtigkeit einer Mitgliedschaft in einem Berufsverband – auch in das Kapitel »Durchhalten, Scheitern und Weitermachen« hätte das gut noch einmal gepasst. Die häufige Erwähnung der AGD (im Gegensatz zum BDG, der nur einmal vorkommt) liegt sicher daran, dass der langjährige Vorsitzende der AGD, Lutz Hackenberg, als Fachgutachter den Autoren zur Seite stand.

Hätte es dieses Buch schon früher gegeben, hätte ich mir viele Workshops, Seminare und Vorträge ersparen können. Auch wer schon länger als Designer selbstständig ist, sollte es lesen, denn auch denen gibt das Buch wertvolle Anregungen für die tägliche Arbeit und bringt einen auf den aktuellen Stand. Darüber hinaus erinnert es (zumindest mich) daran, was alles auf die To-Do-Liste gehört, um auch in Zukunft selbstständig erfolgreich als Kommunikationsdesigner zu sein.

Thorsten Harms/Michael Bernschein: »Selbstständig als Designer«
ISBN 978-3-8362-2559-5
34,90 als Buch / € 29,90 als E-Book
Link zum Buch auf der Website des Rheinwerk-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt.

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Business Basics

In der Ausbildung zum Designer werden »berufswirtschaftliche Kenntnisse« viel zu wenig vermittelt. In vielen Studiengängen gehören sie gar nicht zu den Ausbildungsinhalten. Und so sind viele nach ihrer Ausbildung bzw. ihrem Studium nicht gut vorbereitet auf das, was neben dem Gestalten elementar wichtig für den Berufsalltag ist, vor allem für Selbstständige: Angebote schreiben, Akquise, die AGB, Steuerfragen, Nutzungsrechte und vieles mehr.

Um diese Wissenslücke zu schließen, gibt es seit einiger Zeit in der Zeitschrift PAGE eine Kolumne »Business Basics«, in der Diplom-Designer Christian Büning entsprechende Fragen beantwortet. Mittlerweile sind so viele Fragen beantwortet worden, dass aus den Kolumnen der ersten drei Jahre ein eigenes Buch entstanden ist. In »Business Basics – Wirtschaftliches Basiswissen für Kommunikationsdesigner« sind 33 Texte versammelt, die Antwort auf so unterschiedliche Fragen wie „Wie mache ich Akquise?“, „Werde ich für Design zu alt?“ oder „Ab wann muss ich ein Gewerbe anmelden?“ geben.

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Büning antwortet jeweils mit knappen Texten, die sich sehr gut lesen lassen und einen guten Einstieg in das jeweilige Thema geben. Am Ende der Kolumne wird das Geschriebene nochmal in einigen Spiegelstrichen, den »Basics«, pointiert zusammen gefasst. Ergänzt wird die Textsammlung durch ein Glossar (und ein bisschen Eigenwerbung für den BDG Berufsverband der Kommunikationsdesigner, dessen Vorsitzender der Autor ist).

Was mir fehlt: Die Neuausgabe der Kolumnen als Buch wäre eine Möglichkeit gewesen, die wie erwähnt kurzen, einführenden Texte noch zu ergänzen durch weiterführende Informationen oder zumindest Links.

Was mir sehr gut gefällt: Das Buch ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Die Schrift, das wunderbare Papier, die dezente Färbung des Umschlags und eine Blindprägung passen sehr gut zusammen und steigern das Leseerlebnis.

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Ich empfehle das Buch allen Designern, die Berufseinsteiger sind oder sich noch nicht sattelfest fühlen. Auch für mich war es nach mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit gut, sich die ganzen Punkte mal wieder zu vergegenwärtigen.

»Business Basics« ist im Werkstoff Verlag erschienen und kostet schmale 12,95 €.

 


Für diese Rezension erhielt ich ein Exemplar des Buches zur Verfügung gestellt. Die Fotos stammen aus dem »Mediakit« des Verlags.

Theorie und Praxis »Designschutz«

Am 12. Februar 2015 fand in der Handelskammer Hamburg eine Veranstaltung zum Thema »Designschutz« statt, die den Teilnehmenden sehr informativ einen Überblick verschaffte, welche Möglichkeiten es gibt, ein Design zu schützen. Im Mittelpunkt stand dabei das Produkt- oder auch Industriedesign.

HandelskammerBei der kurzen Einführung durch Dr. Wulf-Erich Damrau von der Handelskammer wurde u.a. auf die Recherche-Möglichkeiten hingewiesen, die das »Innovations- und Patent-Centrum« (IPC) der Handelskammer bietet.

Rechtsanwalt Dr. Ralf Möller von ESCHE SCHÜMANN COMMICHAU erläuterte zunächst die vier Säulen des Designschutzes, als da wären: Urheberrecht, Designrecht (bis 2013 noch als Geschmacksmusterrecht bekannt), Wettbewerbsrecht und Markenrecht. Dabei wurde natürlich auch das BGH-Urteil von Ende 2013 erwähnt, durch das ganz neu auch »angewandte Kunst« (im Gegensatz zur »freien Kunst«) nur relativ niedrige Hürden zu überwinden hat, um Urheberrechtsschutz zu genießen. Die deutschen Designerverbände haben das BGH-Urteil begrüßt, ohne zugleich auf die Probleme hinzuweisen, die damit einhergehen: Wenn ein Design schneller urheberrechtlichen Schutz genießt, heißt das auch, dass das Urheberrecht anderer, ähnlicher Designs viel schneller verletzt wird (Mehr dazu u.a. hier).

Wichtigster Teil in diesem Vortrag war für mich der Teil »Schutzstrategien«. Ralf Möller gab Empfehlungen, wie man vorgehen sollte, um ein Design zu schützen (Stichworte Anmeldung as EU-Design, Eintragung als Gemeinschaftsmarke), aber auch, wie man gegen Nachahmer vorgehen kann (Recherche, Nichtigkeitsantrag, Grenzbeschlagnahmeantrag, ebay-VERI-Programm). Erwähnenswert ist dabei, dass die Behörden eingereichte Designs nicht prüfen (können), eine Anmeldung also nicht bedeutet, dass man mit seinem Design auf der sicheren Seite ist (etwas anders sieht es bei der Anmeldung einer Marke aus, aber das zu erläutern, würde hier zu weit führen).

Nach diesem zwar mit jede Menge Beispielen garnierten, aber dennoch theoretischen Vortrag kam dann der Abgleich mit der Realität. Eric Pfromm von den BFGF DESIGN STUDIOS berichtete aus seiner Praxis. Für die Vereinbarungen mit den Auftraggebern (u.a. Vertraulichkeitsvereinbarung, Kostenvoranschlag, AGB, Verträge, Nutzungsvergütung) gibt es natürlich Vorlagen, die aber für jeden Auftrag angepasst werden müssen. Viel (Vor-)Arbeit, die aber sehr sinnvoll ist, auch wenn es keinen Spaß macht. Es lohnt sich also, als (Produkt-)Designer von Anfang an einen Rechtsanwalt im Team zu haben.

Was mich sehr gefreut hat, war die Offenheit, mit der Eric Pfromm aus seinem Berufsalltag erzählte. Im Abgleich mit den Aussagen von Ralf Möller zeigte sich, dass Theorie und Praxis dann doch oftmals zwei paar Schuhe sind.

Grafikdesign war bei dieser Veranstaltung neben Produktdesign nur ein Randthema. Am 24. Februar geht es bei einer weiteren Veranstaltung der Handelskammer um »Markenschutz«. Dort soll auch das IPC näher vorgestellt werden.

Anmerkung: Die Anregung für diese Veranstaltung ging ursprünglich von mir aus und wurde dann von Dr. Ernest Mitschke vom IPC weiter entwickelt.

Anmerkung 2: Ich bin kein Rechtsanwalt. Darum sind alle hier gemachten Aussagen natürlich nicht rechtsverbindlich. Und falls ich etwas falsch beschrieben habe, freue ich mich über Korrekturen.

Buchvorstellung »Geschäftskultur Schweden kompakt«

In Schweden läuft einiges anders, das ist mir erst gerade wieder bei meiner letzten Reise dorthin aufgefallen: Wohnungen werden niemals mit Straßenschuhen betreten, alle duzen sich und Geschäfte, vor allem Supermärkte, haben selbstverständlich sonntags geöffnet.

Unterschiede gibt es aber auch im geschäftlichen Umgang miteinander. Uta Schulz beschäftigt sich als Trainerin für »Interkulturelles Management« schon seit vielen Jahren mit den Problemen, die daraus resultieren und berät Firmen, diese Stolpersteine für eine erfolgreiche Zusmmenarbeit zwischen deutschen und schwedischen (aber auch anderen skandinavischen) Firmen oder innerhalb eines multinationalen Konzerns auszuräumen.

Ihr diesbezügliches Wissen hat Uta Schulz nun in einem Buch zusammengefasst: »Geschäftskultur Schweden kompakt« erläutert in zehn Kapiteln Denk- und Handlungsmuster, die der schwedischen Wirtschaft und Gesellschaft zugrunde liegen.

Es geht los mit grundsätzlichen Einblicken in die schwedische Geschäftswelt; darauf folgen Kapitel zu Kontaktaufnahme, Kommunikation, Meetings, Verhandlungen, Zusammenarbeit, Führung und After Work, ergänzt um Wissenswertes und Literaturangaben. Jedes Kapitel ist gut strukturiert und endet mit einer Zusammenfassung.

Man erfährt zum Beispiel, dass die Jahreszeit wichtig für eine Geschäftsanbahnung ist, dass im schwedischen Wirtschaftsleben der Mensch und nicht Zahlen, Daten, Fakten im Mittelpunkt stehen, Kompromisse sehr positiv und nicht als kleinster gemeinsamer Nenner angesehen werden und omtanke die Basis von allem ist: »Omtanke ist eine (…) schwedische Wertvorstellung, die sich durch die gesamte Gesellschaft zieht und das menschliche Miteinander, auch am Arbeitsplatz, prägt.« (Seite 18)

Wer einmal in Schweden war und genau hinsieht, wird feststellen, dass Design dort einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland besitzt. Gutes Design von beispielsweise Produkten, Logos, aber auch von Abläufen (Stichwort UX) ist viel selbstverständlicher als bei uns. Und so erkennt Uta Schulz auch richtig: »Design ist in Schweden ein Verkaufsargument.« (Seite 24)

Kleiner Exkurs: Auch der schwedische Staat hat die Wichtigkeit von Design schon lange erkannt, und so gab es beispielsweise vor einigen Jahren sogar ein »Designjahr«, in dem eine Vielzahl von spannenden Veranstaltungen und interessanten Ausstellungen, die die Bedeutung von Design für alle Lebensbereiche hervorhoben. Leider ist so etwas in Deutschland unvorstellbar.

Das Buch steckt voller weiterer wichtiger Ratschläge für einen geschäftlichen Erfolg in Schweden: An Pausen (»fika«) denken. Bescheidenheit zeigen. Im Konsens diskutieren. Work-Life-Balance beachten. Eishockey statt Fußball. Noch anschaulicher wird das Buch durch die vielen Beispiele, die Uta Schulz aus ihrem Arbeitsalltag (natürlich anonymisiert) erzählt.

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Auch wenn es auf Deutsch geschrieben ist, hatte ich immer das Gefühl, etwas Schwedisches zu lesen: Die Lockerheit der Sprache und die Satzlängen erinnern stark ans Schwedische.

Im Web gibt es ergänzend zu dem Buch auch weitergehende Informationen, Aktualisierungen und Videos, zu denen man über Verweise im Text gelangt man. Eine gute Sache, leider funktionieren die Links direkt aus dem PDF, das ich zur Verfügung gestellt bekommen habe*, nicht. Aber das wird sicher im späteren E-Book anders sein.

Etwas unvermittelt hört das Buch nach dem Kapitel »Wissenswertes« auf. Ich hätte da noch ein Fazit, eine Zusammenfassung, ein Schlusswort oder ähnliches erwartet. Im Anschluss folgt noch ein sehr detailliertes Stichwortverzeichnis, das den ohnehin hohen Nutzwert des Buches nochmal erhöht.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, und das nicht nur für diejenigen, die Geschäftskontakte nach Schweden haben oder suchen. Denn die »schwedische Art« zu arbeiten, die in dem Buch beschrieben wird, bietet auch wertvolle Ansätze, die das Wirtschaftsleben hierzulande nach vorne bringen würden. (Vielleicht eine Idee für ein weiteres Buch? „Die schwedische Art – Was die deutsche Wirtschaft von Schweden lernen kann“ :-)

 

Uta Schulz
Geschäftskultur Schweden kompakt
Conbook-Verlag
ISBN 978-3-943176-65-0
11,95 €
Veröffentlichungstermin: September 2014

Anmerkung: Ich erhielt die PDF-Version des Buches für diese Rezension vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin kostenlos zur Verfügung gestellt.