Warum ich schwedische Werbung mag

Werbung in Schweden (reklam ist das ehrlichere, schwedische Wort dafür) ist anders: Freundlicher, lockerer, (selbst)ironischer. Klar gibt es das auch in Deutschland hin und wieder, ist aber in Skandinavien viel gängiger – und oftmals besser.

So wie bei diesem Beispiel: Die Firma Oatly aus Malmö, Hersteller von Getränken aus Hafermilch,  hat in einem Supermarkt einen Stand zur Verkostung von »Gammaldags Hafvredryck« (in etwa »Hafergetränk, so wie früher«) aufgebaut. Was mich daran begeistert:

  1. Das Packungsdesign ist nicht altbacken (wie hierzulande oftmals für ein Produkt von »früher«), sondern zeitgemäß: eine Typografie mit Charakter, reduzierte Farbigkeit und viel Weißraum passen perfekt zur Zielgruppe.
  2. Anders als sonst üblich, sitzt hier eine 96 Jahre alte Frau am Verkostungs-Stand – und strickt. Passt zum Produkt, ist sympathisch und überraschend.
  3. Am Kopf des Regals steht »Som det eventuellt smakade förr«, auf Deutsch in etwa: »So wie es eventuell früher geschmeckt hat.« Eventuell. Klasse! Das ist ehrlich (weil sie nicht mehr sagen können, ob es früher wirklich so geschmeckt hat – kann man auf der Website dazu auf schwedisch erfahren), das ist locker formuliert, und es weckt Neugier, weil es so überraschend und – auch für Schweden – ungewöhnlich formuliert ist.

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Vielen Dank an Björn Lindén von Oatly, der über die Aktion bei Facebook berichtete und mir erlaubt, das Foto zu benutzen. »Gammaldags Hafvredryck« ist (bislang) nicht in Deutschland erhältlich.

 

Weltverbesserer?

Was macht eigentlich ein Designer? Das ist eine sehr schwierig zu beantwortende Frage. Jede/r versteht darunter etwas anderes. Mal wird Designer nur als Synonym für Modedesigner benutzt, mal müsste es eigentlich Produktdesign heißen, wenn Design gesagt und geschrieben wird. Und wenn ich mich als Kommunikations- oder Grafikdesigner bezeichne, wissen Fachfremde damit auch oftmals wenig anzufangen.

Meine mir selbst gestellte Sommeraufgabe ist, meine Definition der Berufsbezeichnung »Designer« aufzuschreiben und so auch das eigene Profil zu schärfen. Gerne nehme ich dazu Anregungen und Link-Empfehlungen entgegen – per E-Mail oder über die Kommentarfunktion unten.

Eine Anregung dazu habe ich bereits; sie kommt aus Schweden. Dort hat der Designverband Svensk Form mit diesem Plakat Werbung für eine Veranstaltung gemacht. Die Übersetzung lautet:
Bist Du kreativ? Magst Du, Probleme zu lösen? Willst Du die Welt einfacher, schöner und anwenderfreundlicher machen? Du solltest Designer werden

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Som morgondagens formgivare…

„Som morgondagens formgivare måste du inte kunna alt men du måste arbeta nära programmeraren och it-avdelningen. Det går inte att sitta på olika våningsplan eller, till och med, på olika geografiska platser. Som formgivare måste vi integrera oss mer med helt andra funktioner än vad vi är vana vid att ha med i våra arbetsgrupper. Jag är helt övertygad om att vi måste arbeta mer som projektledare och driva designen framåt.“

Carina Nilsson, chefredaktör hos CAP & Design

Zukünftig musst Du als Gestalter nicht alles kennen, aber Du musst nah bei den Programmierern und der IT-Abteilung arbeiten. Es geht nicht, in unterschiedlichen Stockwerken oder, noch schlimmer, an unterschiedlichen Orten zu sitzen. Als Gestalter müssen wir uns stärker integrieren, mit ganz anderen Funktionen als jenen, die wir bislang bei der Zusammenarbeit gewohnt sind. Ich bin voll und ganz überzeugt davon, dass wir mehr als Projektmanager arbeiten und so das Design nach vorne bringen müssen.

Carina Nilsson, Chefredakteurin bei CAP & Design,
der größten Designzeitschrift Nordeuropas

Übersetzung von mir.

Mehr als Werbung

An der Schwedischen Botschaft in Berlin wurde am 5. November 2014 die Ausstellung „Mehr als Werbung – Schweden kommunizieren“ mit einer sehr interessanten Spätnachmittag-/Abend-Veranstaltung eröffnet. Hervorragende, viel zu kurze Vorträge zeigten, wie „typisch schwedische“ Werbung aussieht und was sie trotz aller Globalisierung auszeichnet.

Staffan Carlsson / Hua Hua

Nach der Begrüßung durch den schwedischen Botschafter in Deutschland, Staffan Carlsson, und Hans-Joachim Berndt vom Art Directors Club Deutschland folgte Tobias Lundqvist von der Berghs School of Communication, der mit jeder Menge Selbstbewusstsein und Stolz (eigentlich etwas untypisch schwedisch) meinte, man solle einfach nach „best advertising school of the world“ googeln.

Sein Vortrag und auch der anschließende von Michael Ericsson von der Digital-Agentur Creuna sollten eigentlich unter dem Motto „Now that we’re digital – what’s next?“ stehen. Es war aber eher so, dass die beiden generell über die Grundprinzipien guter Werbung (aus ihrer, aus schwedischer Sicht) sprachen. Zusammengefasst in ein paar Schlagworten:

smart, simple, humorous, passionate, story

Das gilt vermutlich überall auf der Welt, wird aber in Skandinavien konsequenter umgesetzt. Dazu gab es überzeugende, ausgezeichnete Beispiele wie Nike oder das Twitter-Projekt @sweden, das mich und Katja Frauenkron inspirierte, mit @createandrotate etwas ähnliches ins Leben zu rufen.

Elisabeth Trotzig ist Ombudsman beim schwedischen „Reklamobudsmannen“. Dort wird auf Antrag Werbung begutachtet und gegebenenfalls eine Rüge ausgesprochen, falls gegen gewisse Regeln verstoßen wird. Die allermeisten Beschwerden mit 48 % betreffen „Geschlechterdiskriminierung“. Anders in Gesamteuropa, wo es zusammengerechnet nur 13,6 % der Beschwerden sind [Link]. In ihrem Vortrag wurde deutlich, dass stereotype Rollenbilder in Schweden sehr viel weniger Akzeptanz erfahren als in anderen Ländern.

Suzanne Forsström arbeitet unter anderem als interkulturelle Trainerin und zeigte an mehreren Beispielen auf, wie unterschiedlich das selbe Produkt in Schweden und Deutschland beworben wird. Hier direkt und mit Fakten, dort indirekt und mit Gefühl. Auch wenn es sicher in beiden Ländern auch andere Beispiele gibt, stimme ich dem in der Grundtendenz zu.

Anschließend konnte dann die Ausstellung besichtigt werden, die ich jedem, der in nächster Zeit in Berlin ist, sehr empfehlen möchte. Leider ist sie nicht sehr groß, aber dennoch einen Besuch wert für alle, die sich für überzeugende Kommunikation interessieren. Der für mich wichtigste Aspekt ist die (nicht neue, aber bestätigte) Erkenntnis, dass „smarte“ Werbung von einem „smarten“ Konsumenten ausgeht. Da haben „wir“ in Deutschland noch viel Nachholbedarf.

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(Das Foto entstand, als alle anderen gerade am leckeren Büffet anstanden. Den Soundtrack zur Ausstellung lieferte Nordic by Nature.)

Eine Randbemerkung: Der englischsprachige Titel der Ausstellung ist „More than marketing – Communicating the Swedish Way“, der deutsche „Mehr als Werbung – Schweden kommunizieren“. Das deutsche Werbung mit dem englischen marketing zu übersetzen (oder anders herum), finde ich etwas merkwürdig.

Und noch ein Randbemerkung: Niemand in Deutschland in so einer gehobenen Position, egal ob Frau oder Mann, hat solche Pressefotos wie Elisabeth Trotzig. Auch das ist irgendwie „schwedisch“. Gefällt mir!

 

 

»The superpower of beautiful design«

Sogar die Finnen, (un)geliebter kleiner Nachbar der Schweden, haben – mit einem Augenzwinkern – eingesehen: »The Swedish are the superpower of beautiful design.«

Warum das so ist, erfährt man in diesem kurzen Video:

Auch wenn es sich um kein offizielles Projekt, sondern eine Idee einer finnischen Werbeagentur handelt, ist die Grundidee dahinter genau richtig:

Ein genauer, intensiver Blick von außen hilft oftmals, die eigene Identität, die eigenen Stärken und Schwächen viel besser zu erfassen.

 

Buchvorstellung »Geschäftskultur Schweden kompakt«

In Schweden läuft einiges anders, das ist mir erst gerade wieder bei meiner letzten Reise dorthin aufgefallen: Wohnungen werden niemals mit Straßenschuhen betreten, alle duzen sich und Geschäfte, vor allem Supermärkte, haben selbstverständlich sonntags geöffnet.

Unterschiede gibt es aber auch im geschäftlichen Umgang miteinander. Uta Schulz beschäftigt sich als Trainerin für »Interkulturelles Management« schon seit vielen Jahren mit den Problemen, die daraus resultieren und berät Firmen, diese Stolpersteine für eine erfolgreiche Zusmmenarbeit zwischen deutschen und schwedischen (aber auch anderen skandinavischen) Firmen oder innerhalb eines multinationalen Konzerns auszuräumen.

Ihr diesbezügliches Wissen hat Uta Schulz nun in einem Buch zusammengefasst: »Geschäftskultur Schweden kompakt« erläutert in zehn Kapiteln Denk- und Handlungsmuster, die der schwedischen Wirtschaft und Gesellschaft zugrunde liegen.

Es geht los mit grundsätzlichen Einblicken in die schwedische Geschäftswelt; darauf folgen Kapitel zu Kontaktaufnahme, Kommunikation, Meetings, Verhandlungen, Zusammenarbeit, Führung und After Work, ergänzt um Wissenswertes und Literaturangaben. Jedes Kapitel ist gut strukturiert und endet mit einer Zusammenfassung.

Man erfährt zum Beispiel, dass die Jahreszeit wichtig für eine Geschäftsanbahnung ist, dass im schwedischen Wirtschaftsleben der Mensch und nicht Zahlen, Daten, Fakten im Mittelpunkt stehen, Kompromisse sehr positiv und nicht als kleinster gemeinsamer Nenner angesehen werden und omtanke die Basis von allem ist: »Omtanke ist eine (…) schwedische Wertvorstellung, die sich durch die gesamte Gesellschaft zieht und das menschliche Miteinander, auch am Arbeitsplatz, prägt.« (Seite 18)

Wer einmal in Schweden war und genau hinsieht, wird feststellen, dass Design dort einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland besitzt. Gutes Design von beispielsweise Produkten, Logos, aber auch von Abläufen (Stichwort UX) ist viel selbstverständlicher als bei uns. Und so erkennt Uta Schulz auch richtig: »Design ist in Schweden ein Verkaufsargument.« (Seite 24)

Kleiner Exkurs: Auch der schwedische Staat hat die Wichtigkeit von Design schon lange erkannt, und so gab es beispielsweise vor einigen Jahren sogar ein »Designjahr«, in dem eine Vielzahl von spannenden Veranstaltungen und interessanten Ausstellungen, die die Bedeutung von Design für alle Lebensbereiche hervorhoben. Leider ist so etwas in Deutschland unvorstellbar.

Das Buch steckt voller weiterer wichtiger Ratschläge für einen geschäftlichen Erfolg in Schweden: An Pausen (»fika«) denken. Bescheidenheit zeigen. Im Konsens diskutieren. Work-Life-Balance beachten. Eishockey statt Fußball. Noch anschaulicher wird das Buch durch die vielen Beispiele, die Uta Schulz aus ihrem Arbeitsalltag (natürlich anonymisiert) erzählt.

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Auch wenn es auf Deutsch geschrieben ist, hatte ich immer das Gefühl, etwas Schwedisches zu lesen: Die Lockerheit der Sprache und die Satzlängen erinnern stark ans Schwedische.

Im Web gibt es ergänzend zu dem Buch auch weitergehende Informationen, Aktualisierungen und Videos, zu denen man über Verweise im Text gelangt man. Eine gute Sache, leider funktionieren die Links direkt aus dem PDF, das ich zur Verfügung gestellt bekommen habe*, nicht. Aber das wird sicher im späteren E-Book anders sein.

Etwas unvermittelt hört das Buch nach dem Kapitel »Wissenswertes« auf. Ich hätte da noch ein Fazit, eine Zusammenfassung, ein Schlusswort oder ähnliches erwartet. Im Anschluss folgt noch ein sehr detailliertes Stichwortverzeichnis, das den ohnehin hohen Nutzwert des Buches nochmal erhöht.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, und das nicht nur für diejenigen, die Geschäftskontakte nach Schweden haben oder suchen. Denn die »schwedische Art« zu arbeiten, die in dem Buch beschrieben wird, bietet auch wertvolle Ansätze, die das Wirtschaftsleben hierzulande nach vorne bringen würden. (Vielleicht eine Idee für ein weiteres Buch? „Die schwedische Art – Was die deutsche Wirtschaft von Schweden lernen kann“ :-)

 

Uta Schulz
Geschäftskultur Schweden kompakt
Conbook-Verlag
ISBN 978-3-943176-65-0
11,95 €
Veröffentlichungstermin: September 2014

Anmerkung: Ich erhielt die PDF-Version des Buches für diese Rezension vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin kostenlos zur Verfügung gestellt.

Welcome to Sweden

Schweden ist anders und die Schweden sind anders. Das stellt der US-Amerikaner Bruce Evans fest, als er seiner schwedischen Liebe Emma in deren Heimat folgt und dort, genauer in Stockholm, gemeinsam mit ihr leben will. In der TV-Serie »Welcome to Sweden« werden sehr unterhaltsam – aber nicht mit der Humorkeule – die kulturellen Unterschiede zwischen der US-amerikanischen und der schwedischen Gesellschaft aufgezeigt.

Mir hat es sehr großen Spaß gemacht, die zehn Folgen der ersten Staffel zu sehen. Mit Gene Simmons, Patrick Duffy, Will Ferrell oder Björn Ulvaeus (der eine von ABBA) treten auch einige Gaststarts auf. Wenn die Serie auf einigen Internetseiten als »Comedy« oder »Sitcom« bezeichnet wird, ist das doch arg übertrieben. Der Humor kommt ohne die großen Lacher aus, sondern ist eher – typisch schwedisch – subtil, bodenständig, gerade richtig, also: »lagom«.

Die einzelnen Folgen (im Original, also in schwedisch und englisch, und ohne Untertitel) können bei Daily Motion angesehen werden. Da ich mir nicht sicher bin, wie legal dort das Angebot ist, erfolgt hier keine direkte Verlinkung. Aber ein Werbetrailer findet sich auch offiziell bei YouTube:

Aus dem Häuschen & Volles Haus

Mit der Organisation von Veranstaltungen für Designer (und andere) habe ich ja schon einige Erfahrung. Und ich habe auch schon für einige Kunden aus dem Filmbereich gestalterisch gearbeitet. Eine Kinovorführung zu realisieren, war aber neu für mich. Das machte viel Freude, aber auch viel Arbeit:

– Die Filmemacherinnen in Berlin und Stockholm kontaktieren
– Film sichten
– Kino suchen, dass den Film ins Programm nimmt
– Konditionen aushandeln
– Sponsoren suchen
– Flyer und Eintrittskarten gestalten
– kontinuierlich über Website, Facebook, Twitter und Xing Werbung machen
– mögliche Auslagestellen für Flyer identifizieren und beliefern
– und und und.

In Carina Middendorf hatte ich eine kompetente Partnerin an meiner Seite, die insbesondere durch ihre vielfältigen Kontakte einiges erreichen konnte. Trotzdem waren wir am Tag der Filmvorführung aufgeregt. Kommen Gäste? Interessiert sich überhaupt jemand für ein schwedisches Dokumentarfilm-Roadmovie?

Als uns der Kinomitarbeiter vom 3001 Kino verriet, dass sie 37 Vorbestellungen hätten, waren wir begeistert. Als zusätzlich Stühle in den Kinosaal gebracht wurden, waren wir fast sprachlos. Als wir viele weitere Menschen leider vertrösten mussten, weil wirklich kein Platz mehr war, waren wir zwar ein wenig traurig, aber letztendlich auch (die Abgewiesenen mögen es uns verzeihen*) aus dem Häuschen: Ausverkauft!

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Damit hatten wir niemals gerechnet! (Die zwei freien Plätze auf dem Foto vorne füllten sich am Ende natürlich auch noch.)

Johanna Aust und Louise Berg, die beiden Filmemacherinnen, waren extra aus Berlin bzw. sogar aus Stockholm angereist und stellten sich nach der Vorstellung zunächst im Kino, später nebenan im Restaurant den Fragen der begeisterten Zuschauer. Eins der vielen positiven Feedbacks, die uns erreichten: Es war ein großartiger, nachdenklicher Film weitab vom Bullerbü-Mainstream. Oft nachdenklich und mit tristen Bildern. Auf der anderen Seite sehr komisch, vor allem durch die befragten Schweden. Es ist sehr erfrischend zu sehen gewesen, dass es entwurzelte und doch geerdete Filmemacher gibt, die so ihren Weg gehen. Der Soundtrack hält sich immer noch in meinen Ohren. Und wie es bei Ohrwürmern oft vorkommt, man muss es nicht unbedingt mögen, aber es setzt sich fest…

Vielen Dank an alle Gäste, ans 3001 Kino, an unsere Sponsoren Riksföreningen Sverigekontakt, Café Saltkråkan und Visit Sweden (die die Anreise der Filmemacherinnen ermöglichte) und natürlich einen extra dickes Dankeschön an Louise und Johanna für ihren wunderbaren Film!

Carina und ich verschnaufen jetzt kurz und planen dann vermutlich ein neues Event für alle Schwedenfreunde in Hamburg. Vi ses!

 

* Eventuell planen wir auch, den Film nochmal zu zeigen, um auch denjenigen, die diesmal nicht mehr in den Saal kamen, eine Chance zu geben. Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen.

Kommen Sie mit auf eine Reise durch Schweden!

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Am 7. April um 16 Uhr zeigt das 3001 Kino auf Initiative von Carina Middendorf und mir den schwedischen Dokumentarfilm »Heimat Schweden«, ein Roadmovie »durch das fremd gewor­dene Land der Kindheit«, wie es im Begleittext heißt. Und weiter:
»Was ist geblieben? Was hat sich verändert? Und wie findet man dorthin, wo man hingehört? Johanna Aust und Louise Berg, beide aus Schweden, haben sich beim Studium in Berlin kennen gelernt. Auf einer Reise von Skåne nach Lappland suchen die beiden nach Antworten auf ihre Fragen. «

Reisen Sie mit uns! Am 7. April um 16 Uhr im 3001 Kino, Schanzenstraße 75. Eintritt 5 €. Der Film wird im schwedischsprachigen Original mit deutschsprachigen Untertiteln gezeigt. Einen Filmausschnitt sehen Sie auf www.heimatschweden.com.

Ein großes DANKESCHÖN an unsere Sponsoren Riksföreningen Sverigekontakt, Café Saltkråkan und VisitSweden! Durch ihre Unterstützung war es möglich, die beiden Filmemacherinnen nach Hamburg einzuladen.

Wir freuen uns weiterhin über neue Unterstützer. Kontaktieren Sie mich, wenn Sie mit einer kleinen Summe ein großartiges Projekt unterstützen und zugleich Kultur- und Schweden-interessierte Menschen erreichen möchten. Tack så mycket!

 

 

Stockholm vs. Hamburg

Soo schnarchnasig, wie Hamburg sich in diesem Film den Touristen präsentiert, ist die Hansestadt dann doch nicht.

Falls Sie jetzt noch nicht eingeschlafen sind:

Dass Stadtmarketing per Video viel viel besser sein kann, zeigt Stockholm in vielen Beiträgen im eigenen YouTube-Kanal (http://www.youtube.com/user/Stockholm). Hier ein herausragendes Beispiel, gerade ausgezeichnet auf der ITB:

 

Svenska Intensiv

Carina Middendorf von Svenska Intensiv kenne ich schon länger. Zu selten schaffe ich es, eine ihrer Veranstaltungen zu besuchen, um meine Schwedisch-Kenntnisse vorm Einrosten zu bewahren.* Als Carina mich bat, ihren monatlichen Newsletter gestalterisch zu überarbeiten, sagte ich gerne zu. Als »Mitdenker und Grafikdesigner« beließ ich es (natürlich) nicht beim Re-Design, sondern machte mir Gedanken und auch Vorschläge, wie die Inhalte besser strukturiert werden könnten.

Heraus kam der neue PDF-Newsletter, der auf dem bisherigen Erscheinungsbild aufbaut und so Kontinuität vermittelt, aber vor allem die Inhalte lesbarer und übersichtliche präsentiert. Das Foto auf der Titelseite habe ich 2012 in Stockholm gemacht.

* Für mich ist Twitter eine tolle Möglichkeit, regelmäßig schwedisch (und auch englisch) zumindest zu schreiben: Unter @rainerklute schreibe ich über Design- und Kommunikations-Themen: Je nach Thema und Zielgruppe auf deutsch, englisch oder schwedisch. So sind schon einige interessante Kontakte in alle Welt entstanden, natürlich auch nach Schweden.

»Willkommen nach Schweden!«

Vor einigen, eher vielen Jahren tauchten in einem schwedischen Werbespot Außerirdische auf und wurden von der netten älteren Kioskbesitzerin mit den obigen Worten auf deutsch – im schwedischem Werbefernsehen – begrüßt. Lassen wir mal offen, ob das Absicht war oder es keiner in der Agentur besser wusste…

Facebook bietet bei fremdsprachigen Einträgen immer an, diese übersetzen zu lassen. Heute habe ich das mal ausgetestet mit einem Text, den das Stockholmer Freilichtmuseum (und Austragungsort des fabelhaften »Allsång«) Skansen bei Facebook gepostet hatte. Im Original: »Hallå! Är det några som är kvar uppe vid Sollidenscenen efter skyfallet? Vilket åskoväder som passerade förbi! Ni har väl inte spolats bort?«

Die Übersetzung (kommt von Microsofts Bing): »Hallo! Gibt es etwaige verbleibende Aufwand bei Solar Liden Szene nach Skyfallet? Welche Åskoväder die übergangen! Weggespült Sie haben nicht?«

Was für ein unverständliches Kauderwelsch! Besser, aber auch noch nicht gut, macht es Googles Übersetzer»Hallo! Gibt es irgendwelche, die sich auf der Bühne Solliden werden nach dem Regenguss noch übrig? Was für ein Gewitter, die vorübergingen! Sie haben nicht weggespült?«

Man sieht also: Nicht alles können uns die Maschinen abnehmen. Gut so.

Richtiger wäre übrigens in etwa: »Hallo! Ist da noch irgend jemand oben bei der Solliden-Bühne nach dem Regenguss? Was für Unwetter, die da vorbeizogen! Ihr seid hoffentlich nicht weggespült worden?«

Im Westen vom Norden

Ein weiteres Plakat, das ich in Stockholm entdeckte und einfach zeigen muss. Ich bleibe bei meiner These, dass Design in Schweden einen höheren Stellenwert genießt als hierzulande:

Das Musikfestival »Way Out West« in Göteborg überzeugt nicht nur durch eine interessante Auswahl der auftretenden Musiker (allein für Billy Bragg lohnt wahrscheinlich die Anreise). Vor allem das Logo und die Typografie sind wirklich herausragend. Die Website zum Festival zeigt leider einen großen Ticket-Kauf-Button, aber auch dessen Schriften sind sehr schön anzusehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leider konnte ich den Grafikdesigner, der das Lob für diese außergewöhnliche Arbeit verdient, noch nicht ausfindig machen.

Hochschul-Werbung muss nicht langweilig sein

Werbung aus Skandinavien, insbesondere aus Schweden, überzeugt häufig durch Lockerheit und feinen Humor oder Selbstironie. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist dieses Plakat, das für die Technische Universität Luleå wirbt. Luleå liegt fast am Polarkreis und hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 1,3 C. Das sind Rahmenbedingungen, die es deutlich erschweren, Studierende für den Standort zu gewinnen.

Jetzt könnte man auf so einem Plakat natürlich aufzählen, was für hervorragende oder außergewöhnlich Studiengänge (Raumfahrzeug-Design!) es an der LTU gibt – so wie es deutsche Unis gerne machen und nicht merken, wie austauschbar das alles oft bei ihnen ist. Luleå macht aus dem vermeintlichen Nachteil einen Vorteil:

»Great ideas grow better below zero«

Dazu noch Eiswürfel als Keyvisual. Sofort schmunzelt man (oder lacht sogar) und die LTU bleibt irgendwo im Hinterkopf hängen. Ziel erreicht.

Klickt man dann auf die Website, geht es dort genau so weiter. Eiswürfel. Und wenig Text. Drei Links und sonst fast nicht. Gut so.

(Natürlich wird man auf den weiteren Unterseiten der Website mit allen notwendigen Informationen über die Uni und die Studiengänge versorgt und dementsprechend ist dort auch ausführlich Text zu finden.) 

Wieder schmunzeln musste ich, als ich den ersten Untermenüpunkt bei »Utbildning« (Ausbildung) las: »Snön finns i norr« (den Schnee gibt’s im Norden) mit dem Hinweis auf die Uni-eigene Skihütte. Erst danach folgen die Menüpunkte zu den Studiengängen und Kursangeboten.

Und auch der Imagefilm geht in die gleiche Richtung und betont vor allem die Lebensqualität – trotz oder wegen der Kälte.

Liebe deutsche Hochschulen, da gibt es noch einiges aufzuholen. Ich unterstütze Sie gerne dabei! :-)

 

(Das Plakat habe ich in Stockholm fotografiert; die Bildqualität bitte ich zu entschuldigen.)

Die Schweiz gehört zu Skandinavien

– zumindest, wenn man den Begleittext zur Ausstellung 100 Jahre Schweizer Grafik liest:

»Schweizer Grafik – ein Spitzenerzeugnis des Landes – ist überall anzutreffen. Ein eigentlicher Stil ist darin nicht auszumachen, eine bestimmte Haltung hingegen schon. Diese zeigt sich im augenfälligen Qualitätsbewusstsein der Arbeiten, im soliden Handwerk sowie in der Präzision und Reduktion auf das Wesentliche. Grafik aus der Schweiz spiegelt internationale Tendenzen ebenso wie lokale Eigenheiten. Ironie und Witz sind ihre Begleiter.«

Nicht besser könnte ich meinen Arbeitsstil beschreiben. Ob schweizerisch oder skandinavisch – letztendlich ist es nur ein Etikett, um klares, freundliches und mitdenkendes Grafikdesign in etwas kürzerer Form zu beschreiben.

Die Ausstellung öffnet am 9. Februar ihre Türen. Mehr Information finden Sie hier.