Ich bin immer neugierig und lerne gerne neue Sachen. So auch zuletzt für ein Website-Projekt, bei dem die beteiligten Entwickler mit der Software Axure RP arbeiten. Damit lassen sich Prototypen erstellen, ähnlich wie mit Sketch oder XD. Die Arbeitsweise ist bei jeder Software natürlich etwas anders, aber da Axure RP logisch und strukturiert aufgebaut ist, fiel mir die Einarbeitung nicht schwer.

Stutzig wurde ich allerdings, als ich eine Linie einfügen wollte und dort nur verschiedene Linien zur Auswahl angezeigt bekam. Linien. Ja, wirklich: Linien. Und keine Möglichkeit, eine Pixelbreite anzugeben.

Kleiner Exkurs: Das hat mich stark an »damals« (war das so 2005?) erinnert, als es in QuarkXPress die Möglichkeit gab, eine »Haarlinie« anzulegen. Die sah auf dem Bürodrucker immer schön aus, aber beim richtigen Druck war sie fast unsichtbar. Denn die Definition von »Haarlinie« war: So dünn, wie es das jeweilige Ausgabegerät gerade noch kann. Und Bürodrucker hatten und haben nicht so eine feine Auflösung wie die Belichter in den Druckereien.

Ich habe lange in Axure RP gesucht, ob der Fehler nicht doch bei mir liegt und ich irgendwo eine Voreinstellung übersehen habe. Aber nein, es ist wirklich so: Eine UX-Software kann 2017 noch keine Linienbreite per Pixelangabe steuern!? Als ich über Twitter nachfragte, bekam ich diese Auskunft:

Hi Rainer–TY for the feedback! We’ll let our PM team know that there’s interest in showing px values instead of actual lines for line width.

Dann hoffe ich doch mal, dass das beim nächsten Update behoben wird. Genauso wie eine weiterer Fehler: SVG-Dateien, die ja Vektor-Dateien sind und somit immer scharf dargestellt werden können, werden beim »Zoom« leider wie eine schlecht vergrößerte, weichgezeichnete Pixelgrafik dargestellt. Als Gestalter ist man dann natürlich unsicher, ob da eventuell die falsche Ausgangsdatei platziert wurde…

 

Ich bin bei meiner Arbeit sicher nicht tief in die Software eingetaucht. Dass ich dabei auf zwei solche Fehler oder besser Funktions-Defizite gestoßen bin, lässt mich skeptisch werden, wo in der Software vielleicht noch weitere Punkte mit – nun ja – Nachholbedarf zu finden sind.

Anmerkung 17.10.2017: Axure RP weist mich darauf hin, dass das Rendering-Problem der SVG-Grafiken kein Problem sei, weil man innerhalb des Programms die SVG-Dateien umwandeln kann und sie danach tipptopp dargestellt würden. Warum allerdings die Umwandlung sein muss…