Ende 2016 wurde gemeinsam von der Kulturbehörde der Stadt und der Hamburger Kreativgesellschaft der 2.­ »Kreativ­wirtschafts­bericht Hamburg« vorgestellt. In ihm wird die aktuelle wirtschaftliche Situation der Kreativen in der Hansestadt erläutert. Neben der Auswertung von wirtschaftlichen Zahlen, dem letzten Mikrozensus und einer Umfrage, an der 779 Personen teilnahmen, wurden für jeden der elf (durch die Politik festgelegten) Teilbereiche der Kreativwirtschaft jeweils auch Protagonisten zu ihrem Teilbereich befragt; für die Designwirtschaft wurde auch ich um meine Einschätzungen gebeten, die sich nun in dem Bericht (Seite 77f.) wieder finden. Ich habe den Kreativwirtschaftsbericht (ehrlich gesagt nicht alle 130 Seiten) gelesen, und mir sind ein paar interessante Punkte aufgefallen.

Zunächst ein paar Zahlen, die sich vor allem auf das Jahr 2013 beziehen (Anmerkung: Ich bin kein Statistiker; dementsprechend freue ich mich über eine Nachricht, falls ich an der einen oder anderen Stelle falsch zitiert oder gerechnet habe):

Die Selbstständigen und Unternehmen in der Kreativwirtschaft machen 18,8 % aller Hamburger Unternehmen und Selbstständigen aus. 87.467 Erwerbstätige in der Kreativwirtschaft entsprechen 6,4 % der Hamburger Erwerbstätigen (auf Seite 13 ist von 7,4 % die Rede). Von diesen sind cirka zwei Drittel Beschäftigte, ein Drittel Selbstständige. *

Die Umsätze in der Kreativwirtschaft lagen 2013 bei über 10 Milliarden Euro, was pro Erwerbstätigen ca. 123.000 Euro bedeuten und lediglich 2,6 % der Hamburger Gesamtwirtschaft entsprechen. Von den Selbstständigen liegt bei über der Hälfte (53,1 %) der Jahresumsatz niedriger als 17.500 Euro.

Also: Es sind viele Unternehmen, mit wenig Angestellten, mit noch weniger Umsatz.

In »meinem« Teilbereich, der Designwirtschaft, gibt es ca. 12.000 Erwerbstätige; auch hier sind ein Drittel davon selbstständig. Der Umsatz der Designwirtschaft liegt bei 1,4 Milliarden Euro (117.000 € pro Erwerbstätigem) und stellt damit 11,4 % der Kreativwirtschaft dar.

Der durchschnittliche Umsatz pro Person in der Kreativwirtschaft allgemein, aber auch in der Designwirtschaft darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Lage vieler Selbstständiger prekär ist. Neueste Zahlen der Künstlersozialkasse zeigen, dass der durchschnittliche der über 180.000 dort Kranken- und Rentenversicherten über ein Jahreseinkommen von weniger als 16.000 € verfügt. Andere Umfragen, beispielsweise des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner (BDG), kommen zu ähnlichen Zahlen.

Die Hamburger Kreativgesellschaft hat das erkannt. Ihr Geschäftsführer Egbert Rühl weist in seinem Vorwort darauf hin, dass eine Ursache dafür die kleinteilige Struktur und Organisation der Kreativwirtschaft ist: »Das hat zur Folge, dass die strukturellen Mechanismen der wirtschaftspolitischen Aushandlungsprozesse mit Spitzenverbänden und Branchenvertretungen nicht bedient werden können, weil die Kreativwirtschaft solche Strukturen nicht ausbilden kann, weil die Kleinteiligkeit verhindert, dass dafür Kapazitäten zur Verfügung stehen.« Und weiter: »Die große Heterogenität der Kreativwirtschaft (…) stellt ebenfalls ein Hindernis auf dem Weg zu Positionierung und Interessenvertretung dar.« Rühl fordert: »Kreativität ist eben nicht das Öl der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft, sondern eine menschliche Fähigkeit, die sich entfaltet, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören mindestens Zusammenarbeit auf Augenhöhe und dass die Akteure immer an dem Profit aus ihren kreativen, innovativen, transformativen Leistungen angemessen beteiligt werden.« (Alle Zitate Seite 9; Hervorhebung von mir)

Meine Hoffnung ist, dass sich daraus auch Handlungsschritte ergeben, also seitens der Kreativgesellschaft und vielleicht auch seitens der Kultur- und der Wirtschaftsbehörde Maßnahmen initiiert und unterstützt werden, die Organisation der Kreativen und die Schaffung von Interessenvertretungen fördert. (Mit Hamburg Hoch 11 gab es diesbezüglich mal einen Ansatz, der aber – so mein Eindruck – irgendwie stecken geblieben und heute bedeutungslos ist.)

 


* Bei diesen Zahlen nicht erfasst wurden dabei die Selbstständigen, die weniger als 17.500 Euro pro Jahr verdienten. Eine Schätzung aufgrund der Daten aus dem Mikrozensus ergibt, dass ca. 14.400 weitere Personen der Kreativwirtschaft zugerechnet werden können.