Warum ich schwedische Werbung mag

Werbung in Schweden (reklam ist das ehrlichere, schwedische Wort dafür) ist anders: Freundlicher, lockerer, (selbst)ironischer. Klar gibt es das auch in Deutschland hin und wieder, ist aber in Skandinavien viel gängiger – und oftmals besser.

So wie bei diesem Beispiel: Die Firma Oatly aus Malmö, Hersteller von Getränken aus Hafermilch,  hat in einem Supermarkt einen Stand zur Verkostung von »Gammaldags Hafvredryck« (in etwa »Hafergetränk, so wie früher«) aufgebaut. Was mich daran begeistert:

  1. Das Packungsdesign ist nicht altbacken (wie hierzulande oftmals für ein Produkt von »früher«), sondern zeitgemäß: eine Typografie mit Charakter, reduzierte Farbigkeit und viel Weißraum passen perfekt zur Zielgruppe.
  2. Anders als sonst üblich, sitzt hier eine 96 Jahre alte Frau am Verkostungs-Stand – und strickt. Passt zum Produkt, ist sympathisch und überraschend.
  3. Am Kopf des Regals steht »Som det eventuellt smakade förr«, auf Deutsch in etwa: »So wie es eventuell früher geschmeckt hat.« Eventuell. Klasse! Das ist ehrlich (weil sie nicht mehr sagen können, ob es früher wirklich so geschmeckt hat – kann man auf der Website dazu auf schwedisch erfahren), das ist locker formuliert, und es weckt Neugier, weil es so überraschend und – auch für Schweden – ungewöhnlich formuliert ist.

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Vielen Dank an Björn Lindén von Oatly, der über die Aktion bei Facebook berichtete und mir erlaubt, das Foto zu benutzen. »Gammaldags Hafvredryck« ist (bislang) nicht in Deutschland erhältlich.

 

Tipp für Acrobat DC: Kommentar-Namen ändern

Update 22.12.2016 (2): Offenbar hat Acrobat bei letzten Update bei der Einstellung »Als Verfasser immer Benutzernamen verwenden« (siehe Punkt 2 in meiner Aufzählung) von sich aus einfach wieder das Häkchen gesetzt. Ist das Häkchen wieder weg, funktioniert die beschriebene Vorgehensweise wieder (bei mir).

Update 22.12.2016: Bei der aktuellen Version 2015.020.20042 für den Mac funktioniert nun auch der von mir beschriebene Tipp – zumindest auf meinem Rechner – nicht mehr. 

PDFs sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sich dort einfach Kommentare hinzufügen lassen. Gerade beim Korrigieren ist das eine sehr hilfreiche Funktion, die handschriftlichen Anmerkungen auf Ausdrucken in vielerlei Hinsicht überlegen ist.

Damit die Kommentare eindeutig zuzuordnen sind, werden diese mit dem Namen des Verfassers versehen. Wobei das nicht ganz korrekt ist: Voreingestellt ist (zumindest bei mir am Mac) ein Benutzername, der identisch ist mit dem Benutzernamen des Computers. Mein Macbook Pro heißt RainerPro, und damit auch der voreingestellte Kommentar-Name. Diesen Namen kann man ändern, aber es braucht etwas, bis man den Weg gefunden hat – und soweit ich es feststellen kann, gilt die Änderung dann leider nur für das gerade geöffnete Dokument. Da muss Adobe nachbessern. Hier meine Vorgehensweise:

  1. In die Voreinstellungen von Acrobat gehen
  2. Bei »Kommentieren« das Häkchen entfernen bei »Als Verfasser immer Benutzernamen verwenden«
  3. Einen Kommentar machen.
  4. Auf den Kommentar mit der rechten Maustaste klicken.
  5. Auf »Eigenschaften« klicken.
  6. Auf »Allgemein« klicken.
  7. Wunschnamen eingeben
  8. Bei »Eigenschaften als Standard festlegen« ein Häkchen setzen
  9. OK

Für die eher visuell Orientierten unter den Leserinnen und Lesern hier ein kurzes Video:

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(Und falls das Video nicht beim Klick auf das Bild angezeigt wird, können Sie auch hier klicken.)

 

 

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Rezension »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe«

TitelbildAndri Jürgensen hat sich als Rechtsanwalt auf alle Themen rund um die Künstlersozialkasse  und -abgabe konzentriert. Ich habe ihn schon bei einigen Vorträgen, aber auch in den Sozialen Medien als sehr kompetenten Vertreter für die Interessen der »Künstler und Publizisten« kennen gelernt, die ja über die Künstlersozialkasse Zuschüsse zu ihren Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bekommen. Auch ich habe mich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt und unter anderem hier und hier und hier und hier dazu gebloggt. 

Nun hat Andri Jürgensen das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlicht, das sich an »Unternehmen, Verbände, Vereine, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Körperschaften« richtet, also an die sogenannten Verwerter, die eben genau diese Künstlersozialabgabe zahlen müssen – wenn sie (das ist jetzt ganz ganz vereinfacht formuliert) eine Leistung eines Künstlers oder Publizisten in Anspruch nehmen für mehr als 450 €.

Das Buch ist gut gegliedert, die fünf Kapitel bauen logisch aufeinander auf: Zunächst wird das System grundlegend erklärt, dann, wer abgabepflichtig ist, gefolgt von einem Kapitel über die Abgabe selbst. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Meldeverfahren, und zuletzt werden noch die Aufzeichnungspflichten und Betriebsprüfungen geklärt. Im Anhang finden sich nicht nur die wichtigsten Gesetzestexte zum Thema, sondern auch eine Liste mit 400 (!) Berufen und ihrer Einordnung bezüglich der KSA. Zum Beispiel: Pantomime? Ja. Pyrotechniker? Nein.

Jürgensen schreibt verständlich und nachvollziehbar, und wenn es doch mal sehr juristisch sein muss, damit alles korrekt wieder gegeben wird, finden sich ergänzend viele praxisnahe Beispiele und Tabellen. Aus meiner Sicht – obwohl ich weniger Verwerter als vielmehr »Künstler« im Sinne der KSK bin – scheint nichts zu fehlen. Im Gegenteil, ich habe auch für mich Neues erfahren. So war mir das System der Ausgleichsvereinigungen unbekannt, und ich frage mich, warum das nicht noch mehr genutzt wird, wenn es doch »zu einer wesentlichen Vereinfachung des betriebsinternen Aufwands« (Seite 116) führen kann!? Vielleicht ist auch eine Ausgleichsvereinigung für Kreative, die andere beauftragen, denkbar – umgesetzt durch beispielsweise den Deutschen Designtag.

Inhaltlich gibt es also nicht zu bemängeln. Leise Kritik ist jedoch am »Drumherum« angebracht: Die gewählte Typo-Kombination Trebuchet und Times ist nicht harmonisch und erschwert so (mir) das Lesen; das Layout mit den Beispielen und Tabellen immer oben ist gewöhnungsbedürftig. (Warum bei Beispielen Linien zur Abgrenzung eingesetzt werden, bei Tabellen aber nicht, erschließt sich mir auch nicht.) Was mich am meisten beim Lesefluss gestört hat, ist die Mischung von alter deutscher Rechtschreibung und neuer (so wirkt es zumindest). Das liegt vermutlich daran, dass das Buch eine aktualisierte Version der Erstausgabe von 2004 ist, hätte aber meiner Meinung nach vereinheitlicht werden müssen.

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Ein Wunsch wäre noch, dass man zusätzlich zum Kauf auch ein E-Book oder PDF bekommt. Zwar besitzt auch das Buch ein hilfreiches Stichwortverzeichnis, aber das Durchsuchen eines digitalen Dokuments findet dann doch noch schneller ans Ziel.*

Dennoch – bevor die Kritik zu sehr hängen bleibt: Ein hervorragendes Buch für alle Verwerter! Alle Designer, Künstler und Publizisten sollten es ihren Auftraggebern empfehlen, damit sie ein für alle mal keine Fragen mehr zu dem Thema beantworten müssen. Und auch für alle, die sich wie ich als Designunternehmer verstehen, ist das Buch eine lohnende Investition, um zukünftig kompetent alle Fragen zur KSK und KSA beantworten zu können.

Andri Jürgensen
Praxishandbuch Künstlersozialabgabe
4., aktualisierte Ausgabe 2015
Verlag Kunst Medien Recht
€ 39,-
ISBN 978-3-937641-14-0


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

* Ergänzung 26.09.2016: Von Monika Gause wurde ich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, einem »echten« Buch ein E-Book beizufügen, vom Gesetzgeber erheblich erschwert wurde. Schade. (Hier eine Stellungnahme des Rheinwerk-Verlags dazu.) 

Oberweser­dampfschifffahrts­gesellschafts­kapitäns­mützenfarbe

Immer wieder sieht man Websites, bei denen es in den Überschriften Probleme mit zu langen Wörtern gibt. Insbesondere die deutsche Sprache mit ihren zusammengesetzten Substantiven ist eine Quelle für viele solche Fehler: Entweder wird ein Wort gar nicht getrennt und läuft über den Rahmen hinaus. Oder es wird an beliebiger Stelle getrennt. Oder es wird per Hand ein Trennstrich eingefügt, der auch zu sehen ist, wenn er gar nicht nötig wäre, wie bei diesem Beispiel (Link):

Desktop-Ansicht

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Die Lösung: ­

Damit wird an entsprechender Stelle ein bedingter Trennstrich eingefügt, der also nur angezeigt wird, wenn er denn notwendig ist. Einfach in das jeweilige Wort einfügen, und es wird nur getrennt, wenn es sein muss. Wie bei meiner Überschrift, die auf dem Desktop-Rechner nicht getrennt wird, auf dem Smartphone aber doch. Aber nur an den Stellen, die ich vorher definiert habe. In WordPress sieht die Überschrift zu diesem Beitrag also so aus:

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agenda design 2

agendadesign2-titel»agenda design« heißt ein »Magazin für Gestaltung«, das von der Allianz deutscher Designer (AGD) herausgegeben wird. Die AGD will sich damit »an den aktuellen Diskussionen in der Designszene beteiligen, selbst Position beziehen und uns mit den Positionen anderer auseinandersetzen.« Jede Ausgabe soll sich dementsprechend mit einem Oberthema befassen, das dann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. In der aktuellen Ausgabe 2 dreht sich alles um »Grenzen«, und zwar »im politischen wie auch im übertragenen Sinne, aber immer im Hinblick auf die Rolle der Gestalter«, wie Chefredakteur Florian Alexander Schmidt im Vorwort schreibt. Dementsprechend unterschiedlich sind dann auch die Artikel:

Design-Professorin Birgit Bauer schreibt in ihrem Text Die Weltverbesserer zunächst über den Anspruch vieler Designer, die Welt zu verbessern. Im weiteren Verlauf geht es dann aber eher darum, wie heutzutage der Begriff »Design« definiert wird. Als Fazit bleibt, dass in einer digitalen, vernetzten, aber gleichzeitig immer individualisierteren Welt der Designbegriff immer unschärfer und eben individueller wird: »Ob ihr Eingreifen (Anm. des Rezensenten: das der jungen DesignerInnen) in die Welt am Ende noch Design heißt, ist ihnen letzlich egal.«

Elvia Wilk befasst sich in Die Mauer als Entwurf mit realen Grenzen, Zäunen und Mauern – wie der Absperrung zwischen den USA und Mexiko, die Sperranlagen im Westjordanland oder der nicht mehr existenten Berliner Mauer. »Sicherheit« ist staatlich wie privat derzeit ein großes Geschäft, und so gibt es viele praktische, aber auch spielerische Ideen, was mit Grenzen zusätzlich erreicht werden kann, wie Solarzellen zur Energiegewinnung oder spezielle Schleusen, die Tieren den Grenzübertritt weiterhin ermöglichen. Aber auch Wippen für grenzüberschreitendes gemeinsames Spielen oder eine für Lebensmittel durchlässige »Burrito Wall«. Abschließend fordert Wilk: »Architekten und Designer müssen Verantwortung übernehmen (…) für die politische und soziale Dimension ihrer Profession.«

Chefredakteur Schmidt schreibt in #Neuland über die Idee künstlicher Inseln. Dort sollen neue Gesellschaftsformen gelebt werden – was in der Softwareentwicklung so gut funktioniert, soll demzufolge in allen Lebensbereichen der richtige Weg sein. Seasteading nennt sich die Idee, die parlamentarische Demokratie als innovationsfeindlich ablehnt. Regierungen sollen nach dem Prinzip des freien Marktes um ihre Bürger konkurrieren. Und da alles Land schon verteilt ist, soll also aufs Meer ausgewichen werden. »Kurzum: die Errungenschaften der Zivilisation, bloß ohne die lästigen Pflichten.«

In einem Interview erläutern Sabine Müller und Andreas Quednau vom Architekturbüro SMAQ ihre Ideen für die Umgestaltung der Palmen-Insel, die vor einigen Jahren vor Dubai im Meer künstllich angelegt wurde. um Nachhaltigkeit und Gemeinschaft zu fördern, plädieren die beiden für die Renaturierung des einen Teil der Insel und urbane Verdichtung der anderen Insel-Hälfte.

Im anschließenden Text Die Ernie-Offensive schreibt AGD-Vorsitzender Andreas Jacobs über seine beiden Gehirnhälften, die er Ernie und Bert nennt: Bert ist diszipliniert, Ernie chaotisch. Und nur wenn nach Bert auch Ernie zum Einsatz kommt, entstehen wirklich kreative Ideen.

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Der zweite Teil des Magazins stellt verschiedene Kreative vor: Der »Projektor« überschriebene Abschnitt zeigt Arbeiten von AGD-Mitgliedern, diesmal aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Fotodesign und Kunst. Wie die Auswahl der gezeigten Kreativen erfolgt, wird nicht erläutert.

Die vorliegende »agenda design 2« ist ein interessanter, mitunter anregender Lesestoff, überzeugend in Form gebracht von Jan-Hendrik Schmidt. Alle Texte unter einem Thema zu bündeln und aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedliche Aspekte in längeren Texten zu betrachten, ist ein guter Ansatz.

Das selbst gesteckte Ziel der AGD, sich dadurch »an den aktuellen Diskussionen in der Designszene [zu] beteiligen, selbst Position [zu] beziehen und uns mit den Positionen anderer auseinander[zu]setzen«, wird allerdings (noch?) nicht erreicht. Dafür sind die Artikel der vorliegenden Ausgabe eher informativ als pointiert und Stellung beziehend. Aber das kann man von der zweiten Ausgabe einer neuen Publikation vielleicht auch nicht erwarten.

Es muss dementsprechend die Weiterentwicklung abgewartet werden, ob »agenda design« die knapp über 30.000 €, die jede Ausgabe den Verband kostet (abzüglich der Einnahmen), rechtfertigt.

»agenda design« versteht sich nicht als Mitgliedermagazin o.ä., ist bislang allerdings nur über die Website der AGD für 12,50 €  zu bekommen und nicht im Zeitschriftenhandel (nur punktuell in Berlin)  erhältlich. Mitglieder erhalten ein Exemplar kostenlos zugeschickt.

Ein Kritikpunkt: Die Anzeige der Druckerei Wanderer, die das Magazin klimaneutral gedruckt hat, ist einfach nur peinlich und unangebracht mit ihrer komplett sinnfreien Zurschaustellung nackter Frauen. Unverständlich, dass die Redaktion bzw. die Herausgeber da kein Veto eingelegt haben.


Anmerkung: Ich bin kein Mitglied der AGD. Vielen Dank an AGD-Vorstandsmitglied Sabine Reister, von der ich ein Rezensionsexemplar kostenlos erhielt. Die Geschäftsstelle der AGD lehnte dies ab.

 

Randnotiz

Klick auf Bild führt zur Quelle

PDF-Dateien, die mit Word generiert werden, weisen oftmals einen gestalterischen Fehler auf: Grafiken und Text, die bis an den Rand des Dokuments gehen, werden abgeschnitten. Genau dieses Phänomen fiel mir zuletzt auch bei einem PDF des Vereins »Allianz deutscher Designer (AGD) e.V.« auf –  was so gar nicht zu einem Zusammenschluss von Designern passt.

Für mich Anlass genug, eine kurze Anleitung zu schreiben, wie man diesen Fehler ganz leicht vermeiden kann. Ich arbeite am Mac und mit Word 2011, vermutlich funktioniert es aber mit allen Versionen so oder so ähnlich:

Öffnet man den Druck-Dialog, muss man auf den Button „Seite einrichten“ klicken und dann unter „Papierformat“ den Punkt „Eigene Papierformate“ anwählen. Dort hat man die Möglichkeit, den nicht-druckbaren Bereich zu definieren: im vorliegenden Fall mindestens bei „Oben“ auf 0 mm.

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Das war es schon. Nun natürlich das neue Papierformat unter „Seite einrichten“ anwählen und anschließend das PDF erstellen. Noch ein Tipp: Die besten Ergebnisse erzielt man nicht über „Als PDF sichern…“, sondern über „Save as Adobe PDF“. Denn über diesen Weg kann man noch die Qualität des PDFs steuern, in dem man die passende Acrobat-Einstellungsdatei auswählt.


Eine Datei des AGD-Signets steht auf der Website der AGD zum freien Download zur Verfügung (Stand: 23. Juni 2016) und wurde nur zu Demonstrationszwecken eingesetzt, um die Problemlösung so anschaulich und realitätsnah wie möglich zu illustrieren. 

Hat mein Bild 300 dpi?

Um einen qualitativ hochwertigen Druck zu erhalten, müssen die Bilder eine Auflösung von mindestens 300 dpi haben. Bitte beachten  Sie, dass sich die Auflösung bei der Skalierung von Bildern entsprechend verkleinert.

Ganz allgemein und vereinfacht gesagt stimmt das Zitat, das ich auf einer Website eines Web2Print-Portals gefunden habe.* Allerdings können Laien, und die sind die Zielgruppe dieser Website, mit der Information gar nichts anfangen. dpi ist eine Maßeinheit, die jenseits der Grafikwelt fast niemand kennt. Es gibt viele Seiten im Netz (zum Beispiel hier oder hier), die das Problem erläutern. Für meinen Geschmack setzen sie aber alle zu viel technisches Know-how voraus. Vielleicht hilft die nachfolgende, sehr vereinfachte Erklärung (die Druck- und Fotoexperten lesen bitte nicht weiter).

Zum einen gibt es das Bild. Im Normalfall liegt es als jpg-Datei vor. Nun muss man heraus bekommen, wie groß dieses Bild ist. Dafür bitte nicht ein Lineal an den Monitor halten, sondern in den Dateiinformationen nachsehen. Dort wird ein Pixelwert zu finden sein, zum Beispiel 800 x 600 Pixel.

Zum anderen gibt es einen Platz in beispielsweise einer Broschüre, an dem das Bild gedruckt werden soll; und zwar in den genannten 300 dpi. Dieser Platz ist in diesem Beispiel 10 x 6 cm groß.

Wie bekommt man nun also raus, ob 800 x 600 Pixel ausreichen, um ein 10 x 6 cm großes Bild in 300 dpi drucken zu können? Nehmen Sie den Pixelwert und teilen Sie ihn durch 118. Das Resultat entspricht dann näherungsweise der maximalen Zentimeter-Angabe, in der das Bild noch gut aussieht. In meinem Beispiel also:

800 Pixel / 118 = 6,78 cm

Somit wäre das Beispiel-Bild nicht geeignet, um es mit 10 cm Breite abzudrucken. Hätte die Datei 1200 x 900 Pixel gehabt, hätte es geklappt: 1024 / 118 = 10,17

Manchmal passt ein Motiv von der Breite an den vorhergesehenen Platz, aber nicht von der Höhe (oder anders herum). Darum prüfen Sie lieber immer beides, also Breite und Höhe. Eine zusätzliche Schwierigkeit kann entstehen, wenn man nur einen Ausschnitt des Bildes nutzen möchte. Dann muss die Berechnung natürlich für genau diesen Ausschnitt angestellt werden, und nicht für das Gesamtbild.

Meine Empfehlung: Der professionelle Kommunikationsdesigner oder Fotograf schaut sich jedes Bild natürlich viel genauer an, um für seine Auftraggeber ein perfektes Druckergebnis zu erzielen. Die Farben werden optimiert, Höhen und Tiefen (die heißen wirklich so) feinjustiert, am Kontrast gearbeitet und vieles, vieles mehr. Auch wird darauf geachtet, auf welchem Papier später gedruckt werden soll. Dazu kommt dann auch noch der fachliche Blick, ob das Motiv wirklich passend zum Ziel der Broschüre und der Zielgruppe ist. Für wirklich professionelle Ergebnisse reicht also das Teilen durch 118 nicht aus.

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© kaboompics

* Es gibt Druckereien, die von Fall zu Fall auch Werte unterhalb 300 dpi akzeptieren. Je nach Motiv, Druckverfahren und Papier können auch mal 240 oder sogar 200 dpi ausreichend sein.

Designer sind Unternehmer!

fibel07Zuletzt las ich das sehr umfangreiche und gute Buch »Selbstständig als Designer« von Thorsten Harms und Michael Bernschein. Die gleiche Intention, nämlich Designern die Grundlagen für die Selbstständigkeit mitzugeben, verfolgt Christian Büning mit der »BDG Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«.

Als selbstständiger Diplom-Designer kennt Christian Büning den Berufsalltag sehr genau. Und als stellvertretender Vorsitzender des BDG, des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner, und Vorstandsmitglied des gerade frisch aus der Taufe gehobenen Designer-Dachverbands »Deutscher Designtag« weiß er auch um die Probleme vieler anderer selbstständiger Designer. Der BDG fungiert auch als Mitherausgeber des Buches.

Gleich im Vorwort des Buches wird deutlich, worum es Büning geht: »Designer sind Unternehmer! (…) Es geht nicht darum, den Betriebswirten Konkurrenz zu machen, sondern die Sprache der Auftraggeber sprechen zu können. (…) Am Markt bestehen nur diejenigen Designer, die unternehmerische Rüstzeug mitbringen und anwenden können.« Und genau dieses Rüstzeug liefert Büning mit dem vorliegenden Buch.

Beginnend mit der grundsätzlichen Frage »Will ich das überhaupt?« behandelt das Buch alle Themen, die für Designunternehmer relevant sind. Von der Positionierung, den rechtlichen und steuerlichen Pflichten über Projektmanagement, Haltung oder Kalkulation kommt alles zur Sprache – auch die Sprache selbst, denn »die Sprache macht das Denken sichtbar« und zeigt, wie ernst man es mit seinem Beruf nimmt. (Auch ich mache noch hin und wieder, von Kunden zu sprechen statt von Auftraggebern…)

fibel02Auch eine ausführliche Anleitung zur Kalkulation des eigenen Stundensatzes, Beispiele für die Formulierung von Angeboten, Rechnungen und auch Mahnungen und viele weitere praktische Hinweise finden sich in dem Buch. Jedes Kapitel schließt mit einer zusammenfassenden Liste des zuvor »Gelernten« – eine sehr schöne Idee, die den Leser nochmal zum Nachdenken und gegebenenfalls Zurückblättern bringt.

Mir gefällt sehr gut, dass durch das ganze Buch hindurch der Grundtenor, dass jeder Designer an seine Arbeit mit Haltung herangehen sollte, immer mitschwingt. Insbesondere im Kapitel »Designpraxis« wird dies nochmal betont. »Bringen Sie allen Partnern die Wertschätzung entgegen die Sie sich selbst wünschen. Diese Haltung kostet nichts und bringt einen enormen Gewinn an Freude in den Projekten.«

Das Buch richtet sich zwar vor allem an Kommunikationsdesigner. Aber auch diese werden gerne mal zu Produktdesignern. Genau hierfür gibt es im Buch ein »Bonus-Kapitel«, das aufzeigt, wie Ideen erfolgreich auf den Markt gebracht werden können.

In einem Ausblick am Ende des Buches skizziert Büning seine Sicht auf »die Zukunft unseres Berufes«, die er zweigeteilt sieht: Umsetzer, die durch zunehmende Automatisierung und »Demokratisierung« der technischen Werkzeuge Probleme bekommen werden und Designer, die »bewerten und integrieren« und »die Sprache der Steuerung und der Unternehmen verstehen und sprechen können«.

Bünings Buch ist hervorragend geeignet für alle selbstständigen Designer und solche, die es mal werden wollen. Wo Harms/Bernschein fast schon zu sehr ins Detail geht und neutral/sachlich beschreibt, konzentriert sich dieses Buch auf das Notwendige und überzeugt mich vor allem mit der erwähnten Grundeinstellung (Haltung) zum Beruf des Designers, die sich durch das ganze Buch zieht. Design ist eben viel viel mehr als Design.

Ganz leicht irritiert war ich beim Lesen des Beispiel-Angebots (Seite 62). Mir erscheint es zu klassisch und berücksichtigt meiner Meinung nach zu wenig die Grundidee des Buches (…die Sache mit der Haltung…): Mir fehlt hier die Aussage, dass Design eine Investition ist, die dem Auftraggeber einen Mehrwert verschafft. Aber das Thema Angebot ist so komplex – vielleicht ist das ein eigenes Buch wert.

Bezüglich der AGB wird in dem Buch darauf verwiesen, dass der BDG diese seinen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellt. Meiner Meinung nach sollte der Berufsverband hier über seinen Schatten springen und diese allen Interessierten auf Nachfrage kostenlos schicken.

Ein sehr lesenswertes Buch, das Wissen und Haltung vermittelt.

Christian Büning: »BDG-Gründerfibel für Kommunikationsdesigner«
ISBN 978-3-943513-04-2
22,95 €
Link zum Buch auf der Website des Werkstoff-Verlags


Hinweis: Ich erhielt das Buch für diese Rezension von Verlag zur Verfügung gestellt. Ich bin kein Mitglied im BDG, fühle mich aber seinen Grundwerten verbunden.

 

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Der schwedische Buchstabe å wird annähernd wie das deutsche o ausgesprochen; der Mund muss allerdings weiter geöffnet werden. Mit Worten ist das nicht so gut zu beschreiben, am besten hören Sie einfach zu:

Das gemeinnützige Unicode Consortium versucht alle (Schrift-)Zeichen weltweit zu erfassen und mit einer eindeutigen Nummer zu versehen, um dadurch einen weltweit geltenden Standard zu schaffen und so die Arbeit mit Text zu erleichtern: »Der Einsatz von Unicode (…) ermöglicht bedeutende Kosteneinsparungen im Vergleich mit herkömmlichen Zeichensätzen. Anwendungsprogramme und Internet-Seiten können für viele Systeme, Sprachen und Länder direkt eingesetzt werden, ohne sie jeweils speziell und aufwendig anpassen zu müssen. Text kann mit Unicode weltweit ohne Informationsverluste ausgetauscht werden.«

Zur finanziellen Unterstützung des Unicode-Projekts kam man dort auf die Idee, Paten für einzelne Zeichen zu suchen (Sie können auch Pate für ein Emoji sein). Als Freund des Schwedischen freue ich mich, das Projekt als »Bronze-Sponsor« für den Buchstaben å zu unterstützen!

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