Buchstabensalat

Bei Illustrator CC 2015 ist mir ein kurioser Fehler aufgefallen
(um das richtig erkennen zu können, am besten das Video im Vollbild-Modus ansehen):

Der Fehler tritt nur auf, wenn man »Nur nach dem ersten Wort suchen« eingestellt hat und nicht »Nach gesamtem Schriftnamen suchen«. Diese Einstellung kann man ändern, wenn man auf die kleine Lupe klickt, die in dem Suchfeld zu sehen ist. (Dank an Monika Gause für diesen Hinweis.)

 

What is design?

Wie vielschichtig, wie wichtig, wie omnipräsent Design ist und warum mehr Wert auf durchdachtes Design gelegt werden sollte, kann man auch in diesem Video erfahren:


Künstlersozialkassenprekariat?

Jan-Peter Wahlmann, Vorstandsmitglied der Allianz deutscher Designer e.V. (AGD), kritisiert in einem auf der Website der AGD veröffentlichten Text mit der Überschrift »Künstlerprekariat« , dass bei der Definition des Begriffs »Prekariat« die Zufriedenheit mit der eigenen (beruflichen) Situation nicht berücksichtigt wird. Zugleich rät er, bei Problemen das Gespräch mit Kollegen zu suchen.

Allgemein scheint sich im Netz niemand für den Text zu interessieren. Zu Recht, wie ich zunächst fand. Auch ich habe den Text erst nur überflogen. Denn die Forderung, bei der Definition von Prekariat auch die Zufriedenheit zu berücksichtigen, halte ich für falsch und sogar kontraproduktiv und gefährlich, wenn es darum geht, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Designer zu verbessern. Und das ist – zumindest laut Satzung – ein Ziel der AGD.

Vor kurzem erschien zu diesem Thema ein sehr interessantes Interview, in dem sich die Arbeitssoziologin Alexandra Manske zur Arbeitswelt insbesondere in der Kultur- und Kreativwirtschaft äußert. Sie sieht zutreffend die große Gefahr weit verbreiteter Altersarmut, eben gerade auch durch die von Wahlmann so titulierte »Zufriedenheit«, die bei Manske eher »Selbstverwirklichung« heißt.

In einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe hat sich ein Designer-Kollege dann doch mit dem Text beschäftigt und so echauffiert, dass ich ihn doch noch mal genauer gelesen habe. In der Einleitung geht Wahlmann auf die Begriffe Künstlerprekariat und Künstlersozialkasse ein:

Vor ein paar Jahren fragte mich ein Kunde, ob man als Designer von seiner Arbeit überhaupt leben kann. Damals hörte ich zum ersten Mal vom »Künstlerprekariat«. Inzwischen wird dieser Begriff schon fast inflationär verwendet. Politiker, Wissenschaftler und Verbandsfunktionäre reden gern vom Prekariat, um die wirtschaftliche Situation der Kreativen in einem dramatischen Licht darzustellen.

Künstlerprekariat wird seiner Meinung nach »fast inflationär« gebraucht. Google sieht das ziemlich anders – wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ab wann etwas »fast inflationär« ist*:

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Der Begriff Künstlerprekariat wurde von Chris Dercon in einem Interview im Magazin »monopol« im Jahr 2010 geprägt. Nachdem der Artikel vor sechs Jahren kurz Wellen geschlagen hat, wurde es danach wieder ziemlich still um das Thema und den Begriff. Zumindest für das geschriebene, veröffentlichte Wort »Künstlerprekariat« gilt also nicht, dass es gerne benutzt wird.

Kombiniert mit dem Begriff der »Künstler-Sozial-Kasse« entsteht so der Eindruck, dass die Designer wirtschaftlich unfähig sind und von der Gesellschaft alimentiert werden müssen. Doch entspricht das überhaupt der Wahrheit?

Ob das der Wahrheit entspricht, also ob Designer wirtschaftlich unfähig sind und ob sie von der Gesellschaft alimentiert werden müssen, wird im Text nicht erörtert. Es bleibt unklar, ob es ihm hier nur um die Begriffe geht, oder ob er vielleicht sogar das ganze Konstrukt Künstlersozialkasse – zumindest für Designer – in Frage stellt.

Wenn es um den Begriff KSK geht: 

Der Begriff »Künstlersozialkasse« ist sicherlich wirklich nicht zeitgemäß, gerade bei der großen Anzahl an Berufsgruppen, die sich neben Künstlern und Designern über die KSK versichern können. Eine passenderer Name wäre wünschenswert. (Andererseits: Denkt jeder Arbeitgeber, seine Angestellten seien dauerhaft krank, nur weil er dauerhaft für seine Angestellten Beiträge an die Krankenkasse abführen muss?)

Wenn es um die Institution KSK geht: 

Möchte Wahlmann (oder der AGD-Vorstand – unterzeichnet ist die Veröffentlichung mit »Jan-Peter Wahlmann, AGD-Vorstand«) andeuten, dass er das Konstrukt Künstlersozialkasse kritisch sieht bzw. vielleicht sogar in Gänze für Designer ablehnt? Richtig ist: Designer sind keine Künstler. Gerade die Berufsverbände betonen immer wieder, dass Design ein Wirtschaftsfaktor ist. Darum könnte man berechtigt die Frage diskutieren, ob Designern grundsätzlich die Möglichkeit der Absicherung (»von der Gesellschaft alimentiert«) über die KSK erlaubt sein soll. Aber diese wie ich finde interessante Frage beantwortet Wahlmann leider nicht.


* Google-Suchergebnisse hängen immer von dem eigenen Suchverhalten ab. Die genaue Zahl kann bei jedem Suchvorgang anders sein.
Für den Ausdruck »fast inflationär« gibt es bei Google übrigens immerhin knapp 16.000 Treffer… :-)

Was kostet eigentlich…

…eine Website?

Einfache Antwort: Kommt drauf an.

Es ist wie beim Autokauf: Zwischen Lada und Ferrari liegen große Unterschiede, zwischen Zweisitzer und Transporter auch – in der Funktionalität, im Erscheinungsbild und damit auch im Preis.

Bei einer Website orientieren sich die Kosten vor allem daran, was sie technisch und inhaltlich leisten soll. Michael Priyev hat dazu einen guten (englisch-sprachigen) Text verfasst, zu dem ich gerne verlinke: http://tech.co/much-website-really-cost-2016-02

Vielleicht kann man auf Baukastensysteme zurückgreifen, wie sie hier und da angeboten werden. Ein eigenständiges, unverwechselbares Design und Funktionalitäten, die genau den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens entsprechen und gemeinsam die Grundlage dafür bilden, dass mit einer Website die vorher definierten Ziele erreicht werden, bekommt man so natürlich nicht.

Und das hat seinen Wert.

Mitdenken kann man nicht automatisieren

Im Newsletter der Universität Hamburg wird das neue, weiter entwickelte Corporate Design vorgestellt. Ich arbeite seit Jahren für verschiedene Abteilungen und Fakultäten der Universität, muss mich aber wohl darauf einstellen, dass sich das ändert:

In den nächs­ten Mo­na­ten wird auch in einem so­ge­nann­ten „Brand Ma­nage­ment Por­tal“ eine Web-​to-​print-​An­wen­dung zur Ver­fü­gung ge­stellt, die es auch Lai­in­nen und Laien er­mög­licht, ohne den Ein­satz pro­fes­sio­nel­ler De­si­gn­pro­gram­me (wie In­De­sign) mit Hilfe eines Bau­kas­ten­mo­dells Flyer oder Pos­ter zu er­stel­len.

Vermutlich versprechen sich die Entscheider* von dieser Maßnahme Kosteneinsparungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es durchaus Publikationen gibt, die auf diesem automatisierten Weg sehr gut erstellt werden können – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Konzerne und Institutionen zu Recht Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legt.

Für uns Kommunikationsdesigner bleibt dennoch viel zu tun. Denn ein guter Auftraggeber ruft nicht erst an, wenn ein Faltblatt gestaltet werden soll. Der schlaue Kunde meldet sich schon einen Schritt früher und fragt: »Ich möchte dieses Ziel erreichen und das ist meine Zielgruppe – mit welcher Kommunikationsmaßnahme geht das am besten?« Das kann dann vielleicht ein Faltblatt sein, vielleicht aber auch ein anderer Kommunikationskanal oder die Kombination mehrerer Aktivitäten.

Und: Automatisierung bedeutet immer einen Verlust von Feinheiten. Der Kommunikationsdesigner blickt »von außen« auf die Publikation und erkennt sprachliche Unstimmigkeiten im Text, sieht Fehler bei Rechtschreibung oder Trennung und optimiert das Kerning. Er findet durch seine Erfahrung das passende oder vielleicht überraschende Bild und kann besser als jeder Laie den optimalen Bildausschnitt finden. Bei Grafiken und Tabellen arbeitet er die wichtigste Aussage heraus, räumt auf, findet die beste Darstellungsform (Balken- oder Tortendiagramm? Oder etwas ganz anderes?) und erhöht so den Nutzwert.

Das kann kein Automat.

Ein guter Kommunikationsdesigner beherrscht nicht nur die Werkzeuge (wie das genannte InDesign), sondern ist darüber hinaus und vor allem ein kundiger Berater, damit der Auftraggeber seine jeweiligen Ziele bestmöglich erreicht. Auf diese Beratung zu verzichten, könnte letztendlich teuer werden.


* Es sind immer Frauen und Männer gemeint. Aus Gründen des Leseflusses verzichte ich im Text auf die jeweilige Nennung beider Formen. 


Und weil die sozialen Medien darauf so abfahren, hier noch ein Foto, auch wenn es nur wenig mit dem Beitrag zu tun hat:

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Bug-Report

Für einen Web-Relaunch habe ich die Sitemap der bestehenden Website in InDesign abgebildet. Das geht ratzfatz, wenn man per »Absatzschattierung« dem Absatz eine Farbe zuweist und dann den Text darauf in Weiß schreibt. Ärgerlich nur, dass man das dann nicht drucken kann:

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InDesign nimmt die farbigen Unterlegungen offensichtlich nicht wahr und erkennt nur den weißen Text. Gut, dass im Warndialog gleich eine Lösung angeboten wird.

Auch wenn es also einen einfachen Weg gibt, das Problem zu umgehen, habe ich den Fehler an das InDesign-Team gemeldet. Wenn auch Sie einen Fehler entdecken oder einen Verbesserungsvorschlag haben, können Sie sich hier bei Adobe melden: Wishform Adobe InDesign

 

KSK v16.1

Am 11. Januar 2016 war der Kölner Anwalt Andri Jürgensen in Hamburg zu Gast, um Studierenden und Berufsanfängern aus dem künstlerischen Bereich die Grundzüge der Künstlersozialkasse zu erläutern. Ich bin zwar kein Berufsanfänger mehr und beschäftige mich schon länger mit der KSK, erhielt aber dennoch auch ein paar interessante Infos durch den Vortrag. Eingeladen hatte die Kreativgesellschaft Hamburg, wodurch der Vortrag kostenlos war.*

Zur KSK hatte ich schon in den vergangenen Jahren (2013|2014|2015) Blog-Beiträge veröffentlicht. Der verrückteste für mich neue Aspekt diesmal:

Werbefotografen, die mit ihren Fotos Geld verdienen, sind gemäß KSK-Definition „Künstler“ und dürfen damit in die KSK.

Künstlerische Fotografen, die mit ihren Arbeiten kein Geld verdienen, sind hingegen keine „Künstler“ nach KSK-Definition und damit nicht KSK-berechtigt. (Es sei denn, sie können durch z.B. Ausstellungen [wobei es da wieder wichtig sei, wo diese statt finden] oder Mitgliedschaft im BBK nachweisen, dass sie als Künstler anerkannt sind…)

Andri Jürgensen betonte außerdem sehr deutlich die Unterschiede zwischen privater (PKV) und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und sprach eine deutliche Empfehlung für die gesetzliche aus: Die Beiträge zur PKV sind vom Einkommen abgekoppelt und steigen (fast) jedes Jahr. Die Beiträge zur GKV orientieren sich hingegen am Einkommen und sinken damit, wenn es mal nicht so gut läuft. Und zur PKV bekommt man nur bis zu 50% Zuschuss (nie mehr als der Zuschuss zur GKV wäre), zur GKV hingegen immer 50% Zuschuss.

Wer zwischendurch mal für ein Jahr oder länger angestellt und in dieser Zeit zwangsläufig nicht über die KSK versichert ist, ist anschließend nicht automatisch wieder KSK-berechtigt, sondern wird wieder ganz neu geprüft.

Auch bei anderen Punkten fand Herr Jürgensen klare Worte:

Rufen Sie nie bei der KSK an. Das bringt nichts.

Es bleibt spannend, wie es mit der KSK weiter geht. Durch das »Künstlersozialabgabestabilisierungsgesetz« erhält die Rentenversicherung seit vergangenem Jahr Zuschüsse und damit ausreichend Ressourcen, um 400.000 statt bislang 70.000 Unternehmen zu prüfen. Ob das angestrebte Ziel von 18 bis 20 Millionen Euro Mehreinnahmen damit erreicht wurde, ist noch nicht klar – die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.


* Gerade beim Thema KSK erlebe ich immer noch viel Unwissenheit, auch bei Nicht-Berufsanfängern. Hier könnte die Kreativgesellschaft gerne aktiv(er) werden.

InDesign lernt rechnen

Ein vielfach gewünschtes Feature für InDesign ist die Möglichkeit, in Tabellen mathematische Operationen ausführen zu können, um beispielsweise in einer Rechnung automatisch die Mehrwertsteuer berechnen zu können. Das kann InDesign nicht.

Abhilfe schafft da ein Skript des Franzosen Alban Dubreuil. In der ersten Version von »Calculs Raynaux« waren nur einfache Berechnungen möglich – und das Skript existierte nur auf französisch. Daraufhin habe ich Alban kontaktiert und meine Zusammenarbeit angeboten, um eine englisch- und vielleicht sogar deutschsprachige Version zu erstellen.

Dadurch habe ich offenbar Albans Ehrgeiz angestachelt, der das Skript erheblich erweitert und mit vielen Zusatzfunktionen versehen hat: Währungssymbole können hinzugefügt werden (auf meine Anregung hin vor und hinter der Zahl) genauso wie Tausender- und Dezimaltrennzeichen. Auch können zu dem Ergebnis der eigentlichen Berechnung noch weitere mathematische Operationen wie Addition eines bestimmten Wertes oder prozentualer Berechnungen durchgeführt werden.*

Und noch viel besser: Das Skript liegt jetzt auch in Englisch und Deutsch vor! Alle Feature werden in der Anleitung zu dem InDesign-Skript (für alle Programm-Versionen) ausführlich erklärt. Hier der Link:

http://www.bcv-creation.com/calculs-dans-indesign/calculs-raynaux_DE.php

Calculs Raynaux

Zum einen war ich Sparringspartner für Alban bei der Erweiterung des Funktionsumfangs. Zum anderen habe ich die deutschsprachigen Texte bearbeitet. (Nicht alles ist sprachlich ganz rund, aber ich wollte dem Ganzen nicht den französischen Charme nehmen. :-) Testen Sie gerne das Skript und teilen Sie mir oder Alban Lob oder Kritik mit: Welche weiteren Funktionen wären sinnvoll? Was läuft noch unrund? Ist die Anleitung verständlich? Ich freue mich auf Ihre E-Mail!


* Was InDesign-bedingt nicht funktioniert: Das Rechenergebnis wird nicht automatisch angepasst, wenn sich ein Zellinhalt verändert. 

 

Die DPD-Chroniken

19.11.2015

Das Paket mit den Faltblättern für einen Kunden von mir verlässt die Druckerei. Es ist genügend Zeit bis zu der Veranstaltung am 27.11., bei der die Faltblätter verteilt werden sollen. Der ausführende Paketdienst ist DPD und laut Eigenwerbung (grammatikalisch etwas schwammig) »your delivery experts«.

20.11.2015

Das Paket ist in Hamburg angekommen – und bleibt erst einmal fünf Tage liegen. Aus »Platzmangel«. Ein sich mir nicht erschließender Widerspruch.

25.11.2015

Das Paket befindet sich in der Auslieferung. Laut Tracking auf der DPD-Website kann das Paket allerdings um 15.59 Uhr nicht zugestellt werden. Beim Kunden gibt es einen Pförtner, so dass immer jemand anwesend ist. Es wird auch kein Benachrichtigungszettel hinterlassen.

Statt am folgenden Tag eine erneute Zustellung zu versuchen, soll das Paket zu einem Paketshop geliefert werden, damit der Kunde das dann dort selber abholt. Auch diese Zustellung klappt nicht, weil der Paketshop bereits geschlossen ist, als der Fahrer dort ankommt.

26.11.2015

Noch ein Tag bis zur Veranstaltung.

Es wird ein erneuter Zustellversuch vorgenommen, allerdings nicht bei meinem Kunden, sondern im Paketshop!

Als ich dies bemerke, schalte ich mich ein und kontaktiere DPD. Ich fordere statt dessen die Zustellung beim Kunden, was aber nicht möglich sei.

Ich finde es unzumutbar, dass mein Kunde das Paket mit den Drucksachen selber abholen soll, zumal ja die Leistung »Zustellung beim Kunden« beauftragt und bezahlt war. Außerdem hat mein Kunde ja keinen Abholschein, würde das Paket also gar nicht ausgehändigt bekommen.

Das Paket erreicht sein Ziel »Paketshop«.

Zur Lösung schlage ich vor, das Paket mit einem Kurier vom Paketshop zum knapp 3 km entfernten Kunden zu liefern. Kostet nicht viel, und DPD hätte einen beruhigten Kunden mehr – und ich auch. Auf diesen Vorschlag wird nicht eingegangen, aber ein erneuter Zustellversuch für den 27.11. versprochen.

27.11.

Die Angaben im Tracking sind leicht verwirrend, aber klar ist: Das Paket wurde nicht früh morgens im Paketshop abgeholt, sondern entweder 11.45 Uhr oder 15.10 Uhr. Schon zwei Minuten später steht fest, dass das Paket nicht zugestellt werden kann. Warum auch immer.

Die Veranstaltung meines Kunden ist gelaufen.

Mir wird für den Montag ein erneuter Zustellversuch versprochen.

30.11.2015

Ein »Sortierfehler im Paketzustellzentrum« und – Sie ahnen es – keine Zustellung. Aber das Versprechen, dass am folgenden Tag zugestellt wird.

01.12.2015

Statt eines Zustellversuchs erhalte ich – natürlich erst auf Nachfrage – die Aussage, dass »morgen das Paket zugestellt wird«.

Ich bitte um die Herausgabe der Kontaktdaten des Zuständigen im Vorstand. Wird abgelehnt, dafür aber angeboten, dass sich jemand vom örtlichen Depot bei mir meldet. Das lehne ich ab mit Verweis auf den erlebten Dilettantismus.

02.12.2015

Im Tracking lese ich von einer »Unstimmigkeit bei der Empfangsadresse«, die dafür verantwortlich sein soll, dass am 01.12. nicht zugestellt wurde. Auf Nachfrage, was an den ausführlichen Angaben (hier für diese Auflistung anonymisiert) »Institution, Name, Raum-Angabe, Straße, PLZ, Ort« unstimmig sei, wird sich mal wieder entschuldigt und »umgehende« Nachfrage »bei den Kollegen im Depot« versprochen.

»Wir melden uns bei Ihnen umgehend, sobald wir Neuigkeiten dazu haben.« Niemand meldet sich.

03.12.2015

Zustellung erfolgt. Endlich.

 

Leider scheint das kein Einzelfall zu sein; wenn auch nicht so krass wie in diesem Fall, hörte und las ich im persönlichen Umfeld aber auch in den Weiten des Web von sehr vielen negativen Erlebnissen mit DPD.*

Zum einen wünsche ich mir, dass DPD »umgehend« Kontakt zur Duden-Redaktion aufnimmt, um eine Änderung der Definition des Wortes »umgehend« zu erreichen.

Zum anderen wünsche ich mir, dass jemand mit etwas Kapital (vermutlich ist das für Crowdfunding dann doch eine Nummer zu groß) einen Paketdienst aufbaut, der seine Mitarbeiter gut auswählt und gut bezahlt – und vielleicht auch noch auf Zustellung mit Elektrofahrzeugen setzt. Ich wäre sicher nicht der einzige, der für besseren Service mehr bezahlen würde.

 

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*

Nicht vor der Arbeit, nicht in der Mittagspause, nicht nach der Arbeit und auch nicht am Samstag:
»Mein« DPD-Paketshop ist mit seinen Öffnungszeiten Mo-Fr 10-13 und 14-17.30 Uhr für »normal« arbeitende Menschen auch quasi nicht erreichbar.

 

You can choose to be a positive force

If there is one thing I hope to teach you, it is this: you will not always be safe. (…) You shouldn’t live your life seeking safety at all costs. You shouldn’t compromise your own freedom because madmen took lives, even if it’s dozens, hundreds or thousands. You shouldn’t compromise your own freedom the second, third, and fourth time something terrible happens, either.

What you can do is choose to be one of those people who help. One of those people who make the world better, in small or big ways. You will live through many more terror attacks, stupid governments, unnecessary wars. The human condition is, in many ways, heartbreaking. You cannot make the heartbreak go away. But you can choose to be a positive force. You can choose to be a helper.

Quelle: http://benlog.com/2015/11/13/letter-to-my-two-sons-november-13th-2015/

 

Nutzungsrechte

Ich habe eine Anfrage gemäß Informationsfreiheitsgesetz beim Presse- und Informationsamt der Bundesregierung gestellt, um Einblick in den Rahmenvertrag zu bekommen, der mit einer Werbeagentur geschlossen wurde. Nun erhielt ich die entsprechende Auskunft, und ein Punkt darin ist besonders interessant:

Auch bei den höchsten Stellen in unserem Staat – in diesem Fall dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung – und den größten Agenturen des Landes – in diesem Fall Scholz & Friends Berlin – hält man offenbar nichts von dem in die Jahre gekommenen Modell, nach dem sich die Vergütung für eine Designleistung aus dem eigentlichen Honorar und einer je nach Verwendungszweck unterschiedliche hohen Nutzungsvergütung zusammen setzt. In dem Vertrag ist geregelt, dass mit den Stundensätzen »alle Geschäftsaufwendungen … einschließlich der Übertragung von Nutzungsrechten« abgegolten sind.

Auch ich stehe dem bisherigen Ansatz kritisch gegenüber, der da lautet:

»Honorar nach Stundensatz bzw. Pauschalbetrag
plus
eine Nutzungsvergütung in Abhängigkeit des Nutzungsumfangs, basierend auf dem Honorar«

Meine eigene jahrelange Berufspraxis und viele Gespräche mit Kollegen und Kolleginnen zeigen, dass die wenigsten Auftraggeber das Modell kennen, geschweige denn nachvollziehen können und dementsprechend auch ablehnen. Eine Übereinkunft wie von BPA und Scholz & Friends ist gang und gäbe.

Genau so sah das auch Erik Spiekermann, den ich am Rande einer Veranstaltung Mitte April in Berlin dazu sprechen konnte, bei der es um die Zukunft des Kommunikationsdesign ging. Sinngemäß sagte er, dass das Modell mit der Nutzungsvergütung kein Kunde kapiert, das Erklären viel zu aufwendig sei und er einfach den Stundensatz erhöht. Die Berufsverbände der Designer sind diesbezüglich noch nicht im Hier und Jetzt angekommen und propagieren weiterhin das altbekannte, aber eben nicht altbewährte Modell. Eine Lösung kenne ich auch nicht, mit dem bisherigen Ansatz kommen wir Designer aber nicht weiter.

Gespannt bin ich darum auf die Neufassung des »Vergütungstarifvertrags (VTV) Design« der Allianz deutscher Designer, der Ende Oktober erscheinen soll. Dieser war in seiner letzten Fassung nicht mehr zeitgemäß, stellt allerdings den wesentlichen Grundpfeiler der AGD dar. Sobald mir ein Exemplar des VTV vorliegt, werde ich berichten.

Diese Überlegungen beziehen sich zuallererst aufs Kommunikationsdesign. Soweit ich es beurteilen kann, sieht es beim Produktdesign und bei Illustrationen anders aus.

#CREATIVETEXT

Wer textet so einen inhaltlichen Unfug? 

Wage den Sprung…
Es ist also mit einem Risiko verbunden, zur CC-Version zu wechseln?

… und sichere Dir bis zu 60%
Der Neukunde bekommt (= sich sichern) also »bis zu 60%« der Software, die im CC-Paket enthalten ist?

Und dann war da noch… Auch, auch egal.

Darum geht es eigentlich: Wer mit den alten Softwarepaketen zwischen CS3 und CS6 von Adobe arbeitet, kann bis Samstag, 3.10., das komplette Creative-Cloud-Paket mit einem sehr viel größeren Funktionsumfang als in den alten Paketen für einen im ersten Jahr bis zu 60 % vergünstigten Preis buchen. Hier sind alle weiteren Infos. 

Zur Lage der Designer in Deutschland

Meine selbstgestellte Sommeraufgabe war, mir Gedanken über das Berufsbild des »Designers« zu machen. Ich bin ehrlich gesagt nicht dazu gekommen. Erholung musste auch mal sein, und dann war gleich wieder Praxis statt Beschäftigung mit der Theorie angesagt.

Unerwartet sind nun aber einige sehr interessante Meinungsäußerungen zu genau diesem Thema erschienen. Drei Veröffentlichungen möchte ich hervorheben:

Christian Büning, Vorsitzender des Bundesverband der deutschen Kommunikationsdesigner e.V., hat über die „gestörte Lage der Designer“ in Deutschland geschrieben.

Zur von der EU geplanten Reform des Urheberrechts schreibt der Anwalt von „Charlie Hebdo“, Richard Malka.

Und Frank Wagner, vielfach ausgezeichneter Designer aus München, hat seine Gedanken zum Wert des Designs gleich in ein ganzes Buch gepackt: »The Value of Design«.

Alles sehr lesenswert! Gerne würde ich mit Frank Wagner und Christian Büning und weiteren Designern eine Diskussionsrunde planen. Ich werde mal meine Fühler ausstrecken und sehen, was geht.

Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance

Von Anfang an meiner Selbstständigkeit war es mir ein Bedürfnis, Mitglied eines Berufsverbandes zu sein. Meine Hauptmotivation dafür war und ist, in einem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständiger Designer mitzuwirken. Dazu gehört  u.a. Lobbyarbeit, durch die die Wertschätzung von Design bei unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Politik erhöht werden soll. (Frank Wagner hat zum Thema »Wert von Design« ein gutes Buch geschrieben.)

Die beiden relevanten Berufsverbände für Kommunikations- und Grafikdesigner sind der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner e.V. und die Allianz deutscher Designer (AGD) e.V. Beide Verbände habe ich mir seinerzeit genauer angesehen und mich dann für die AGD entschieden, nicht zuletzt, weil sie mit damals 3.000 Mitgliedern (heute viel weniger) der größere Verband war.

Ab 2011, nachdem eine neue Generation die Leitung der AGD übernommen hatte, habe auch ich mich engagiert und war u.a. ehrenamtlich als Regionalsprecher Hamburg mit viel Elan aktiv. Dabei habe ich versucht, mit vielen Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen die Mitglieder berufswirtschaftlich weiter zu bringen und untereinander zu vernetzen. Nach drei Jahren habe ich mein Amt aufgegeben; und heute habe ich die Kündigung meiner AGD-Mitgliedschaft abgeschickt.

Kurz zusammen gefasst stellt sich die AGD momentan so dar:

  • kein Eintreten für die Anliegen der Designer gegenüber Wirtschaft und Politik
  • fragwürdiger Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen
  • mangelhafte Kommunikation nach innen und außen

Den Weg, den der Vorstand beschlossen hat (Stichwort »Netzwerk/Kreativteam«), halte ich für grundsätzlich falsch, und er entspricht auch nicht meinem Anspruch an einen Berufsverband. Veränderungen können natürlich nur innerhalb des Verbandes, also während der Mitgliedschaft, erreicht werden. Diverse Themen habe ich über die letzten Jahre immer wieder – erfolglos – angesprochen. Irgendwann ist genug, auch fürs eigene mentale Wohlbefinden (»Work/Ehrenamtliche-Arbeit/Life-Balance« könnte man das nennen).

Wer zu den einzelnen Punkten mehr wissen will, kann mich gerne anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Ein Argument für die Mitgliedschaft, das ich von vielen Mitgliedern höre, ist die kostenlose Erstberatung durch einen Juristen bzw. einen Steuerberater. Das reicht mir persönlich nicht als Begründung für die Mitgliedschaft in einem Berufsverband. Und: Solche Beratungsangebote gibt es mittlerweile auch bei anderen Verbänden (hier zum Beispiel).

Hoffnung für die AGD macht mir eigentlich nur, dass zumindest Teile des Vorstands angekündigt haben, 2017 bei der nächsten turnusmäßigen Vorstandswahl nicht wieder anzutreten. Außerdem gibt es wohl Anstrengungen einiger Mitglieder, die AGD grundsätzlich zu reformieren. Dafür wünsche ich viel Erfolg. Denn ich bin weiterhin an einer starken Lobby für die Anliegen der selbstständigen Designer interessiert, werde die AGD natürlich nicht aus den Augen verlieren und drücke die Daumen, dass es irgendwann in die richtige Richtung geht.

Ergänzung vom 9. Oktober 2015: 

Im heutigen Newsletter der AGD sind endlich einmal positive Ansätze bezüglich einer veränderten internen Kommunikation zu erkennen! Fehler in der Vergangenheit werden eingeräumt und ein Schaubild mit der »zukünftigen Wege und Möglichkeiten der Kommunikation im Verband« vorgestellt. Ich drücke Wolfgang Beinert alle Daumen, dass seine Bemühungen etwas verändern werden.

Schade, dass offenbar nur er etwas bewirken kann und die schon vorher vielstimmig geäußerte Kritik anderer Mitglieder nicht ernst genommen wurde.

Ergänzung vom 1. Dezember 2015: 

Wolfgang Beinert sieht seine Bemühungen gescheitert, gemeinsam mit dem aktuellen Vorstand und der Geschäftsführerin Veränderungen auf den Weg zu bringen.

 

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Die Homepage der AGD, unverändert seit April 2015.

Vier Fragen und vier Antworten

Meine liebe Kollegin Katja Frauenkron ist ziemlich kreativ und umtriebig. Neben ihrer eigentlichen Arbeit als Deichgrafikerin ist sie dauernd mit neuen Sachen beschäftigt: Kalligraphie, Töpfern, gezeichnete/gemalte Reisetagebücher und vieles mehr* zeugen von ihrer Vielseitigkeit. Einen Einblick in das alles gewinnt man beim Lesen ihres Blogs. Katjas neueste Idee: Sie fragt Kolleginnen und Kollegen: »Was machst Du gerade?«, und diese Woche hatte ich die Ehre, antworten zu dürfen.

Vielen Dank, Katja!

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* Vor knapp drei Jahren initiierten Katja und ich das Twitter-Projekt »createandrotate«, bei dem jede Woche ein anderer Designer von irgendwo auf dem Globus. 

»Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby.«

screenshot 2015-09-03 um 19.33.36Ich bin Mitglied im »Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.« (VGSD) geworden. Ich habe diesen Schritt länger überlegt. Zunächst hatte ich den Eindruck gewonnen, dass unter den Mitgliedern zu viele Berater und Coaches sind, die hier nur neue Kunden suchen.

Im Frühsommer 2015 startete der Verband eine Kampagne zum Thema Scheinselbstständigkeit. Es geht dabei darum, die derzeit noch unklare Rechtslage zu verändern. Mich beeindruckte dabei, wie der kleine Verband (damals noch unter 1.000 Mitglieder) das Thema über seine unterschiedlichen Kommunikationskanäle verbreitete und so bis heute erstaunliche 12.500 Unterzeichner für die dazugehörige Petition sammeln konnte. Darüber hinaus gelang es, Kontakt zu Politik und Gewerkschaften zu knüpfen. Und eine »Roadshow« machte in einigen deutschen Städten halt und informierte vor Ort zu dem Thema. Damit hat der VGSD meiner Meinung nach gezeigt, wie trotz kleiner Budgets gute Lobbyarbeit aussehen kann.

Schlau finde ich auch den Ansatz des VGSD, zwei verschiedene Mitgliedschaften anzubieten. Ganz kostenlos kann man »Community-Mitglied« werden und hilft schon damit, die Stimme des Verbands wichtiger zu machen. Als weiteren interessanten Ansatz kann man bei der »normalen« Mitgliedschaft den eigenen Mitgliedsbeitrag frei wählen (größergleich 5 €) und so der eigenen wirtschaftlichen Lage anpassen.

Mir gefällt darüber hinaus der Menüpunkt »Mitmachen«, unter dem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, sich aktiv zu beteiligen. »Für jedes Zeitbudget ist etwas dabei«, und die Ziele und Aktivitäten des Verbandes können dort beeinflusst werden.

Mein persönliches Lobby-Thema ist eher ein anderes (Verbesserung der Wertschätzung von Design), weswegen ich mein Zeitbudget – außer ein paar Klicks und Tweets – an anderer Stelle einsetzen werde. Durch meine Mitgliedschaft möchte ich aber signalisieren, dass ich die Arbeit des VGSD sinnvoll finde.

Hier finden Sie mein Profil im »Branchenlisting« des VGSD. Leider ist diese Übersicht der Verbandsmitglieder auf der Homepage des Verbands nur schwer zu finden.