Am 15. Juni fand in Bielefeld die CXI Konferenz statt: Dort präsentieren Agenturen zusammen mit ihren Auftraggebern neue und herausragende Corporate-Design-Projekte vor. Eine toller Ansatz, da man so mitunter auch etwas über die Prozesse erfährt (so überzeugend, dass andere das Konzept der Veranstaltung einfach… sagen wir mal: übernommen haben). Ich war zum zweieinhalbten Mal vor Ort (letztes Jahr wurde ich durch die Bahn bzw. ein Unwetter ausgebremst) und habe wieder viele spannende Anregungen mitgenommen. Nicht alle Projekte überzeugen durch und durch, und zu einem musste ich meine Gedanken aufschreiben:

 

Eins der dort vorgestellten Projekte war das neue Erscheinungsbild der Lufthansa (eine ausführliche Beschreibung dazu findet sich beispielsweise im Designtagebuch). Ronald Wild von der Lufthansa stellte zusammen mit Peter Martin von Martin et Karczinski die gemeinsame Arbeit vor.

Ich finde das neue Erscheinungsbild sehr gelungen. Alles wirkt sehr edel, hochwertig und durchdacht. Den Schwerpunkt auf das Blau zu legen und Gelb nur noch zur Akzentuierung einzusetzen, unterstreicht den Premium-Ansatz. Gratulation an alle Beteiligten.

Aber.

Es gab so Kleinigkeiten, die mich ein wenig verwirrt haben.

A. Im „Showreel“ zum Re-Branding tauchen (natürlich) anfangs Kraniche auf – schließlich wurde auch der markante Kranich in der Bildmarke leicht modifiziert. Wie man aber auf die Idee kommen kann, Mandschureikraniche im Schnee zu zeigen statt der in Deutschland beheimateten (sogenannten Grauen) Kraniche, die als Zugvögel eher überhaupt nicht im Schnee anzutreffen sind, erschließt sich mir leider nicht. »Ach, das fällt schon keinem auf« oder ungenaue Recherche hätte ich auf dem Niveau nicht erwartet.

 

B. Die Kranich-Bildmarke soll, so wurde es gesagt, nur eingesetzt werden, wenn dadurch auch das Produkt aufgewertet wird. Nur: Welcher Mehrwert entsteht hier?

(Nebenbei: Wie heißen diese Hinterkopfschmutzschutzdingens eigentlich?)


 

 

C. Dass das Lufthansa-Motto »We strive to create experiences that enrich people’s live« natürlich nicht für Normalsterbliche in der Business Class gilt – geschenkt. Dafür ist die Gewinnmarge in dem Bereich vermutlich zu gering. Meine »Customer Experience« sieht zumindest leider meist so aus: Viel zu früh am Flughafen sein müssen, nerviges Anstehen bei der Sicherheitskontrolle, Warten, Warten, Warten, überteuertes Essen und Trinken, Gedränge beim Boarding*, enge Sitze, wenig Beinfreiheit, besser nicht aufstehen müssen, mieses Essen, Warten aufs Gepäck, langer Weg vom Flughafen in die Stadt (außer in Hamburg). Den ökologischen Fußabdruck will ich da gar nicht erst erwähnen. Um dem »Premium«-Anspruch gerecht zu werden, muss die Lufthansa meiner Meinung nach entweder auf die Holzklasse-Passagiere komplett verzichten, oder auch hier tätig werden. Da reicht ein neues Design nicht aus.

 

Abschließend möchte ich aber nochmal betonen, wie inspirierend und lehrreich alle Vorträge und damit die CXI Konferenz insgesamt waren. Auch wenn ich vielleicht nicht alles durchweg überzeugend fand und vielleicht manch eine Entscheidung anders getroffen hätte, helfen einem die Einblicke in die Prozesse und Ergebnisse der Kollegen sehr viel für die eigene Arbeit.

 

* Könnte bitte jemand mal auf die Idee kommen, das Boarding nicht nach Reihen, sondern nach Sitzen zu strukturieren? Wenn zunächst alle auf den Sitzen A und F, danach erst B und E und zuletzt C und D an Bord gehen, könnte alles viel entspannter ablaufen. Zum Boarding gibt es aber noch andere Ideen. 

 


Die Fotos von der CXI habe ich fotografiert, die anderen beiden Bilder sind Screenshots aus dem »Show Reel« zum Re-Branding der Lufthansa.