In Schweden gibt es mit www.grafx.se ein gemeinsames Angebot der Arbeitgeber der »grafischen Branche« (»grafiska företagen«) und der dazugehörigen Arbeitnehmerorganisation, der Gewerkschaft für die Wald- Holz- und Grafikbranche (»Facket för skogs-, trä- och grafisk bransch«).

Gemeinsames Ziel ist es, Schulabsolventen für das Druckgewerbe zu begeistern. Das beginnt schon mit der griffigen URL. Und aktuell arbeitet man mit dem schwedischen Influencer Simon Lussetti* zusammen, der auf die typische YouTube-Art in einer Reihe von Videos zeigt, was eigentlich alles so ge-/bedruckt werden kann. Zwei Videos sind bislang erschienen, in denen beispielsweise ein selbst gestalteter Stuhl aus Pappe hergestellt wird:

Ein interessanter Ansatz. Auch Instagram wird genutzt. Ein kleines, feines Detail: jedes Bild dort hat Schnittmarken an den Rändern. :-)

Und bei uns? Auch hier gibt es Nachwuchsmangel (Link), in der öffentlichen Wahrnehmung ist aber mehr von Arbeitsplatzabbau die Rede. 2017 gab es vom BVDM eine Kampagne unter dem Motto „Gestochen scharf – Perfekt veredelt“. In der Pressemitteilung dazu heißt es: »Zwei aufmerksamkeitsstarke Keyvisuals für Plakate, Flyer, Banner, Anzeigen, eine informative Website inklusive Ausbildungsplatzbörse (www.druckindustrie.de), ein Leitfaden für die Anwerbung von Jugendlichen und weitere gezielte Maßnahmen sollen mehr Jugendliche von einer Ausbildung in der Druck- und Medienbranche überzeugen.«

Nun ja. Ich bezweifle, dass so etwas hier bei der Zielgruppe »aufmerksamkeitsstark« ist und großartig Wirkung zeigt – wenn sie denn überhaupt über die gewählten Kommunikationskanäle signifikant erreicht wurde:

Auch die URL grafx.se spricht mich eher an als ein druckindustrie.de. Dass auf der Website die Keyvisuals nicht mehr vorkommen, sagt auch etwas aus (Korrektur: Auf einer Unterseite sind sie noch zu finden). Anders als in Schweden scheint die Kampagne auch nicht gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di entstanden zu sein (mit der man aktuell auch über einen neuen Tarifvertrag streitet). Die bei der Zielgruppe so wichtigen Kanäle YouTube oder Instagram werden gar nicht genutzt.

Nachwort: Eigentlich wollte ich nur einen kurzen Blogeintrag darüber schreiben, dass die Druckbranche in Schweden mit einem Influencer zusammen arbeitet. Dass daraus eine (sicherlich schnelle, oberflächliche und nicht sehr fundierte) Analyse der entsprechenden Kampagne in Deutschland wurde, war nicht beabsichtigt. Ich werde mal den Kontakt zum BVDM suchen, um herauszufinden, ob die Kampagne anders als meine Vermutung doch erfolgreich war.

Und vielleicht kann man dann gemeinsam Kommunikationsmaßnahmen entwickeln, mit denen die Druckindustrie im Ringen um gute Fachkräfte erfolgreich(er) sein kann.

 

Ergänzung am 16.10.2018: Gestern hatte ich Gelegenheit, mit einem Vertreter des BVDM zu sprechen. Frank Fischer freute sich über meinen Hinweis auf die schwedische Kampagne, hätte sich aber auch gefreut, wenn ich vor Schreiben meines Beitrags den BVDM kontaktiert hätte. Stimmt.

Zum Erfolg oder Misserfolg der letztjährigen Kampagne liegen leider keine Zahlen vor, da neben der Dachkampagne des Verbands vor allem die Druckereien selbst die Anzeigenmotive genutzt haben. Für die Zukunft kündigte Herr Fischer an, dass es für die Nachwuchswerbung neue Ideen gibt, unter anderem ein Blog.


* Dass Simon aus Südschweden kommt, hört man ziemlich. Aber da ich weiß, wovon er redet, verstehe ich ihn gerade so…