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Diplom-Designer Karsten Geisler hat bereits die dritte, natürlich aktualisierte und erweiterte Auflage von »Adobe InDesign CC – der praktische Einstieg« im Rheinwerk-Verlag veröffentlicht. Auf knapp 450 Seiten erklärt der Autor von Grund auf, wie InDesign arbeitet. Die wichtigsten Funktionen werden alle angesprochen und erläutert. Dabei werden auch Ausflüge zu Photoshop, Illustrator, Word und Bridge unternommen, die im normalen Workflow ja auch wichtig sind.

Die Struktur des Buches orientiert sich an den Funktionen von InDesign: Von der Erläuterung der „Benutzeroberfläche“ geht es über „Dokumente anlegen“, „Mit Text arbeiten“; „Bilder“, Tabellen“, „Pfade und Objekte“, „Farben und Effekte“, „Praktische Hilfsmittel“ bin zu „Dokumente prüfen und ausgeben“ und „Digital Publishing“.

Innerhalb der einzelnen Kapitel gibt es immer wieder Workshops, die Teilaspekte vertiefen und anhand von praktischen Beispielen das Erlernen noch leichter machen. Dazu passend gibt es immer Beispieldateien, die man als Käufer des Buches (und/oder E-Books) kostenlos laden kann.

Das Buch ist daher sehr gut geeignet, um den praktischen Einstieg in InDesign zu bekommen – genau wie es der Titel verspricht. Und sogar ich als „PowerUser“ fand eine Funktion erläutert, die ich bislang nicht beachtet habe: den „Power-Zoom“ (Seite 39).

Dennoch habe ich ein paar kleine Kritikpunkte, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Zunächst einmal stört mich an allen Software-Handbüchern generell, wenn im Vorwort kein Hinweis dazu zu finden ist, dass das Beherrschen des Werkzeugs noch keine gute Arbeit garantiert. Wer gut mit dem Gemüseschäler umgehen kann, ist nicht gleich ein guter Koch. Genau so reicht es nicht, InDesign zu beherrschen, um einen »richtigen Hingucker« zu gestalten, wie es das Vorwort in diesem Fall suggeriert. Dazu gehört viel viel mehr.

An manchen Stellen im Buch werden Funktionen erwähnt, die leider nirgends weiter erläutert werden. Drei Beispiele: „Publish Online” wird (auf S. 23) in einem Satz beiläufig erwähnt, müsste meiner Meinung nach im Schlusskapitel „Digital Publishing” dann wenigstens einen Absatz bekommen.„CC Libraries” werden bei den Bibliotheken erwähnt („Neben den CC Libraries…”), aber nirgends erläutert. Das „Inhaltsverzeichnis” wird nur im Zusammenhang mit EPUB angesprochen (S. 436), aber sonst nicht erwähnt, obwohl sie auch bei der Erstellung von Print-Dokumenten eine zeitsparende Funktion sein können.

Bei den Erläuterungen zum Anlegen eines Dokuments mit den drei Dateiformaten inddindb und indl macht der Autor einen Sprung und ist in einem Absatz (S. 49) plötzlich bei den Exportformaten. Das verwirrt m.M.n. gerade Anfänger immens.

Und der kurze Exkurs in „Suchen und Ersetzen” mitten im Kapitel „Zeichenformate” (S. 90f.) ist an dieser Stelle inhaltlich nicht notwendig und verleitet zu einem letztendlich unpraktischen Verhalten („doppelklicken Sie jedes Mal auf den gefundenen Text, und weisen Sie dem so markierten Text mit einem Klick auf die entsprechende Zeile im Zeichenformate-Bedienfeld das Zeichenformat 1 zu”, S. 91). Nur wer den Hinweis in der Marginale beachtet (und richtig versteht, denn dort wird der Begriff „Textmodus” benutzt, der in InDesign ja noch eine andere Bedeutung hat) und ab Seite 356 weiter liest, wird „Suchen und Ersetzen” irgendwann sinnvoll einsetzen.

Und auch dass im Abschnitt über Tabellen- und Zellenformate die „Absatzformatgruppen“ erläutert werden (S. 241), erschließt sich mir nicht.

Positiv hervorheben möchte ich aber auch einiges: Die bereits oben erwähnten Abschnitte zu Word, Illustrator, Bridge und vor allem Photoshop hätte ich so nicht erwartet. Gerade das Kapitel „Bilder“ (S. 153ff.) geht weit über InDesign hinaus! Auch ein 50 Seiten starkes (!) Kapitel zu „Dokumente prüfen und ausgeben“ (ab Seite 364) hätte ich so nicht erwartet und hilft nicht nur InDesign-Neueinsteigern, damit ihre Publikation nicht nur gut auf dem Bildschirm aussieht, sondern auch nach dem Druck.

Trotz der kleinen Kritikpunkte möchte ich eine Empfehlung für das Buch aussprechen.

Wer InDesign lernen will, bekommt hier wirklich »den praktischen Einstieg«.

Übrigens empfehle ich in jedem Fall, das Bundle aus E-Book und gedrucktem Buch zu kaufen: Das Buch eignet sich – so meine Erfahrung – besser zum Lernen, das E-Book besser zum Nachschlagen. Und zusammen ist es nur 5 € teurer als das Buch.

»Adobe InDesign CC – der praktische Einstieg«
3., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018
Karsten Geisler
Rheinwerk-Verlag
ISBN 978-3-8362-6307-8
Buch € 34,90
E-Book € 30,90
Buch + E-Book € 39,90
Link zur Verlagswebsite


Anmerkung: Ich bekam das Buch für diese Rezension kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt.


Anmerkung 2: Im Jahr 2018 scheint der Rheinwerk-Verlag eine kleine InDesign-Offensive zu starten: Gleich drei Neuauflagen bekannter Bücher sind dort erschienen oder werden noch erscheinen. Neben dem hier rezensierten ist auch »Adobe InDesign CC – Schritt für Schritt zum perfekten Layout« erschienen, das sich laut Verlagsangaben »sich nicht nur an Einsteiger, sondern auch an Fortgeschrittene« wendet und »in Workshops aufgebaut [ist], mit denen man typische Aufgaben schnell nachschlagen und erledigen kann«. Ich finde die Abgrenzung etwas schwierig, zumal das hier besprochene Buch ebenfalls wenn auch kurze Workshops enthält.

Über allem steht als weitere aktualisierte Neuerscheinung das wirklich »Umfassende Handbuch« von Hans Peter Schneeberger und Robert Feix, das in keinem InDesign-Profi-Haushalt fehlen sollte.


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