Andri Jürgensen ist der Anwalt und Fachmann bei allen Fragen rund um die Künstlersozialkasse (KSK). Nachdem er 2016 das »Praxishandbuch Künstlersozialabgabe« veröffentlichte, das sich an alle richtet, die Aufträge an »Künstler und Publizisten« vergeben (hier können Sie meine Rezension dazu nachlesen), hat er nun die 4. Auflage des »Ratgeber Künstlersozialversicherung« vorgelegt. Dieses Buch richtet sich an selbstständige Künstler und Publizisten und bietet einen »ersten Überblick« (Zitat Klappentext) für alle, die sich mit der KSK beschäftigen müssen oder wollen.

Nach einer Einführung in das System der Künstlersozialversicherung werden in dem Buch die Voraussetzungen für die Versicherungspflicht erläutert. Ja, es ist eine Pflichtversicherung – was viele nicht wissen. Erfüllt man die Voraussetzungen, hat man eigentlich keine Wahl. Warum allerdings manche Künstler und Publizisten etwas dagegen haben, dass durch einen Dritten – die Künstlersozialversicherung (KSV) – grob gesagt die Hälfte der eigenen Sozialversicherungsabgaben (Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung) bezahlt werden, habe ich noch nie richtig verstanden.

Die Definition, ob man »Künstler oder Publizist« im Sinne der KSK ist, wandelt sich stets. 1981, als das entsprechende Gesetz verabschiedet wurde, gab es beispielsweise noch kein Webdesign, und die ersten Anträge von Webdesignern wurden auch ablehnt. Heute gehört Webdesign aber zu den Tätigkeiten, die – in der Regel – von der Behörde akzeptiert werden. Jürgensen bringt viele Beispiele, warum ein bestimmter Beruf angenommen, andere wiederum abgelehnt wurden. Kompliziert ist es beispielsweise bei Modedesignern: Setzen sie ihre Entwürfe selber um, dürfen sie derzeit eher nicht in die KSK; werden aber lediglich Entwürfe verkauft und dann von anderen realisiert, ist die Unterstützung durch die KSK derzeit eher kein Problem. (ohne Gewähr!)

Hilfreich ist diesbezüglich auch eine Liste von 400 Tätigkeiten, die einen ersten Anhaltspunkt vermittelt, ob man damit KSK-versicherungspflichtig ist. Allerdings darf man sich darauf nicht verlassen, denn die Aufnahme durch die KSK ist letztendlich eine Einzelfallprüfung, bei der auch andere Aspekte wie beispielsweise ein bestimmter Mindestgewinn eine Rolle spielen.

Weitere Kapitel des Buches beschäftigen sich mit nicht-künstlerischen Einkünften und deren Folgen und mit der privaten Krankenversicherung: Auch dort kann man über die KSK versichert sein, es gelten hier aber Obergrenzen, so dass ein pauschales „Die Hälfte zahlt die KSK“ hier nicht gilt.

Im abschließenden Kapitel wird dann das Verwaltungsverfahren und die Beitragsberechnung erläutert. Denn diese ist etwas ungewöhnlich, bemisst sich der Beitrag doch anhand des voraussichtlich im Folgejahr erzielten Gewinns. Weicht diese Prognose vom späteren Gewinn deutlich ab, kann es sogar zu Bußgeldern und Rückforderungen kommen.

Der Anhang enthält neben der oben erwähnten Liste der Tätigkeiten (siehe Foto) auch noch wichtige Gesetzestexte sowie ein umfangreiches Stichwortregister.

Jürgensen weiß aus seiner beruflichen Praxis, dass das Thema sehr komplex und kompliziert ist. Darum spricht er vermutlich auf dem Klappentext vom »ersten Überblick«. Mein Eindruck ist aber, dass die 85 Seiten plus Anhang sehr viele Fragen zu den Vorteilen, Voraussetzungen und den Verfahren beantworten und damit vermutlich der Großteil der Fälle abgedeckt.

Leider sind Jürgensen bei dieser 4. Auflage neben ein paar Tippfehlern ein paar kleine, wirklich nur kleine Fehler durchgerutscht, die den Gesamteindruck aber nicht schmälern. »Derzeit liegt der Abgabesatz bei 3,9 %« (Seite 3) galt zuletzt 2012 und dass mit einem Urteil »jedoch nicht vor 2015 zu rechnen« ist, dürfte in einem Buch von 2018 auch nicht stehen (Seite 16). Im Abschnitt zu »Publizistik« hätte ich mir gewünscht, dass auch eine Einschätzung zum Werbetexter vorgenommen wird.

An Jürgensens Layout-Idee, Tabellen und Beispiele jeweils oben auf den Seiten zu platzieren, habe ich mich immer noch nicht gewöhnen können (siehe meine Rezension zu seinem anderen Buch); auch die Schriften-Kombination überzeugt mich weiterhin nicht. Und statt der französischen Verwendung der «Guillemets» würde ich durchgehend die »deutsche« Variante einsetzen.

Sehr gut finde ich beispielsweise, dass in einem eigenen Abschnitt erklärt wird, wie man seinen Gewinn berechnet und was zu den Betriebseinnahmen und -ausgaben gehört. Auch eine entsprechende Tabelle ist beigefügt (Seite 44). Mein Wunsch an den Autor wäre, diese als Excel-Datei o.ä. auf seiner Website zum Download zur Verfügung zu stellen. Genauso wie die Musterschreiben, z.B. um Widerspruch einzulegen, die in dem Buch abgebildet sind.

Zusammengefasst: Ein wichtiges Buch für alle Künstler und Publizisten.

 

Interessant finde ich übrigens auch das Angebot einer Telefonberatung, das Andri Jürgensen auf seiner Website anbietet. Aber das gehört hier eigentlich nicht mit rein – ist ja eine Buchrezension…

Andri Jürgensen
Ratgeber Künstlersozialversicherung
4., aktualisierte Ausgabe 2018
Verlag Kunst Medien Recht
€ 17,90
ISBN 978-3-937641-44-7


Das Buch wurde mir vom Autor für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.