Annika Brinkmann kenne ich schon seit vielen Jahren. Schon immer hat sie sich dafür stark gemacht, der Darstellung von Inhalten auf »mobilen Endgeräten« mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie nicht nur als Abklatsch der (für viele Designer immer noch »normalen«) Darstellung für den Desktop anzusehen. Anfang 2019 erschien nun ihr Buch »Struktur und Design responsiver Webseiten auf Smartphones« (Link zum Verlag) bei Springer Gabler, das sich genau diesem, »ihrem« Thema widmet, nämlich »Wie Sie das mobile Internet userfreundlich gestalten«.

Das Buch erscheint in der Reihe »essentials«. Dementsprechend ist es mit 63 Seiten recht kurz, enthält aber alles Wesentliche. Brinkmann präsentiert zunächst meist schlechte Beispiele, zeigt also, welche Darstellung bzw. welchen Aufbau einer Website nicht gelungen ist, um dann Verbesserungsvorschläge zu machen. Um keine Namen zu nennen, sind alle Beispiele schematisch und in schwarzweiß dargestellt. Hier ein Beispiel:

Gut sind die grauen Kästen, die an verschiedenen Stellen das sowieso schon Kompakte nochmals auf den Punkt bringen. Leider gehen sie beim EPUB, das Grundlage meiner Rezension war, wie im nachfolgenden Beispiel gerne mal über zwei Seiten, was nicht so leserfreundlich ist.:

Brinkmann gibt mit ihrem Buch wichtige und richtige Hinweise, um mobile Websites zu optimieren. (Bitte wenden Sie ihre Tipps nicht auf meine Website an; wie so oft gilt auch hier: Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe…) Ich mag auch einzelne Sätze, die es hier und da auf den Punkt bringen wie:

Zwingen Sie den User niemals, sein Smartphone zu drehen!

oder

Stellen Sie Kontext über Konsistenz.

Mein Lieblingsabsatz, dem ich inhaltlich voll zustimme (und einen schönen Gruß unbekannterweise an Sabine Reichel sende):

„Der Bedarf an Designern wird auch in Zukunft sehr hoch sein“ habe ich 2001 zu meiner Kommilitonin gesagt. „Ja, aber der Bedarf an Leuten, die vermitteln, dass der Bedarf an Designern sehr hoch sein wird, wird noch größer sein“ war ihre Antwort. Recht hattest Du, Sabine Reichel.

 

Leider enthält das Buch einige Schwachstellen. Auf mich wirkt es im Ganzen so, als hätte keine Lektorin daran mitgearbeitet, die den Inhalt noch deutlicher strukturiert und pointiert. Die paar fehlenden Kommas – geschenkt. Den Lesefluss störender finde ich, dass einige Mal Begriffe eingeführt werden, ohne sie zu erläutern. Bestes Beispiel ist »Contiguous Navigation« auf Seite 25, das sogar eine Fußnote bekommt, aber auch dort nicht erklärt wird. Dann, auf Seite 56 wird es überraschend für mich doch erklärt – aber warum dann kein Querverweis?

Querverweise und Links sind im EPUB blau hervorgehoben; ein Klick darauf führt aber nicht »quer«, sondern gar nichts passiert. Das ist leider überhaupt nicht »State-of-the-Art«, wie es Springer Gabler für seine Reihe »essentials« postuliert.

Dass alle Abbildungen in schwarzweiß sind, liegt vermutlich daran, dass so einerseits Druckkosten gespart werden können und andererseits viele EPUB-Reader nur schwarzweiße Darstellung erlauben. Meine Sehgewohnheiten empfinden die Darstellungen aber als anstrengend, weil die Essenz der Abbildungen nicht so leicht erfasst werden kann. Und bestimmt wäre es technisch möglich gewesen, ein farbiges Ausgangsprodukt herzustellen, das dann je nach Ausgabekanal farblich umgewandelt wird.

 

Abschließend wieder etwas sehr Positives: eine meiner Meinung nach sehr wichtige Abbildung aus dem Buch, die ich allen Fotografen und Bildanbietern ans Herz legen möchte:

Nicht nur für Websites ist es sinnvoll, Fotos mit genügend »Futter« zu haben. Auch jede Printproduktion lebt von einem guten Bildausschnitt. Den möchten wir Designer aber gerne selber festlegen, passend zum Layout und der Grundtonalität der Publikation. Dementsprechend freuen wir uns, wenn Bilder, die für Design und Werbung fotografiert werden, »Futter« haben.

Insgesamt mein Fazit zu diesem Buch:
Für schmale 4,99 € (EPUB, PDF) oder 14,99 € (Softcover) durchaus lohnend!

Hier nochmal der Link zum Verlag.


Anmerkung: Das Buch wurde mir für die Rezension kostenlos vom Verlag digital als EPUB zur Verfügung gestellt.

Noch eine Anmerkung: Wie erwähnt konnte ich das Buch online als EPUB ansehen. Die Schriftqualität ist dabei so schlecht wie hier in den Screenshots dokumentiert. Es ist darüberhinaus technisch untersagt, Textausschnitte zu kopieren. Zwei Einschränkungen, die das Lesen und Rezensieren sehr erschweren. Offenbar ist der Verlag der Meinung, dass Rezensenten grundsätzlich böse Menschen sind, die nichts anderes im Sinn haben, als ein Buch zu kopieren oder illegal ins Netz zu stellen. Da gäbe es heutzutage andere Möglichkeiten, die das Kopieren erschweren oder eine Nachverfolgung möglich machen würden.